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Herzprobleme nach Corona : Para-Athletin Wolf mit einer Warnung an alle

Rückschlag für Juliane Wolf: Auf die überstandene Corona-Infektion folgt eine Herzmuskelentzündung. Bild: Picture-Alliance

Nach überstandener Corona-Infektion hofft Para-Tischtennisspielerin Juliane Wolf auf eine schnelle Rückkehr in den Sport. Doch mit einer Herzmuskelentzündung kommt der nächste Rückschlag. Es beginnt ein mühsamer Heilungsprozess.

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          Sportler sollten auf ihren Körper hören, heißt es. Das ist oft diffizil, besonders nach Verletzungen oder Krankheiten. Spitzensportler stehen unter großem Druck, wollen möglichst schnell wieder loslegen im eng getakteten Terminplan, um langfristige Ziele nicht zu gefährden. Welche Risiken das birgt, zeigt die Geschichte von Juliane Wolf.

          David Lindenfeld
          Volontär.

          Die Para-Tischtennisspielerin, die seit 2014 am Bundesstützpunkt in Frankfurt trainiert, infiziert sich im November mit dem Sars-CoV-2-Virus. Sie entwickelt Symptome, hat aber einen eher milden Verlauf. Als alles überstanden zu sein scheint, erhält die 32-Jährige von ihren Ärzten nach Untersuchungen grünes Licht für den Wiedereinstieg – Partie gedreht, könnte man im Sportjargon sagen, das Virus besiegt. Oder?

          Wolf wird schnell klar, dass von einem Sieg keine Rede sein kann. „Ich habe gemerkt, dass mich das schon noch alles mitnimmt und mein Körper müde ist und nicht voller Kraft strotzt“, erzählt die 32-Jährige. Wolf hört auf die Signale. Und ihre Mitmenschen, die ihr sagen, dass sie „es langsam angehen lassen soll“. Ein Bekannter macht sie auf eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt zu Herzmuskelentzündungen nach Coronainfektionen aufmerksam. Wolf meldet sich an, hegt gleichzeitig den Plan, mit Beginn des neuen Jahres das Training wiederaufzunehmen, um sich auf die Paralympics in Tokio vorzubereiten. Doch daraus wird nichts. Die Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt bei ihr Veränderungen am Herzen. Diagnose: Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels, bei Wolf in leichter Form. Die Auseinandersetzung mit dem Virus geht in die Verlängerung.

          Gefahr einer Herzmuskelentzündung

          Für Valentina Puntmann kam das Ergebnis der MRT-Untersuchung nicht überraschend. Schon im Sommer veröffentlichte die Wissenschaftlerin mit Ko-Autor Eike Nagel die Ergebnisse einer ersten Studie: Von 100 Probanden, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, wurden bei 78 Patienten entzündliche Veränderungen des Herzens diagnostiziert. Bei 60 Patienten wurde eine aktive Entzündung, eine Myokarditis, festgestellt. Zwei Drittel der Studienteilnehmer hatten ihre Infektion zu Hause auskuriert, teils sogar symptomfreie Verläufe gehabt.

          Die Gefahr einer Herzmuskelentzündung, die gerade bei Leistungssportlern zu einem schnellen Tod führen kann, wenn sie ignoriert wird oder unerkannt bleibt, veranlasste Wolf dazu, mit ihrer Diagnose an die Öffentlichkeit zu gehen – als Warnung an alle. Nach dem Eishockeyspieler Janik Möser von den Grizzlys Wolfsburg ist sie erst der zweite bekannte Fall unter deutschen Spitzensportlern. In vielen Fällen heilt eine Myokarditis, die durch einen Viruserreger ausgelöst wurde, spontan wieder aus und hinterlässt keine Folgeschäden.

          120 Schläge pro Minute nicht übersteigen

          Diese Hoffnung hat auch Wolf, die auf Anweisung ihrer Kardiologin darauf achtet, dass ihr Puls 120 Schläge pro Minute nicht übersteigt. Leichtes Training wäre also wieder möglich. „Das habe ich auch mal ausprobiert. 120 ist in meinem Fall aber nicht viel, da bin ich schnell drüber. Es ist aus meiner Sicht sinnvoller, das zu lassen. Ich will keine Experimente machen“, sagt Wolf. Mitte Februar steht der nächste MRT-Termin für sie an. Dann weiß die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Goethe-Universität im Fachbereich Erziehungswissenschaften mehr. Darf sie wieder uneingeschränkt trainieren, geht der Blick voll in Richtung Tokio. Nach dem vierten Platz bei ihren ersten Paralympics in Rio de Janeiro rechnet sich die Weltranglistenvierte dieses Mal Chancen auf eine Medaille aus. Sollte es mit den Spielen in Tokio nichts werden, wäre das „schon megatraurig. Ich hätte aber genug, was mich auffangen würde“, sagt die Mutter einer Tochter mit Blick auf ihr privates Umfeld, ihre Arbeitsstelle und ihre Doktorarbeit, die gerade hinter dem Sport zurücksteht.

          Die Risiken, die auch nach einer asymptomatischen Coronainfektion lauern, sollte trotz Leistungsdruck im Olympia-Jahr 2021 niemand auf die leichte Schulter nehmen, lautet ihre Botschaft. In zehn Prozent aller Fälle, in denen Sportler plötzlich verstarben, wurde im Nachhinein eine Herzmuskelentzündung festgestellt. Der Herztod, ausgelöst durch eine nicht erkannte oder ignorierte Myokarditis, kommt ohne Ankündigung.

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