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Rudern in Frankfurt : Zeidler und das Netzwerk der Germania

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Alles klar: Oliver Zeidler rudert ab sofort für die Germania. Bild: dpa

Die Olympia-Enttäuschung ist verarbeitet. Ruder-Welt- und Europameister Oliver Zeidler startet nun für die Frankfurter RG Germania. Von der Partnerschaft versprechen sich beide Seiten so einiges.

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          Die Gedanken an diesen Sommertag in Tokio schmerzen Oliver Zeidler noch sehr. Als Goldfavorit war der 25 Jahre alte Einerruderer zu den Olympischen Spielen nach Japan geflogen. Der von der Konkurrenz scheinbar nicht zu schlagende Europa- und Weltmeister wollte nach präziser Vorbereitung in Asien nach dem größtmöglichen Erfolg greifen.

          Doch im Halbfinale ging dieser Traum auf dem Sea Forest Waterway unter. Rückblickend weiß sich der Skuller, der um 0,6 Sekunden am Endlauf vorbeischrammte, nichts vorzuwerfen. Doch man müsse am Tag X auch das nötige Glück haben. „Auf den letzten Metern haben mich Wind und Welle gleichzeitig erwischt“, sagt Zeidler. „Im Schlussspurt musste ich auf einer Seite mehr ziehen als auf der anderen.“ Dadurch hätten sich die Kräfte nicht optimal addiert, und er konnte seine Stärke nicht ausspielen.

          Mehrere Wochen lang stieg der so hart getroffene Sportler, der bei schwierigen Bedingungen auch andere „eigenwillige Rennausgänge“ sah, nach dieser Enttäuschung nicht ins Boot; eine Ellbogenverletzung bremste ihn zusätzlich. Mittlerweile ist alles wieder im Lot. Mit großer Lust steuert Zeidler die Spiele in Paris 2024 an. Für den Weg, auf dem der frühere Leistungsschwimmer die Szene als Solist weiter prägen will, hat er neue Begleiter gefunden.

          Der in Dachau geborene Modellathlet, der bislang für den DRC Ingolstadt im Boot saß, startet neuerdings für die Frankfurter RG Germania. Im Alltag wird sich wenig ändern. Der Bayer behält seinen Lebensmittelpunkt in München, wird dort die meiste Zeit üben und seinen Vater Heino als Trainer behalten. Ab und an wird er am Main präsent sein oder vom Topteam von Germania-Chefcoach Ralf Hollmann Besuch in Oberschleißheim bekommen. Auch gemeinsame Trainingslager sind angedacht.

          Eine Symbiose im Ruderboot

          Zeidler verspricht sich von der Kooperation eine Entlastung in administrativen und organisatorischen Fragen und will vom Netzwerk der Germanen profitieren. Da er selbst in einer Steuerberatung und sein Vater als Polizist arbeitet, war die „Two-Man-Show“ zusehends belastend geworden. Die „Manpower“ des Traditionsvereins wird nun Unterstützung leisten. Im Gegenzug sollen die anderen ambitionierten Athleten der Frankfurter von der professionellen Einstellung und der Erfahrung der neuen Spitzenkraft lernen.

          Mit einem ähnlichen beidseitigen Benefit im Blick war 2005 der Olympiadritte Marcel Hacker aus Magdeburg verpflichtet worden, 2018 übernahm der frühere Weltmeister Stephan Krüger den Rollsitz des Vorbilds. Nachdem auch der Rostocker seine Karriere nach einem letzten Olympiastart 2021 beendet hat, sollte ein neues Zugpferd gewonnen werden. Gleichzeitig richtet sich die Germania neu aus: Lag in den vergangenen Jahren ein Schwerpunkt auf den Leichtgewichten, will sich das Führungsgremium um den Vorsitzenden Stephan Bub in Zukunft auf die Kleinboote im Allgemeinen konzentrieren.

          Als Bundesstützpunkt, gemeinsam mit den Mainzern, möchte man so einen Gegenpol zu den anderen Standorten des Deutschen Ruderverbandes setzen, in denen, wie im Achter-Leistungszentrum in Dortmund, die Großboote im Vordergrund stehen. Als Ziel gibt Bub Olympiamedaillen aus. „Wer sich niedrige Ziele setzt, wird auch nur entsprechende Ergebnisse erzielen“, sagt der in den USA beheimatete Vorstand. Als beratender Experte wurde der frühere Bundestrainer Hartmut Buschbacher gewonnen, der zuletzt den chinesischen Frauen-Achter zu Olympiabronze dirigierte.

          Die Heim-EM hat er fest im Blick

          Das Konzept und die damit verbundene Aufbruchstimmung bei den Germanen begrüßt Zeidler. In der von Norddeutschland dominierten Szene sieht er darin eine Möglichkeit, auch in seinen eigenen südlicheren Gefilden seinen Sport groß zu machen. Mit neuem Elan geht er die nächsten Ziele an. Seit Donnerstag ist Zeidler mit der Nationalmannschaft in Portugal im Trainingslager. Anfang April steht ein erster Leistungstest in Leipzig an. „Im Vergleich zum vergangenen Jahr hänge ich eineinhalb Monate hinterher“, sagt er.

          Dennoch sei er im Plan, da die Weltmeisterschaften in Tschechien erst Mitte September ausgetragen werden. Zuvor steht im August die EM in München an. Vor genau 50 Jahren wurde sein Großvater Hans-Johann Färber auf der täglichen Trainingsstrecke des Enkels Olympiasieger im Vierer mit Steuermann. Seinen eigenen Titel dort erfolgreich zu verteidigen, wäre für Zeidler ein persönliches Highlight. Aber auch dafür muss am Tag X das Glück mitspielen.

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