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Offenbacher Kickers : Getrübte Aufbruchstimmung

  • -Aktualisiert am

Der Berg bebt? Den Offenbacher Kickers fehlen derzeit Zuschauer und Sponsoreneinnahmen. Bild: Helmut Fricke

Sportlich haben die Offenbacher Kickers mit ihrem guten Saisonstart für Aufbruchstimmung gesorgt. Doch neben den Zuschauererlösen fehlen dem OFC durch die Corona-Krise auch Sponsoreneinnahmen.

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          1500 Zuschauer gestattete das Offenbacher Gesundheitsamt beim 3:0-Heimsieg der Kickers über die TSG Hoffenheim II im Stadion auf dem Bieberer Berg am vergangenen Samstag. Ohne die Auswirkungen der Corona-Pandemie und bei uneingeschränktem Zugang hätten sich nach Einschätzung von Geschäftsführer Thomas Sobotzik aber 8000 Fußballanhänger liebend gerne die Regionalliga-Begegnung angeschaut.

          Und beim Heimspiel am 29. September gegen Steinbach Haiger, das nach jetzigem Stand das lukrative Duell Erster (Offenbach) gegen Zweiter wäre, „hätten wir sicherlich noch mehr Zuschauer“, sagte Vereinspräsident Joachim Wagner.

          Sportlich hat der OFC mit zehn Punkten aus vier Spielen und 7:0-Toren für Aufbruchstimmung unter seinen Anhängern gesorgt. Die Nachfrage wäre da. Nur: Die große Publikumsoffensive wird es auch im Kräftemessen zweier Meisterschaftskandidaten nicht geben können. Würde die momentan bestehende landesweite Regelung bei positivem Infektionsgeschehen angewendet werden, wären bei 20 Prozent Auslastung 4100 Fans im Stadion zugelassen. Hält die Stadt Offenbach jedoch am Stufenplan im Hygienekonzept fest, wären es maximal 2900. Gegen Hoffenheim sei das Hygienekonzept „1a mit Sternchen umgesetzt“ worden, sagte Wagner. „Wir sind ein kleiner Verein mit vier Leuten auf der Geschäftsstelle. Es so zu organisieren ist eine hervorragende Leistung“, sagte Wagner.

          Selbst bei 2900 Zuschauern käme der Tabellenführer nicht auf seine Kosten. Denn die Kickers brauchten laut Sobotzik mindestens 3500, um zumindest die anfallenden Spieltagskosten decken zu können. Mit welchem Zuschauerschnitt der OFC in dieser Runde geplant hat, wollte Wagner nicht sagen. Bis zum coronabedingten Abbruch in der zurückliegenden Spielzeit lag der Publikumszuspruch im Schnitt bei über 6000 – und damals spielten die Offenbacher nicht um den Aufstieg mit.

          Das Zuschaueraufkommen bildet einen nennenswerten Posten im Vereinsbudget. Auf „40 bis 50 Prozent“ beziffert Sobotzik den Anteil dieser Einnahmen am Gesamtetat des Klubs. Über dessen Höhe werden ebenfalls keine Angaben gemacht. Der Personalkostenetat für das Regionalliga-Team sei aber „vergleichbar“ mit dem der Vorsaison. „Wir sind mit derselben Dynamik an das Thema herangegangen“, sagte Wagner dieser Zeitung. Geschätzt könnte der Personalkostenetat rund zwei Millionen Euro betragen.

          Neben den Zuschauererlösen fehlen dem OFC durch die Corona-Krise auch Sponsoreneinnahmen. „Viele Unternehmen haben jetzt selbst Probleme.“ Er habe deshalb „großes Verständnis“ dafür, wenn diese ihr finanzielles Engagement zunächst nicht aufrechterhalten könnten, sagt Wagner, der selbst Unternehmer ist. Der Vereinspräsident kündigte jedoch „Lösungen“ an, „auch das zu kompensieren. Es ist nicht so, dass wir jetzt mit Schreckensszenarien unruhig schlafen. Wir wissen genau, wie groß unsere Lücke ist, das wird in jeder Aufsichtsratssitzung besprochen. Wir marschieren da nicht blindlings hinein.“ Wagner betonte, dass der OFC „nicht in die Insolvenz gehen“ werde.

          Finanzielle Sicherheit geben den Kickers ihre Investorengruppen, die „Kickers-Freunde GmbH & Co. KG“ sowie die „Kickers-Bündnis GmbH“. Wagner lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass es für „jeden ambitionierten Regionalliga-Verein fast unmöglich“ sei, „allein von den Einnahmen zu leben. Wir sind relativ gut aufgestellt mit treuen, guten Sponsoren und LED-Banden im Stadion. Trotzdem wird das nicht ansatzweise reichen.“

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