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Opel Skyliners : Wiedergutmachung gegen den Tabellenführer

Gordon Herbert wirkte fast ein wenig erleichtert. Der stille Kanadier, der das Frankfurter Basketball-Bundesligateam der Opel Skyliners trainiert, sprach mit leiser Stimme: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft.“

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          Gordon Herbert wirkte fast ein wenig erleichtert. Der stille Kanadier, der das Frankfurter Basketball-Bundesligateam der Opel Skyliners trainiert, sprach mit leiser Stimme: "Ich bin stolz auf meine Mannschaft, daß sie es geschafft hat, nach dem Spiel in Karlsruhe zurückzukommen und zu siegen." Es war nicht irgendein Sieg - der 82:74-Erfolg über die Telekom Baskets aus Bonn war Wiedergutmachung, Selbstbestätigung und Kurskorrektur. Am vergangenen Wochenende hatten die Frankfurter in Karlsruhe sang- und klanglos verloren. Und nun war es der Tabellenführer, den die dieses Mal über weite Strecken konzentriert spielenden Basketballprofis vom Main bezwangen. Die Bilanz der Bonner sprach für sich: vier Spiele, vier Siege. Das Überraschungsteam der Bundesliga stand fest. Bis zum Sonntag und dem Spiel der Bonner in der Ballsporthalle.

          Es war eine spannende Partie, die beiden Teams viel abverlangte. Den Bonnern Nervenstärke, die die zahlreichen Fehlwürfe forderten; den Frankfurtern eine Menge Streßbeständigkeit, da das Spiel der Skyliners sich keineswegs immer auf einem gleichbleibend hohen Niveau bewegte. Kein Wunder, daß die Bonner hinterher ein wenig bedrückt wirkten - die Entzauberung des bis dahin ungeschlagenen Branchenführers war den Skyliners trotz allem ziemlich gut gelungen. 4900 Zuschauer sorgten zudem für eine tolle Kulisse in der Ballsporthalle, in der Temperaturen herrschten, als sei es draußen noch Hochsommer. Auf auf dem Parkett entwickelte sich eine hitzige Partie, in der es den Frankfurten erst spät gelang, den Gegner auf erfolgversprechender Distanz zu halten.

          Vor allem im ersten Viertel hatten die Bonner große Chancen, die Partie zu dominieren. Nur die mangelnde Chancenverwertung verhinderte, daß die Telekom Baskets die ersten zehn Minuten statt mit einem satten Vorsprung beim Stande von 22:22 abschlossen. "Wir tun uns auswärts ziemlich schwer, unsere Würfe sauber zu plazieren", sagte der Bonner Oluoma Nnamaka. Zwölf Punkte hatte er für seine Mannschaft erzielt, unterschied sich damit nur wenig von seinen etwas erfolgreicheren Teamkollegen Alton Jackson (14 Punkte) und Aleksandar Capin (15). Bonn fehlte also der herausragende Spieler. Den hatten die Frankfurter: Nicht nur wegen seiner 2,15 Meter Körperlänge konnte man im Spiel gegen Bonn die Leistung von Robert Maras als überragend bezeichnen. Leichte, aber auch nur zeitweilige Konzentrationsschwächen unter dem eigenen Korb machte der lange Center mit einer tollen Trefferquote im Angriff wieder wett. Acht von elf Versuchen brachte Maras im Bonner Korb unter, erzielte insgesamt 20 Punkte für die von der "schrecklichen Niederlage in Karlsruhe" (Trainer Herbert) genesenen Skyliners.

          So lagen die wacker kämpfenden Frankfurter zur Halbzeit verdient 44:41 vorne. Und hätte sich die Quote bei Freiwürfen vielleicht nach den vernichtend schlechten 44 Prozent von Karlsruhe noch ein bißchen mehr gebessert als auf 72 Prozent, hätten die Skyliners schon viel früher viel deutlicher geführt. Trainer Herbert war vor allem mit der Geschlossenheit seiner Mannschaft zufrieden. Während sie vor einer Woche mit erhobenen Händen gespielt und nur mit Einzelleistungen versucht hätte, zum Erfolg zu kommen, sei der Sieg über Bonn eine echte Teamleistung gewesen. Deutlich wurde dies vor allem beim Auftreten der beiden Frankfurter Neuzugänge Chris Williams und Malick Badiane. Vor allem der erste 19 Jahre alte Badiane verblüffte die Zuschauer nicht nur mit einer famosen Defensivleistung, sondern auch mit einer schier unglaublichen Fähigkeit, seine Teamkollegen mitzureißen.

          Wenn er aufs Feld kam, spürte man, wie die Skyliners zusammenrückten. Zuweilen mußte Maras, der bei den Frankfurtern immer mehr zur Führungsperson wird, den schlaksigen Forward auf seine richtige Position schubsen, aber an Engagement und guten Szenen unter dem eigenen Korb ließ es Badiane nicht mangeln. Das gewisse Etwas, das er offenbar mitbringt, konnte Herbert auch nicht erklären: "Manche Menschen haben es, andere eben nicht", sagte der Frankfurter Coach bei seiner gewohnt schlichten Analyse. Williams, der Neuzugang aus Amerika, überzeugte indessen mit 15 Punkten, die ihn nach Maras und dem überzeugenden Regisseur Pascal Roller (16) zum drittbesten Korbschützen der Frankfurter machten.

          Zeit zum Ausruhen bleibt den Skyliners kaum. Schon an diesem Montag steigen sie in den ICE nach Amsterdam, wo sie am Dienstag im Europapokal auf die Ricoh Astronauts treffen. Zwei Spiele in 48 Stunden - da kommt schon ein wenig Streß auf. "Das wird uns ordentlich fordern", sagt Spielmacher Roller. Aber offenbar brauchen die Skyliners genau das. Die Partie gegen Bonn hat es gezeigt.

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