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Ruderer Stephan Krüger : Mit Lust an der Qual für das letzte große Ziel

  • -Aktualisiert am

Angriff: Stephan Krüger (links, hier 2019 in Linz neben Tim Ole Naske) will nochmal zu den Olympischen Spielen. Bild: Picture-Alliance

Stephan Krüger will im Doppelzweier zum vierten Male Olympische Spiele erleben. Doch davor muss er einige Hindernisse überwinden. Das sorgt auch für Ärger bei dem 31-Jährigen.

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          Noch immer lässt sie ihn nicht los, die Suche nach dem perfekten Schlag. Jeden Morgen steigt Stephan Krüger dafür ins Boot, reizt seine körperlichen Grenzen aus und stellt sich ein ums andere Mal den oft zermürbenden Auswahlverfahren, die der Deutsche Ruderverband seinen Athleten auf dem Weg ins Nationalteam auferlegt. Obwohl der 31-Jährige schon Welt- und Europameister war, obwohl er seit 15 Jahren alles für den Leistungssport gibt, bereitet die Qual ihm immer noch Spaß. Beim Gedanken daran, dass spätestens im nächsten Jahr alles vorbei sein wird, wenn die Olympischen Spiele in Tokio entweder Vergangenheit, abermals verschoben oder abgesagt worden sind, spürt der gebürtige Rostocker schon jetzt einen Schmerz. „Nie wieder wird mein Körper so fit sein wie jetzt“, stellt er mit einem Anflug von vorauseilender Wehmut fest.

          In Japan würde das Mitglied der Frankfurter RG Germania seine vierten Spiele erleben. Vielleicht hält der Olympiasechste von Peking 2008 dann endlich eine Medaille in der Hand. Ein Traum wird für den Skuller jedoch unerfüllt bleiben: der, außer im Doppel-Vierer oder -Zweier auch mal als Solist das Großereignis zu erleben.

          Der Zusage traut er nicht

          Im Ringen um den begehrten Einer wurde Krüger bei den deutschen Meisterschaften 2019 von Oliver Zeidler geschlagen. Dessen folgende Dominanz auf internationalen Gewässern ließ der Konkurrenz keine Chance, den Welt- und Europameister noch einmal anzugreifen. Doch auch im Vierer war kein Platz für Krüger. Er passe nicht hinein, hörte der Routinier. Vielleicht weil der Rotschopf mit einigen Athleten angeeckt war. Zudem aber gilt der zeitweilige Partner des Olympiadritten Marcel Hacker als eine Bank im Zweier.

          Der Zusage, dass er in dem Kleinboot gesetzt sei, das er bei der WM 2019 in Linz zusammen mit dem in den Vierer abberufenen Tim Ole Naske zum Olympiaticket manövrierte, traut er nicht. „Es ist ein Bonbon, das gleich wieder mit dem Hammer zerschlagen wird“, formuliert Krüger das. Als Beleg für diese Behauptung dient ihm die Tatsache, dass er sich seit einem halben Jahr mit drei anderen Anwärtern in einer Serie von Testrennen misst. Zwei Runden sind überstanden, auf die dritte bereitet sich das Quartett aktuell im Trainingslager in Ratzeburg vor.

          Für Krüger steht das Ergebnis fest. Kein Weg führe an ihm und dem Gießener Marc Weber vorbei. Die beiden haben die jüngsten Duelle in Schleswig-Holstein Anfang Juli für sich entschieden. „Man will allen gerecht werden“, sagt Krüger. Aber über einen so langen Zeitraum immer Vollgas geben zu müssen, bei keinem einzigen Schlag nachlassen zu können, während sich die Besatzungen in anderen Klassen schon längst ihrer Rollsitze in den Nationalbooten sicher sein dürfen, das sei nicht einfach zu verkraften. Der Sinn steht zudem in Frage. Bis zu den Spielen, sollten sie 2021 stattfinden, dauert es noch ein Jahr. Bis dahin kann viel passieren. Als einzige Herausforderung steht im Oktober eine Europameisterschaft im polnischen Ort Poznan auf dem Plan, über deren Austragung in zwei Wochen entschieden wird.

          In der angespannten Situation tut es Krüger gut, dass er seit 1. Juli die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters an der TU Hamburg innehat und sich so vom Rudern ablenken kann. Sie sichert dem studierten Wirtschaftsingenieur zudem nach seiner Karriere die Chance auf eine Promotion in maritimer Logistik. Um seine Zukunft muss sich der Sportsoldat also nicht sorgen und kann die letzten Rudererlebnisse unbeschwert genießen. Die Leichtigkeit seines neuen Partners hilft ihm dabei. „Marc nimmt die Dinge nicht so ernst.“ Von dem U-23-Weltmeister könne er trotz der eigenen Erfahrung lernen. Beispielsweise am Start ruhig zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass die eigene Physis ausreicht, um am Ende, wenn die anderen nachlassen, die Formkurve noch einmal hochzutreiben. Und dass Weber Psychologie studiert, hilft auch, gemeinsam zur Perfektion zu finden.

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