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Infektionen in Regionalliga : Wie kommt das Virus zum FSV Frankfurt?

  • -Aktualisiert am

Termindruck und Corona-Infektionen: schwere Zeiten für den FSV Frankfurt Bild: Picture-Alliance

Dem FSV Frankfurt droht wegen mehrerer Corona-Infektionen im Kader eine längere Spielpause. Das würde zu einem weiteren großen Problem rund um die Nachholspiele führen. Präsident Görner befürchtet Wettbewerbsverzerrung.

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          26 Spieler hat der FSV Frankfurt in seinem Regionalliga-Kader aufgelistet. In der Südwestgruppe der vierthöchsten Spielklasse wird laut der Spielordnung eine Begegnung aus „dringendem Grund“ dann abgesetzt, wenn nach Testung auf das Corona-Virus weniger als 16 Spieler ein negatives Ergebnis vorweisen können. Oder wenn sich unter diesen Spielern nicht mindestens zwei Torhüter mit jeweils negativem Testergebnis befinden. Das Heimspiel an diesem Samstag gegen den SC Freiburg II musste am Donnerstag abgesagt werden, weil beim FSV mehrere Spieler positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

          Quarantäne und Spielpause

          Wie viele Akteure betroffen sind und ob auch Mitglieder des Trainerstabs involviert sind, dazu machte der FSV am Freitag keine Angaben. Nach Informationen der F.A.Z. sollen es bis zu sechs Spieler sein. Im Hinblick auf die Kaderstärke liegt die Vermutung nahe, dass bei zwei der drei Torhüter das Testergebnis positiv ausgefallen sein muss.

          Den Frankfurtern, die aktuell Tabellenzweiter sind, droht eine längere Spielpause. Die positiven Corona-Tests wurden mit Schnelltests ermittelt. Bei allen betroffenen Personen schloss sich jeweils ein sogenannter PCR-Test an, der in allen Fällen endgültige Sicherheit bringen wird. Bestätigen sich die positiven Testergebnisse, entscheiden jeweils die Gesundheitsämter an den Wohnorten der Spieler, wie weiter verfahren wird.

          Ob nur einzelne Spieler in Quarantäne müssen oder etwa die gesamte Mannschaft. Die Quarantänezeit könnte zwei Wochen oder sogar länger dauern, sofern es bei den betroffenen Personen zu schweren Krankheitsverläufen kommt. Nicht zu vergessen, dass die Bornheimer vor ihrem Restart gegebenenfalls mindestens eine Woche Vorlaufzeit zum Trainieren benötigten. Zwei Nachholspiele gegen Steinbach Haiger und Kickers Offenbach müssen die Bornheimer schon bestreiten.

          Probleme mit dem Spielplan

          Bis zum 27. Februar sieht der Spielplan sechs weitere Partien vor, darunter die gegen Steinbach und Offenbach. Hätten die Frankfurter insgesamt „fünf bis sieben Spiele Rückstand“ auf die anderen Klubs und müssten sie deshalb „jede Woche am Dienstag oder Mittwoch“ spielen, „wäre das einfach eine Wettbewerbsverzerrung“, sagt Vereinspräsident Michael Görner.

          Schon vor dem Start hatten die Frankfurter in Zeiten der Corona-Pandemie Bedenken angemeldet, ob die Saison komplett gespielt werden kann. „Ohne jetzt vorwurfsvoll sein zu wollen, haben wir es von Anfang an als große Herausforderung beschrieben“, sagt Görner. Ihren Trainings- und Geschäftsstellenbetrieb lassen die Bornheimer aufgrund ihrer „Sorgfaltspflicht“ ruhen. „Für uns steht das gesundheitliche Wohl unserer Spieler und Mitarbeiter an oberster Stelle.“

          Der Vereinspräsident hat „keine Erklärung“ dafür, „wie das Virus zu uns kam“. Die Vorschriften und Regeln seien vom Verein alle eingehalten worden. So wurden die Spieler beispielsweise auf mehrere Kabinen verteilt, um die Abstände noch besser gewährleisten zu können. „Dass sich das Virus in einem laufenden Spiel- und Trainingsbetrieb, der auch unter Profibedingungen stattfindet, trotzdem ausbreiten kann, ist ja nicht verwunderlich. Damit muss einfach gerechnet werden. Ich denke nicht, dass das eine Besonderheit beim FSV ist“, sagt Görner. Der Corona-Ausbruch könnte auch Folgen für den Frankfurter Aufstiegskampf haben. „Es erleichtert die Situation für uns nicht, was unsere Chancen angeht, unter den ersten vier Teams mitzuspielen.“

          Update: Virus grassiert weiter beim FSV Frankfurt

          Beim FSV Frankfurt hat sich das Coronavirus weiter ausgebreitet. Der Fußball-Regionalligaverein registrierte am Samstag zwei weitere Spieler, die positiv getestet worden sind. Damit spitzt sich die Lage zu. „Aktuell haben wir sieben positive PCR-Tests“, sagte Vereinspräsident Michael Görner der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Was die Gesundheit unserer Spieler angeht, sind wir sehr besorgt und hoffen, dass alle mit möglichst milden Krankheitsverläufen durch diese schwierige Situation kommen.“

          Das Frankfurter Gesundheitsamt hat alle Spieler, die ihren Wohnsitz in Frankfurt haben, benachrichtigt und ihnen eine häusliche Quarantäne bis zum 17. Februar auferlegt. Für die anderen Spieler sind deren lokale Gesundheitsämter zuständig. Es ist davon auszugehen, dass für sie die gleiche Maßnahme getroffen wird. Außerdem sind alle Spieler, die bislang negativ getestet worden sind, vom Frankfurter Gesundheitsamt für Dienstagvormittag einbestellt worden. Dann sollen bei ihnen PCR-Tests durchgeführt werden.

          Aufgrund der Vielzahl der Fälle wird offenbar überprüft, ob womöglich eine hochansteckende Variante des Coronavirus beim FSV grassiert. Die Bornheimer sind alarmiert. Ohne das Verdachtsfälle vorliegen, haben sie, um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen, den Trainingsbetrieb in ihrem Nachwuchsleistungszentrum gestoppt. Auch die Geschäftsstelle bleibt bis auf weiteres geschlossen. Durch die neue Verfügungslage fallen für die Frankfurter auf jeden Fall die kommenden Regionalliga Spiele gegen Bayern Alzenau und Steinbach aus. Es ist jedoch mit einer längeren Spielpause zu rechnen.

          Die Offenbacher Kickers haben sich derweil 6:1 beim Bahlinger SC durchgesetzt. Die Treffer für den OFC bei ihrem höchsten Saisonsieg erzielten je zweimal Mathias Fetsch (24. und 43. Minute) und Florent Bojaj (35. und 48.) sowie Malte Karbstein (4.) und Tunay Deniz (30.). Die Offenbacher bleiben mit 35 Punkten Tabellensechster. (die.)

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