https://www.faz.net/-gtl-nlzi

Reiten : Der Biebricher Schloßpark bringt Marcus Ehning Glück

Perfekter Ritt: Marcus Ehning sieht in Wiesbaden. Bild: F.A.Z. - Foto Michael Kretzer

Zwei kamen durch, einer war schneller: Im Stechen um den mit 60000 Euro dotierten Großen Preis von Wiesbaden schafften am Pfingstmontag nur zwei von acht Reitern fehlerfreie Runden.

          3 Min.

          Zwei kamen durch, einer war schneller: Im Stechen um den mit 60000 Euro dotierten Großen Preis von Wiesbaden schafften am Pfingstmontag nur zwei von acht Reitern fehlerfreie Runden. Allein der 29 Jahre alte Weltcupsieger Marcus Ehning sorgte am Ende dafür, daß dem erfahrenen Franzosen Michel Robert sein Sicherheitsritt auf Galet d'Auzay in 41,88 Sekunden nicht zum Sieg reichte. "Ich hatte mir lediglich ausgerechnet, daß ich unter die ersten drei kommen könnte", sagte Robert hinterher. "Mein Pferd ist noch jung, erst neun Jahre alt, und ich habe es für das nächste Pfingstturnier geschont." Als letzter Starter nutzte Ehning auf seinem Weltcupsiegerpferd Anka die günstige Gelegenheit und schlug zu: Null Fehler und 39,68 Sekunden brachten ihm den Sieg und 18000 Euro Preisgeld. Der Biebricher Schloßpark bringt dem Westfalen Glück: Im vergangenen Jahr gewann er am Pfingstsonntag mit For Pleasure das Springen der Riders Tour.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Platz drei ging an die Brasilianerin Luciana Diniz-Knippling, deren Hengst Dover am letzten Hindernis eine Stange mitriß. "Ich hatte wohl einfach zu große Lust, hier zu gewinnen", sagte sie. Die 38,62 Sekunden, die sie für ihre Stech-Runde brauchte, hätten für den Sieg gereicht. Allerdings ist das letzte Hindernis für viele Reiter das schwerste, weil die Pferde dann schon müde und im Geist auf dem Weg zum Stall sind - und die Menschen in Gedanken bereits im Ziel. So handelten sich am Montag drei von acht Stech-Teilnehmern am letzten Sprung, einem Oxer, Abwürfe ein.

          Auch Christian Ahlmann aus Marl scheiterte mit Cöster dort, so daß er Sechster wurde. Der 29 Jahre alte Nationenpreisreiter hatte aber trotzdem allen Grund zur Freude. Am Samstag nämlich war er bei einem schweren Springen gestürzt, und zwar gemeinsam mit seinem zehnjährigen Holsteiner Schimmelwallach, mit dem er noch viele Ruhmestaten vorhat. Das Hindernis, ein großer Oxer, zerfiel dabei mit lautem Krachen in seine Einzelteile, die Leute hielten den Atem an. Sobald Ahlmann wieder aufgestanden war, galt die größte Sorge dem Millionen teuren Pferd. Die Nullrunde im Normalparcours des Großen Preises hat aber nun gezeigt, daß Cöster keinen Schaden genommen hat. Schließlich sind die beiden heiße Kandidaten für die Equipe, die im August bei den Europameisterschaften der Springreiter in Donaueschingen stattfinden wird. Da lachte die Sonne wieder im Schloßpark zu Biebrich.

          Allererdings nicht mehr für Derbysieger Ludger Beerbaum. Sein zuvor höchst erfolgreiches Pfingstfest endete mit zwei Abwürfen im Normalparcours auf Diabolo du Parc. Der Gewittersturm vom Sonntag hatte Beerbaum offensichtlich besser gelegen, und das, obwohl seine Stute Gladdys Blitzlicht überhaupt nicht mag. Tatsächlich wurde ihm auf dem Weg zum Sieg in der Riders Tour eher unbehaglich. Am Himmel tobte das Unwetter, unter ihm schrak Gladdys zusammen. Beerbaum mußte seine ganze Reitkunst einsetzen im Audi-Championat von Hessen: Mit einem fehlerfreien Parcours in der besten Zeit erreichte er trotzdem die Siegerrunde, wo er wiederum der Schnellste war, sich 9400 Euro Preisgeld sicherte und außerdem bereits zum zweiten Mal nach dem Derbysieg in Hamburg die maximale Punktzahl in der höchstdotierten Springserie der Welt erhielt. Den Audi, mit dem er anschließend durch den Parcours kurvte, mußte Beerbaum allerdings wieder abgeben. Aufgrund des komplizierten Reglements der Riders Tour, bei der ein Springen auf dem Papier wie zwei Springen gewertet und das Preisgeld im Verhältnis 40:60 ausbezahlt wird, ließ sich der Wert des Autos nicht gerecht aufsplitten.

          Trotz dieser neuen Komplikation, die wohl bedeutet, daß in der Riders Tour künftig als Hauptpreis kein Auto mehr ausgesetzt werden kann, hielten sich die Diskussionen um das Reglement in Grenzen. Weitere Kommentare, ob es gerecht ist, wenn unabhängig vom Einzelschicksal genau zehn Teilnehmer zur Siegerrunde zugelassen sind, halten die Betroffenen mittlerweile für sinnlos. Diesmal mußten zwar niemandem Fehler aus dem Normalparcours erlassen werden. Dafür gab es elf fehlerfreie Runden, und das langsamste Paar, die Irin Jessica Kürten mit Quibell, mußte ausscheiden.

          Zweitschnellster hinter Beerbaum (34,18 Sekunden) war der Niederländer Yves

          Houtackers, der mit Eole als erster Starter im Nachteil war und trotzdem mit 16 Hundertstelsekunden Rückstand nur knapp geschlagen wurde. Platz drei erreichte Otto Becker (Mühlen) mit dem nach einer Verletzung wieder topfitten Cento. Becker übrigens fehlte am Montag im Großen Preis. Den Weltcupsieger von 2002 zog es zum Turnier in seine Heimatstadt Großostheim. Dort mußte sich der ins Schockemöhle-Land ausgewanderte Mainfranke mal wieder blicken lassen.

          Weitere Themen

          Kerber scheitert krachend

          French Open : Kerber scheitert krachend

          Blamable Vorstellung in Paris: Nach einem enttäuschenden Auftritt ist die deutsche Nummer eins wie im Vorjahr in der ersten Runde der French Open gescheitert. Die erst 19 Jahre alte Slowenin Kaja Juvan zwang Angelique Kerber in die Knie.

          Topmeldungen

          Deutsche Alpen: Auch Urlaub in den eigenen Staatsgrenzen kann erholsam sein.

          Corona-Risikogebiete : Wo dürfen wir Urlaub machen?

          Immer mehr Urlaubsländer werden zum Corona-Risikogebiet. Strengere Quarantäne-Regeln machen das Reisen noch unangenehmer. Und die Kontrollen werden schärfer.
          Aserbaidschanische Soldaten schießen auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Nagornyj Karabach – Aufnahme aus Filmmaterial, das das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Sonntag veröffentlicht hat

          Konflikt um Nagornyj Karabach : Jeder feiert seine Erfolge

          Bei den neu entflammten Kämpfen in Nagornyj Karabach ist die Propaganda ein wichtiges Mittel. Doch die Parteien erhalten auch international Hilfe – aus Russland und der Türkei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.