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Eintracht Frankfurt : Buhlen um den Baumeister

  • -Aktualisiert am

Voll dabei: Eintracht-Trainer Niko Kovac gibt seiner Mannschaft beim Auswärtsspiel in Hoffenheim taktische Anweisungen. Bild: dpa

Eintracht-Trainer Niko Kovac hat sich von einer Notlösung zu einem Baumeister oberster Güte entwickelt. Der Kroate veränderte vieles bei den Frankfurtern - und hat Erfolg. Das weckt Begehrlichkeiten.

          2 Min.

          Die Eintracht hat das späte Glück nicht für sich gepachtet. Anders als zuvor gegen Bremen, Hannover oder Stuttgart waren es am Samstag nicht die Frankfurter, die in der letzten Minute Grund zur Freude hatten, sondern die Hoffenheimer, die ihnen den sechsten Saisonsieg verdarben. Trotz des Unentschiedens setzte sich die Eintracht in aussichtsreicher Position hinter der Spitzengruppe fest. Dass der Klub sportlich und wirtschaftlich Perspektiven genießt, die eine Verfestigung des positiven Trends möglich erscheinen lassen, hat maßgeblich mit dem Engagement Niko Kovacs zu tun. Der gebürtige Berliner hat bei der Eintracht ein effektvolles Leistungsdenken etabliert, in dem preußische Tugenden hoch im Kurs stehen: Fleiß, Ordnung, Disziplin. Fehler, so wie am Samstag vor dem Ausgleich, wecken dabei besonders seinen Ehrgeiz.

          Kovac hat sich binnen 18 Monaten von einer Notlösung zu einem Baumeister oberster Güte entwickelt. Seine Idee, die (noch) fehlende finanzielle Durchschlagskraft durch eine Vergrößerung des Betreuerstabs zu kompensieren, verdeutlicht Kovacs Kompetenz: Er, der selbst einige Titel gewann, versteht sich als Teamplayer und unterliegt nicht dem Irrglauben, alles in Eigenregie lösen zu müssen. Kovac scheut sich nicht, fachkundige Mitstreiter hinzuzuziehen. Nie zuvor war die medizinische Fürsorge größer, gab es eine solche Fülle helfender Hände, seien es Ernährungsberater, Yoga-Coaches, Osteopathen oder Sprachlehrer, die sich um das Wohl des Teams kümmern. Die Resultate der vielfältigen Angebote sprechen für sich, spiegeln sich im kontinuierlichen Aufschwung und wecken zugleich Begehrlichkeiten.

          Einsatz Kovacs weckt Begehrlichkeiten

          Der Einsatz Kovacs ist an anderen Liga-Standorten, die von sich behaupten, Fußballlehrern ein besseres Umfeld als gegenwärtig in Frankfurt bieten zu können, nicht verborgen geblieben. Leverkusen und Dortmund fühlten im Frühjahr schon vor, als sie sich personell neu sortierten, wie es um den Wechselwillen des Kroaten bestellt ist. Kovac blieb standhaft und verwies auf seinen Vertrag bis Sommer 2019. Er sei, sagte er damals, erst am Anfang seines Weges in Frankfurt. Auf dem kam er bis heute ein weiteres Stück voran und wird dabei nun – als nächste Auszeichnung seines Schaffens – mit dem Interesse des Rekordmeisters aus München an seiner Person konfrontiert.

          Kovac genießt in den Gremien des bayerischen Vorzeigevereins höchste Wertschätzung und wird als möglicher Heynckes-Nachfolger gehandelt. Sollten die Münchner Ernst machen und ihr Werben konkretisieren, dürfte er, der aus eigenem Profi-Erleben dem Rekordmeister verbunden ist, ernsthaft ins Grübeln geraten. Dass der 46-Jährige auf die Spekulationen, die auch ein Preis des Frankfurter Erfolgs sind, zunächst mit einem Lächeln und dem nächsten Bekenntnis zur Eintracht reagierte, spricht für ihn und seine innere Ruhe, mit der er den Aufregungen in diesem hektischen Geschäft begegnet. Alles andere wäre im Augenblick unprofessionell. Und vor allem das ist Kovac ganz und gar nicht.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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