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Simone Laudehr im Gespräch : „Im Frauenfußball wird alles immer enger“

Frankfurter Führungskraft: Simone Laudehr (r.) spielt Fußball mit Köpfchen Bild: Jan Huebner

An diesem Sonntag empfängt der FFC Frankfurt den VfL Wolfsburg zum Spitzenspiel in der Frauenfußball-Bundesliga. Nationalspielerin Simone Laudehr über die neue Leistungsdichte in der Liga und die Arbeit mit der künftigen Bundestrainerin.

          3 Min.

          Es steht ein Spitzenspiel in der Frauenfußball-Bundesliga mit erstaunlichen Vorzeichen an: Der höher eingeschätzte VfL Wolfsburg reist mit fünf Punkten Rückstand zum Spiel beim FFC Frankfurt (13 Uhr). Ist Ihr Team Favorit?

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Saison ist noch lang, und die bisherigen Siege sollten wir nicht überbewerten. Wolfsburg hat einen sehr starken Kader, sie haben noch mal aufgerüstet. Aber sicher liegt der Druck durch den Rückstand in der Tabelle mehr bei ihnen.

          Was für ein Spiel erwarten Sie jetzt am Sonntag?

          Das ist ein Spitzenspiel. Irgendwie ist alles möglich, so wie beim Spiel Bayern gegen Dortmund bei den Männern auch. Da hätte man ein enges Spiel erwartet, am Ende war es eine klare Sache.

          Der FFC hat in der Bundesliga lange nicht mehr gegen Wolfsburg gewonnen.

          Dann müssen wir das ändern.

          Der FFC hat sich gewaltig verändert. Das merkte man, dass zum bislang letzten Länderspiel nur zwei Frankfurterinnen gefahren sind. Früher war der FFC mit bis zu zehn Spielerinnen stets die größte Fraktion. Welche Veränderungen bringt das mit sich?

          Eigentlich gar nicht. Für mich sind Verein und Nationalmannschaft immer zwei verschiedene Welten. Ich musste das auch so machen, weil man nicht an zwei Sachen gleichzeitig denken kann.

          Wie hat sich die Kaderstruktur beim FFC verändert, wenn dort weniger Nationalspielerinnen sind?

          Das ist sicher etwas verändert. Die Spielerinnen, die noch nicht beim Nationalteam sind, wollen sich natürlich mit uns messen. Das ist aber auch gut für uns, weil wir ständig gefordert werden. Ich habe ja den Ehrgeiz, mich da zu beweisen. Ich empfinde das als gute Wechselwirkung.

          Hilft Ihnen dann auch die Bundesliga, wo die Ergebnisse immer knapper werden?

          Auf jeden Fall. Sicher hätten wir manche hohen Siege feiern können, aber im ganzen Frauenfußball wird es schwerer, die Leistungsunterschiede werden immer kleiner. Man gewinnt nicht mehr mal so eben gegen Leverkusen oder Hoffenheim 5:0. Das haben aber auch die Zuschauer mittlerweile erkannt, die uns vor einiger Zeit vielleicht noch kritisiert haben nach einem 2:0. Alles ist enger geworden. Das gilt nicht nur für die Bundesliga, wir haben das mit dem Nationalteam beim 1:0 in Kroatien auch gemerkt.

          Es freut Sie, dass das Leben schwerer wird?

          Ja, nur das bringt ja auch mich dazu, mich weiterentwickeln zu müssen. Diesen Anspruch habe ich an mich.

          Bundestrainerin Silvia Neid findet aber die Arbeit in den Bundesligavereinen verbesserungswürdig. Können Sie die Meinung teilen?

          Als ich als junge Spielerin erstmals zum Nationalteam kam, war das Tempo da unheimlich viel höher als im Klub. Heute ist vielleicht auch noch ein kleiner Unterschied da, aber bei den Topklubs ist das nicht mehr gravierend. Ich habe mich mit dem Streit unter den Trainern nicht allzu viel auseinandergesetzt.

          Beim Nationalteam wurde ein Analyseheft zur WM verteilt. Stimmen Sie mit den Erkenntnissen wie Defiziten in offensiven Eins-gegen-eins-Situationen, bei der Ballannahme oder dem Abschluss überein?

          Ich habe das Heft gelesen. Und sicher können wir immer in allen Bereichen besser werden. Dafür arbeiten wir Nationalspielerinnen aber auch nach den Trainingseinheiten im Verein immer wieder mal 20 oder 30 Minuten zusätzlich mit dem Ball. Ich will mich immer verbessern.

          Ein Team, eine Einheit: Laudehr mit ihren Nationalmannschaftskolleginnen Pauline Bremer und Melanie Leupolz (v.l.n.r)
          Ein Team, eine Einheit: Laudehr mit ihren Nationalmannschaftskolleginnen Pauline Bremer und Melanie Leupolz (v.l.n.r) : Bild: dpa

          Gilt das auch für den FFC? Ist das Team als Champions-League-Sieger das beste in Europa? Oder ist es wie zum Ende der vergangenen Bundesligasaison „nur“ das drittbeste in Deutschland? Oder müssen die Erwartungen nach dem Verlust von Spitzenspielerinnen wie Celia Sasic, Jessica Fishlock oder Vero Boquete deutlich runtergeschraubt werden?

          Ich bin ein Typ, der nicht mehr zurückblickt in die sportliche Vergangenheit. Das ist vorbei. Natürlich ist es eine sehr schöne Erinnerung, dass wir die Champions League gewonnen haben. Und das gibt uns sicher auch Selbstbewusstsein. Aber wir gewinnen deshalb nicht automatisch irgendein Spiel, wie wir auch diese Woche bei dem schwer erkämpften 2:0 in der Erstrundenpartie in Lüttich gemerkt haben.

          Wenn Sie nicht zurückblicken, dann haben Sie auch die Negativerlebnisse der WM hinter sich gelassen?

          Mir hat die WM dennoch Spaß gemacht. Es war sicher nicht das tolle Ende, weil wir einfach zu wenige Tore gemacht haben. Defensiv, im Umschalten und bis zum letzten Pass haben wir ganz gut agiert. Aber dann hat Entschlossenheit oder Konzentration gefehlt. Das haben wir jetzt aber für mein Empfinden genug analysiert. Ich möchte wieder vorausblicken.

          Persönlich haben Sie aber zumindest uns und manch andere Kritiker überzeugt. Sie wurden oft als eine der ganz wenigen deutschen Spielerinnen beurteilt, die sich bei der WM zu Weltklasseniveau gesteigert haben. Waren Sie persönlich zufrieden?

          Ich habe mich körperlich sehr gut gefühlt, konnte sehr viel laufen. Ich war sehr konzentriert während des Turniers. Ich war aggressiv und habe mir im Eins-gegen-eins sehr viel zugetraut und den Abschluss gesucht. Aber das alles wäre natürlich viel schöner gewesen, wenn wir mehr Erfolg gehabt hätten.

          Haben Sie gemerkt, dass es einigen Ihrer Mitspielerinnen schwerer fiel, die beste Leistung abzurufen?

          Ich spreche nicht so gern über meine Mitspielerinnen. Diese können ihre Leistung sehr gut selbst einschätzen.

          Sie haben nun erstmals Steffi Jones als Assistentin von Bundestrainerin Silvia Neid beim Nationalteam erlebt. Was hat sich dadurch verändert?

          Sie muss sich sicher jetzt erst mal einarbeiten und in die Aufgabe reinfuchsen. Aber sie hat sich schon auch eingebracht im Training.

          Verändert sie mit ihrem offenen Wesen auch die Atmosphäre im Team?

          Steffi ist Steffi. Natürlich bringt sie das ein und wird das auch noch mehr einbringen, wenn sie uns alle erst mal richtig kennt.

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