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Eintracht Frankfurt : Die Kehrtwende im Fall Rebic

Trägt fortan wieder den Adler auf der Brust: Ante Rebic beim Torjubel über seinen Treffer zum 1:1 im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund im Mai. Bild: dpa

Erst hatte die Eintracht für Stürmer Ante Rebic keine Verwendung mehr, jetzt holt sie den kroatischen „Ziehsohn“ von Trainer Niko Kovac vom AC Florenz zurück – wieder auf Leihbasis.

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          Niko Kovac ist unter die Turner gegangen. Ob es nun eine Rolle rückwärts oder gar ein Salto rückwärts ist, die der Trainer der Frankfurter Eintracht innerhalb weniger Tage gelernt hat, ist unerheblich. Richtig ist: Aussagen im Fußball sind mit größter Vorsicht zu genießen. Am Wochenende, nach der 0:1-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg, sagte Kovac, angesprochen auf mögliche Neuverpflichtungen bis zum Ende des sommerlichen Transferfensters am 31. August: „Wir brauchen nicht nachzulegen, wir haben eine gute Mannschaft und müssen nicht darüber diskutieren, ob wir noch jemanden brauchen. Wir hatten gegen Wolfsburg sieben und in Freiburg fünf glasklare Chancen. Es wäre von daher doch nicht das Richtige, darüber zu diskutieren, ob wir noch jemanden holen müssen. Die, die da sind, sind gut genug.“ Ausdrücklich betonte der 45 Jahre alte Fußballlehrer auch, keinen Bedarf für die Außenbahn zu haben.

          Makulatur. Am Donnerstag haben die Frankfurter Verantwortlichen ihre öffentlichen Aussagen konterkariert – und just für die Außenbahn doch noch einen Spieler geholt. Einen, der sich bei der Eintracht auskennt, im Sommer aber weggeschickt wurde, zurück zu seinem originären Klub nach Italien: Ante Rebic. Jetzt ist der 23 Jahre alte Kroate, ein Landsmann seines Förderers Kovac, wieder da. Und jetzt wird alles gut?

          „Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit“

          Spätestens seit Donnerstagmorgen machte die Kunde die Runde, dass Rebic fortan wieder für die Eintracht am Ball sein würde. Fragen nach der Personalie fanden allerdings keinen Adressaten, denn Kovac äußerte sich nicht, als er um kurz vor 13 Uhr den Trainingsplatz verließ. Eine halbe Stunde später verbreitete die Eintracht die Pressemitteilung 101/2017, und da sprudelte es plötzlich. Kovac wird dort so zitiert: „Es hat sich kurzfristig die Möglichkeit ergeben, Ante zu verpflichten. Er hat in der vergangenen Saison unter Beweis gestellt, dass er uns helfen kann. Zum Ende der Transferperiode hat sich nun eine Konstellation ergeben, die den Transfer sinnvoll erscheinen lässt. Ante muss das eine oder andere lernen – dabei werden wir ihn unterstützen. Ohne Frage: Mit ihm gewinnen wir Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit in unserem Spiel hinzu.“

          Dass Kovac und Rebic ein besonderes Verhältnis pflegen, hat der Eintracht-Trainer schon vor dem ersten Saisonheimspiel gegen Wolfsburg bekräftigt. „Ante ist ja so was wie mein Ziehsohn, ich hatte ihn in der kroatischen U21, in der A-Nationalmannschaft, jetzt bei der Eintracht.“ Kovac sagte aber auch: „Wenn wir ihn geholt hätten, wäre er nur zur Hälfte unser Spieler gewesen, wir hätten ihn teilen müssen. Wenn wir ihn komplett hätten kaufen wollen, hätten wir fünf Millionen Euro bezahlen müssen. Da mussten wir natürlich abwägen. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir das nicht machen möchten.“

          Leihgeschäft bis Juni 2018

          Geschenkt. Sie haben es doch gemacht. Sie haben Rebic ausgeliehen – entgegen aller Beteuerungen. Der Ausleihvertrag mit dem AC Florenz wurde erneuert. Das Geschäft soll diesmal bis einschließlich 30. Juni 2018 laufen. Dass sich die Eintracht eine Kaufoption gesichert hat, ist auch nicht neu. Die gab es schon beim ersten Mal. Für fünf Millionen Euro, wie dies auch Kovac vor dem Wolfsburg-Spiel nochmals bestätigte, hätte Rebic der Eintracht ganz gehört.

          Nun ist er wieder da, auf Leihbasis, und er wird bestrebt sein, mehr Tore als in der zurückliegenden Saison zu erzielen. Damals waren es drei Momente, in denen der bullige und robuste Außenspieler die Arme in die Höhe riss und sich von den Kollegen nach seinen Treffern auf die Schultern klopfen ließ. Besonders in Erinnerung geblieben ist sein Tor im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Rebic schaffte den Ausgleich, am Ende hieß es 1:2.

          Bobic: „Tolles Potential“ im Pokalfinale gezeigt

          Nicht nur Kovac, auch Fredi Bobic hat eine Kehrtwende vollzogen. Über den Spieler, den sie nach dem letzten Pflichtspiel von Berlin nicht mehr bei sich haben wollten, sagte der Eintracht-Sportvorstand nun am Donnerstag laut der Pressemitteilung 101/2017: „Ante hat nicht zuletzt im Pokalfinale gezeigt, welch tolles Potential er hat. Dennoch hatten wir uns zuerst gegen eine Verpflichtung entschieden, weil auch das Gesamtpaket nicht unseren Vorstellungen entsprach. Kurz vor Ende der Transferperiode hat sich nun die Möglichkeit zu einem für uns lukrativen Geschäft ergeben, die wir ergreifen konnten. Nun gewinnen wir einen Spieler, dessen Fähigkeiten wir kennen, der sich leicht in den Kader integrieren lassen und uns weiter verstärken wird.“

          Rebic wird mit der Rückennummer vier seiner stürmischen Arbeit nachgehen – und Kovac muss schauen, ob sein ursprünglicher taktischer Plan, die Mitte zu verdichten und vor allem auf die Künste von Neuzugang Sebastien Haller zu setzen, durch die Rückholaktion seines Landsmannes zumindest fraglicher geworden ist. Erste Antworten dürfte es in gut einer Woche geben. Die Eintracht spielt am 9. September auswärts im Mönchengladbacher Borussia-Park.

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