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Schmerzmittel und Doping : Die Schluckkultur im Fußball

Dopingkontrolle: Fußball-Profis werden regelmäßig auf die Einnahme von unerlaubten Mitteln überprüft. Bild: picture-alliance / Norbert Schmi

Wohl jeder Profi hat schon Schmerzmittel genommen - für die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) gehört dies auf die Doping-Liste.

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          Lissabon, Samstagabend, Real gegen Atlético: Das ganz große Ding. Champions-League-Finale, der Traum jedes Fußballprofis. Um dabei zu sein, versuchen sie alles. Diego Costa, Atléticos verletzter Star-Stürmer, hat die vergangenen Tage in Belgrad verbracht. Der Oberschenkel macht nicht mit, also muss der Wunderdoktor her, schreibt die spanische Presse. Frau Wunderdoktor, um genau zu sein. Marijana Kovacevic, Spezialität: Injektion von Pferdeplazenta, hat versucht, Costa wieder fit zu machen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Und während Costa am Mittwoch in die Luft ging, auf dem Rückweg von Belgrad nach Madrid, diskutierten in Frankfurt auf Einladung des Hessischen Rundfunks im Eintracht-Museum neben anderen Andrea Gotzmann, die Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur, und Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes, das „Spiel mit der Pille“ - das Verhältnis von Fußball und Doping.

          Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Frau Kovacevic in Belgrad garantiert auf ihrer Website eine Behandlung nach allen Regeln der Kunst, also im Einklang mit dem Anti-Doping-Kodex - und präsentiert nebenher beeindruckende Namen internationaler Profis auf ihrer Patientenliste.

          Sind die Zeiten der Schluckkultur wirklich vorbei?

          Wunderheiler haben offenbar keine Konjunktursorgen. Dabei zeigte sich Koch, als Jurist im DFB für Rechtsfragen und Anti-Doping zuständig, überzeugt, dass es das im Fußball heute nicht mehr gebe. „Vor Jahrzehnten gab es einen Masseur im Profifußball, der hatte wegen seiner angeblichen wundersamen Heilmethoden den Spitznamen Miraculix, der auch Tabletten verteilte. Solche Zeiten sind doch vorbei.“

          Tatsächlich? Um zu erfahren, wie verbreitet die Schluckkultur im Fußball ist, muss man nur Christian Klein fragen. Der Trainer des Oberligaklubs VfR Mannheim, früher Spieler in der A-Junioren-Bundesliga und am Mittwoch ebenfalls Gast in der WM-Arena, hat es selbst erlebt: „Die Schmerztabletten werden unter der Hand verteilt, von Spieler zu Spieler. Früher nicht anders als heute. Auch bei uns geht es um maximalen Erfolg um jeden Preis. Ich habe es selbst erlebt, dass Spieler vom Physiotherapeuten schließlich Placebos bekommen haben, weil ihnen irgendetwas weh tat, wenn sie nichts schluckten.“

          Pferdeplazenta spritzen für die schnelle Heilung

          Für Andrea Gotzmann gehören Schmerzmittel deshalb auf die Liste der verbotenen Mittel, aber dann hätte nicht nur der Fußball ein Problem. „Ich sehe Schmerzmittel nicht als Doping“, sagte Spielerberater Thomas Ernst am Mittwoch, der den Einsatz von Schmerzmitteln aus seiner eigenen Karriere als Bundesligatorwart kennt. Ohne Schmerzhemmer ist der Profifußball und der „entgeltorientierte Amateurfußball“, wie der DFB seine oberen Spielklassen nennt, undenkbar. Und was ist schon der Einsatz von Schmerzmitteln, wenn sogar, Beispiel Belgrad, für die schnelle Heilung auch Pferdeplazenta gespritzt wird?

          Noch spannender allerdings bleibt die Auflösung der Frage, ob im modernen Fußball nicht nur geschluckt und gespritzt wird, was das Regelwerk hergibt, sondern systematisch gedopt wird. Die Parameter machen stutzig, nicht nur Soziologen wie Antje Dresen vom sportwissenschaftlichen Institut der Universität Mainz: „In allen Sportarten, die einer gewissen Logik folgen, ist Doping eine probate Option. Die Arena Fußball ist sehr kommerziell, die Konkurrenz ist groß, die körperlichen Ressourcen werden angegriffen. Dahinter stecken Existenzen.“ Und tatsächlich ist es ja nicht so, dass im Fußball nicht auch schon systematisch gedopt wurde - bei Juventus Turin in den neunziger Jahren, zum Beispiel. Und wie war das noch mit den guten Verbindungen des spanischen Mediziners Eufemiano Fuentes zu diversen Fußballklubs?

          Ernst hält systematisches Doping im deutschen Fußball trotzdem für ausgeschlossen, und Klub- und Verbandsfunktionären wie Koch braucht mit Unterstellungen niemand zu kommen. Muss ja auch nicht sein, das zeigte die Diskussion im Museum. „Ich habe es selbst angeboten bekommen“, erzählte Christian Klein. „Ich war als junger Spieler häufiger im Fitnessstudio, und da bekommst du Angebote. Anabolika und andere Dinge.“ Es darf nur keiner ja sagen.

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