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Offenbacher Kickers : Auffällig gut und konfliktfrei

  • -Aktualisiert am

Emotionen unter Kontrolle: Suat Türker Bild: Heiko Rhode

Im Angriff der Offenbacher Kickers ist Suat Türker zwar nur noch zweite Wahl, hinter Mamadou Diabang und Regis Dorn. Doch die Zeit seiner emotionalen Ausbrüche scheint der Stürmer hinter sich gelassen zu haben.

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          Dieser Spielertyp ist weit verbreitet: Steht er mal nicht auf dem Platz, wird er nervös, mäkelt herum, beklagt sich öffentlich über den vermeintliche Liebesentzug des Trainers, ist demonstrativ mißmutig. So gesehen ist Suat Türker gerade ein untypischer Fußballprofi. Er ist im Angriff der Offenbacher Kickers zwar nur noch zweite Wahl, aber er läßt es sich nicht anmerken.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch nach dem 2:0 in Burghausen, wo er seit langem mal wieder von Anfang an spielen durfte und sogar traf, kam ihm kein Triumphgeheul über die Lippen. Türker, der davon profitierte, daß Kollege Regis Dorn wegen einer Gehirnerschütterung nicht spielen konnte, genoß still. Über seinen Trainer Wolfgang Frank sagte er nur das Beste. „Er hat mich Tag für Tag immer mehr aufgebaut und an die Mannschaft herangeführt“, so Türker.

          Er habe ihm einiges zu verdanken. So klingt einer, der Schlimmeres erlebt hat als einige Minuten mehr oder weniger auf dem Spielfeld zu verpassen. Türkers schwangere Frau hat kürzlich ihr Kind verloren, der OFC-Profi war am Krankenbett und nicht auf dem Fußballplatz. „Drei Wochen hatte ich nichts mit dem Team zu tun“, sagte Türker. Da genieße er es zu spielen und könne damit leben, wenn es nicht so ist.

          Diskussion mit dem Schiedsrichter

          Sportlich ist Franks Auswahl ohnehin schwer zu kritisieren. Dorn ist mit neun Treffern der erfolgreichste Torschütze der Kickers in dieser Saison, Mamadou Diabang, Leihstürmer des VfL Bochum, hat seit seinem Wechsel in der Winterpause in nur zehn Spielen bereits siebenmal getroffen. So sakrosankt die beiden schnellen Stürmer bislang waren, so sehr hat Türker gegen Wacker Burghausen seine Konkurrenzfähigkeit bewiesen.

          Außerdem hat er eine altbekannte Schwäche unterdrückt: Er war nicht einmal in eine Diskussion mit dem Schiedsrichter verwickelt - was keine Selbstverständlichkeit ist. Türker gilt als hitzköpfig, und deshalb fiel sein nicht nur gutes, sondern auch konfliktfreies Spiel besonders auf. „Es war das erste Mal seit langem, daß er sich nicht über sich geärgert hat“, sagte Wolfgang Frank, der außerdem die Laufbereitschaft seines Angreifers hervorhob. Er weiß, daß sich solche emotionalen Ausbrüche schnell einen ungeeigneten Adressaten suchen: den Schiedsrichter.

          Der in Burghausen wäre besonders geeignet gewesen, Türkers Aufmerksamkeit zu erregen. Es pfiff ein gewisser Stefan Schempershauwe, jener Unparteiische also, der Türker Mitte Februar beim Spiel gegen den SC Freiburg wegen Meckerns vom Platz gestellt hatte. „Daran habe ich gar nicht mehr gedacht“, versicherte Türker. Der Schiedsrichter sei für ihn kein Thema gewesen. Frank hörte es gerne.

          Zweigleisige Planung

          Türker gehörte in Burghausen zu jenen Spielern, die besonders betonten, daß auch nach diesem Sieg „noch nichts erreicht“ sei, daß er nur weiterhelfe, wenn am Freitag im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue eine Fortsetzung folgt. Die Entscheidung über Abstieg oder Klassenverbleib wird so oder so sehr spät fallen, womöglich erst am letzte Spieltag, wenn die Kickers bei LR Ahlen, einem direkten Konkurrenten, antreten.

          Die Verantwortlichen müssen also zweigleisig planen, entweder Regionalliga Süd oder zweite Liga. Mehr als ein dutzend Spielerverträge würde im Fall eines Abstiegs enden, sagte Vizepräsident Thomas Kalt. Allerdings beschäftige man sich damit derzeit nur am Rande. Kalt stimmt verständlicherweise lieber in den Tenor der Optimisten ein, die von einem guten Ende dieser turbulenten Spielzeit ausgehen.

          „Ich war, bin und werde bis zum Schluß davon überzeugt sein, daß wir drin bleiben“, so Kalt. Das muß er natürlich sagen. Nach Spielen wie in Burghausen nimmt man es ihm allerdings besonders leicht ab.

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