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Schott Mainz : Eine Rheinhessen-Auswahl

  • -Aktualisiert am

2017 rollten Exil-Tibeter auf der Tribüne von Schott Mainz ihre Flagge als Protest gegen die Unterdrückung ihres Volkes durch China aus. Bild: Picture-Alliance

Vor drei Jahren sorgte Schott Mainz für Schlagzeilen, weil Exil-Tibeter auf der Tribüne ihre Flagge als Protest gegen die Unterdrückung ihres Volkes durch Peking ausrollten. Nun kehrt der Klub in die Regionalliga zurück.

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          Auf der Landkarte des deutschen Fußballs ist die Karlsbader Straße in Mainz nur ein winziger Punkt, der neben dem ortsansässigen Bundesligaverein vom Bruchweg kaum zu sehen ist. Erst einmal erlangten die Kicker des TSV Schott Mainz bundesweite Aufmerksamkeit. Im November 2017 war das, als sie eine zwischen der Regionalliga Südwest und der chinesischen U-20-Nationalmannschaft vereinbarte Testspielserie eröffneten. Das sorgte für Schlagzeilen, weil einige Exil-Tibeter auf der Tribüne ihre Flagge als Protest gegen die Unterdrückung ihres Volkes durch Peking ausrollten, die chinesische Delegation die Partie für eine halbe Stunde unterbrach – und alle weiteren Begegnungen anschließend abgesagt wurden.

          Für den TSV Schott war das Abenteuer Regionalliga nach einer Saison beendet. Zwar spielte der Aufsteiger mit den attraktivsten Fußball aller Konkurrenten, doch erst nach der Winterpause gelang es, die Leistungen auch halbwegs regelmäßig in Tore und Punkte umzumünzen. Das wollen sie diesmal besser machen: Nach zwei Oberligajahren meldet sich das Team von Cheftrainer Sascha Meeth als Meister in der vierthöchsten Klasse zurück. Schon angesichts des schmalen Etats, der nicht mal andeutungsweise an Profifußball erinnert, wieder als krasser Außenseiter, zumal sechs Klubs der auf 22 Teilnehmer angewachsenen Liga absteigen müssen. Aber mit einem homogenen, über mehrere Spielzeiten gewachsenen und noch einmal punktuell verstärkten Kader.

          Das schmale Budget, das den neben der U 23 des FSV Mainz 05 zweiten Mainzer Klub der Klasse auch diesmal zum ersten Abstiegsanwärter abstempelt, versuchen Spieler und Verantwortliche in eine Stärke umzumünzen. „Wer bei uns spielt, dem geht es nicht ums Geld“, sagt beispielsweise Konstantin Fring. Vor elf Jahren unter Thomas Tuchel mit der 05-A-Jugend Deutscher Meister geworden, danach am Bruchweg, bei Borussia Dortmund II und Rot-Weiss Essen jeweils zwei Jahre in Regionalliga oder Dritter Liga unterwegs, könnte er bei manchem klassentieferen Klub in Rheinhessen mehr verdienen als bei Schott. „Aber hier stimmt der Leistungsgedanke, in Sascha Meeth haben wir einen Trainer, der vorangeht, und im Training haben wir Qualität ohne Ende.“

          Das Niveau stehe dem bei seinen Profistationen in nichts nach. Tatsächlich ist der seit Sommer 2016 für den TSV Schott tätige Coach ein wesentlicher Faktor dafür, dass der Verein auch mit wenig Geld so weit oben mitspielt. Abgesehen von seinen fachlichen und didaktischen Qualitäten kommt ihm seine langjährige Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum der 05er zugute, seiner vorherigen Station, bei der er zuletzt für die U-17-Bundesligamannschaft zuständig war. Etliche ehemalige FSV-Akteure, darunter die Routiniers Fring, Manuel Schneider (ebenfalls aus dem 2009er Meisterteam) und Jonas Raltschitsch tragen seit geraumer Zeit das Schott-Trikot. Jetzt sind in Tim Müller und Tolga Demirbas zwei weitere hinzugestoßen, die das defensive Mittelfeld des Aufsteigers verstärken werden.

          Für Spieler wie Demirbas ist der Wechsel von 05 zum kleinen Nachbarn nur scheinbar ein Rückschritt. Nach zwei Regionalligaspielzeiten mit verletzungsbedingt nur 15 Einsätzen verbindet er damit die Hoffnung nicht nur auf mehr Spielzeit und Spaß. Zugleich sieht er darin die Chance, auf diesem Umweg doch noch im bezahlten Fußball zu landen. „Wenn die Jungs sich entsprechend entwickeln, helfe ich ihnen gern auch bei der Suche nach einem höherklassigen Verein“, sagt Sascha Meeth.

          Die Kaderzusammenstellung für die neue Saison kann man auch als Experiment betrachten. Der Trainer hat bewusst darauf verzichtet, den Markt abzugrasen, sondern ausschließlich Kicker aus der Region verpflichtet, gern auch aus unteren Klassen und der eigenen Jugend. Mit dieser erweiterten Rheinhessen-Auswahl in der Regionalliga zu bestehen wird eine Herausforderung. „Aber die nehmen wir gern an“, sagt Meeth, „wir sind in der Breite sehr gut besetzt, die Mischung aus älteren und jüngeren Spielern stimmt, und die Jungs sind alle willig, sie wollen sich alle weiterentwickeln. Und alle fiebern dem ersten Spieltag entgegen.“

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