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Im Gespräch: Präsident des Renn-Klubs Frankfurt : „Ich plädiere für eine Koexistenz mit dem DFB“

  • Aktualisiert am

Auslaufmodell: Nach Jahren sportlicher und finanzieller Düsternis wird die Rennbahn in Niederrad bald nur noch eine Erinnerung sein. Bild: Wonge Bergmann

Mit der Übereignung der Hippodrom GmbH scheint das Aus der Frankfurter Rennbahn und ihre künftige Nutzung als DFB-Leistungszentrum besiegelt. Doch der Präsident des Renn-Klubs, Manfred Louven, will weiterkämpfen.

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          Nach Ihrer Wahl haben Sie gesagt, Sie wollen in der 151-jährigen Tradition des Frankfurter Rennsports nicht als letzter Präsident in die Geschichte eingehen. Eine Woche später hat die Stadt Frankfurt in einer Pressekonferenz klipp und klar gesagt, dass die Rennbahn dem Fußball weichen müsse. Werden Sie nun nicht nur der letzte, sondern auch der am kürzesten amtierende Präsident sein?

          Das weiß ich nicht, aber ich bin nicht angetreten, um den Nachlass zu verwalten. Ich glaube nach wie vor, dass eine Koexistenz zwischen dem DFB und dem Renn-Klub möglich ist.

          Stadtrat Markus Frank hat eine Machbarkeitsprüfung vorgelegt, nach der eine gemeinsame Nutzung durch die Fußballer weder mit dem Renn-Klub noch mit dem Golf-Club möglich sei. Das Planungsbüro Albert Speer habe verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, aber selbst bei einer verkürzten Bahn sei nicht ausreichend Platz für beides.

          Bei allem Respekt für das Architektenbüro Speer – aber das sind keine Rennsportexperten. Uns liegen noch andere Ideen vor, die wir gerne der Stadt Frankfurt und dem DFB präsentieren würden. Vielleicht muss man nur einmal die Frage anders stellen. Statt „Was geht nicht?“ sollte man besser fragen: „Was ist möglich?“

          Glauben Sie, dass bei der Stadt noch jemand an dieser Fragestellung interessiert ist? Als Renn-Klub-Präsident wurden Sie noch nicht mal zu der Pressekonferenz der Stadt zugelassen.

          Ich denke nicht, dass schon alle Türen zu sind. Ich kenne Markus Frank ganz gut. Auch das Festhallen-Reitturnier war schon einmal totgesagt, und ich habe mitgeholfen, es wieder auf die Beine zu stellen. Wir werden Wege finden, unsere Ideen und Alternativen ihm, den Bürgern und Stadtverordneten vorzutragen. Dazu wäre es wünschenswert, wenn auch mal der DFB sein Anforderungsprofil vortragen würde. Uns als Renn-Klub geht es nicht um Maximalforderungen, wir haben auch nichts gegen den DFB oder den Fußball. Ich plädiere für eine Koexistenz.

          Aber warum sollte der DFB Kompromisse eingehen, wenn er alles haben kann?

          Ich könnte mir vorstellen, dass der DFB nicht den Ruf erlangen will, sich – koste es, was es wolle – zu Lasten anderer Sportarten breitzumachen.

          Auch die Golfer in Niederrad konnten schon unbehelligter spielen.
          Auch die Golfer in Niederrad konnten schon unbehelligter spielen. : Bild: Finger, Stefan

          Stadtrat Frank sprach davon, dass der Galoppsport ein „Sport der Vergangenheit“ sei und die Kommune zuletzt nur Geld gekostet habe. Hat er damit nicht recht?

          Dass es in der Vergangenheit Probleme gab, lässt sich nicht bestreiten. Doch wenn man sich anschaut, welche großartigen und weltweit anerkannten Galopper Deutschland in den vergangenen fünf Jahren hervorgebracht hat, muss man sogar von einer Renaissance des Rennsports reden. Und zur finanziellen Seite: Die Stadt Frankfurt bekommt vom DFB für 99 Jahre 6,8 Millionen Euro, das sind 68000 pro Jahr. Aktuell fließen aus der jährlichen Verpachtung 36000 Euro. Der Unterschied ist nicht besonders groß. Wenn ich dann noch bedenke, dass der bisherige Pächter Manfred Hellwig mit 2,89 Millionen Euro abgefunden wird und der Golf-Club noch einen Vertrag über zehn Jahre hat, kann man erahnen, dass von dem Geld nicht viel übrigbleiben wird.

          Hellwig behauptet, die Mitgliederversammlung und seine Abwahl seien juristisch ungültig.

          Das ist für mich nur ein Rückzugsgefecht, die Einladungen waren fristgerecht, und es waren auch genügend Mitglieder anwesend. Hellwig hat mir vor kurzem sogar noch zu meiner Kandidatur gratuliert. Warum sollte er jetzt, nachdem er seine GmbH-Anteile verkauft hat, noch Renn-Klub-Präsident sein wollen? Sein Verhalten ist sehr widersprüchlich.

          War der Renn-Klub nicht sehr blauäugig, als er den gleichen Mann, der das Areal pachtet, auch zu seinem Präsidenten gemacht hat?

          Das kann ich nicht beurteilen, damals war ich nicht dabei. Hellwig hat in der Öffentlichkeit immer gesagt, dass er den Rennsport in Frankfurt erhalten will. Jetzt scheint es so, dass er ein Mann mit zwei Hüten war und nun seine finanziellen Interessen gewahrt hat.

          Markus Frank hat gesagt, dass der Renn-Klub 2015 noch auf eigene Rechnung Rennen veranstalten könne, wenn er wolle. Werden Sie es tun?

          Das klingt generös von der Stadt Frankfurt, ist es aber nicht, sondern rechtlicher Fakt. Wir haben immer noch einen Geschäftsbesorgungsvertrag über die Ausrichtung von Rennen. Der lässt sich nicht so schnell kündigen, bloß weil die Hipprodrom GmbH jetzt der Stadt gehört. Natürlich wird es auch nächstes Jahr Rennen geben, und wir prüfen juristisch ganz genau, ob die Gültigkeit nicht auch darüber hinaus besteht. Aber noch einmal: Ich möchte eine einvernehmliche Einigung. Nach einer über 150 Jahre alten Tradition in Frankfurt hat es der Galoppsport verdient, fair behandelt und nicht mit ein paar Federstrichen abserviert zu werden.

          Das Gespräch führte Matthias Kittmann.

          Zur Person

          Der Frankfurter Renn-Klub hat Manfred Louven zum Präsidenten gewählt. Seinem Vorgänger Manfred Hellwig wird vorgeworfen, die Interessen des
          Galoppsports verraten zu haben.

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