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Ironman-Sieger Frodeno : Schmetterlinge im Bauch des Abenteurers

Am Tag nach dem Ironman sitzt Jan Frodeno schon wieder auf dem Trimmrad. Bild: Millhaus

Der Ironman ist gerade erst vorbei, da sitzt der Sieger Jan Frodeno schon wieder auf dem Fahrrad – zur Erholung. Die nächste Herausforderung ist längst geplant.

          3 Min.

          Schon wieder aufs Rad? Dabei hatte Jan Frodeno am Tag zuvor doch schon nach der ersten Runde leichte Zweifel gehabt. „Wenn ich doch jetzt absteigen könnte ...“ Montag morgen, 8.30 Uhr. Der Sieger der Ironman-Europameisterschaft sitzt also tatsächlich wieder auf dem Rad. Doch diesmal schaut er dabei auf einen Bildschirm, um virtuell mit anderen auf einem Highway durch die amerikanische Wüste zu fahren. Das Tempo ist sehr ordentlich, fast so schnell wie am Renntag, als Frodeno für die insgesamt 185 Kilometer lange, zwei Mal zu absolvierende Radstrecke zwischen Langener Waldsee und Frankfurter Mainkai 4:20:14 Stunden benötigt – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,77 Kilometer pro Stunde. Beim Ausradeln, auf neudeutsch vom Organisator als „Recovery Ride“ bezeichnet, gibt sich Frodeno so wie immer: lässig, entspannt, offen. Ein Geschäftstermin, wovon es so manche im Leben des Profitriathleten gibt. Diesmal allerdings eine überaus sportliche Begegnung auf Augenhöhe.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Den Blick vom Balkon des Sachsenhäuser OutofOffice über die Skyline kann Frodeno nur kurz genießen. Sein Tag ist durchgetaktet. Erst das sportliche Tête-à-Tête mit ein paar Journalisten, dann die Siegerehrung in der Eissporthalle – und kurz darauf der Abflug in einen Miniurlaub. Zwei Tage nur sind es, die Frodeno sich in seinem Kalender dafür freigeräumt hat. Doch sie sollen Zerstreuung bringen, den Kopf frei bekommen – zwischen Big Ben und Tower Bridge, gemeinsam mit Ehefrau Emma in London.

          „Der Körper ist keine Maschine“

          Natürlich kann und will der 37 Jahre alte Star der Szene, der als einziger Triathlet überhaupt Olympiasieger, doppelter Weltmeister auf beiden Ironman-Distanzen und dreifacher Europatitelträger ist, die Hitzeschlacht vom Sonntag nicht vollends vergessen. „Krasses Rennen, krasse Bedingungen“, sagt der Meister aller Klassen. „Schön, dass es für mich so geklappt hat. Dabei dachte ich schon, ich falle vom Glauben ab, als mich Sebi kurz überholt hat.“ Es war der Moment bei Kilometer 17 auf der finalen Marathonstrecke, als Sebastian „Sebi“ Kienle erst zu seinem Freund und Gegner auflief, um dann für kurze Zeit sogar vorbeizulaufen. „Das hat mich an Hawaii erinnert“, sagt Frodeno. „Da sind wir auch Schulter an Schulter gelaufen.“ Doch am Ende war es Frodeno, der sich den Titel König von Kona holte. „Sebi hat mich bei der Verpflegungsstation vorgelassen. Das habe ich ausgenutzt.“

          Drei Jahre später, bei seinem dritten EM-Coup in Frankfurt, ein ähnliches Bild. Wieder setzt sich Frodeno gegen Kienle durch, wieder spielt der Kopf eine entscheidende Rolle. Über den Dächern von Frankfurt erzählt Frodeno von drei englischen Worten, die in das Glas seiner Sonnenbrille eingelasert sind. Sie lauten: „Because I can.“ Weil ich es kann. Sieg beim Ironman durch Jan Frodeno – weil er es kann.

          Am Anschlag nach seinem Sieg: Die Temperaturen haben den Abenteurer Jan Frodeno an sein „Limit“ gebracht.
          Am Anschlag nach seinem Sieg: Die Temperaturen haben den Abenteurer Jan Frodeno an sein „Limit“ gebracht. : Bild: Jan Huebner

          In Frankfurt hat Frodeno zum wiederholten Mal gezeigt, dass er es kann. Dass er auch in Anwesenheit seiner Widersacher Kienle und Patrick Lange der Beste ist. Dass er willens und bereit ist, auch den inneren Schweinehund zu besiegen. Wobei: „Ich leide auch nicht überdurchschnittlich gern“, sagt er am Tag danach. „Der Körper ist keine Maschine.“ Und obwohl Frodeno immer wieder erlebt, „dass in den letzten Tagen vor einem Rennen grundsätzlich etwas schief geht“, gibt es auch andere Gefühle, die die Lust auf einen Ironman besonders groß werden lassen. „Vor dem Rennen habe ich Schmetterlinge im Bauch“, sagt der zweifache Familienvater, dem bewusst ist: „Was ich mache, ist ein richtiges Abenteuer.“ Ein Abenteuer, das 2001 begonnen hat. In jenem Jahr, in dem sich Frodeno dazu entschloss, Triathlon zu machen. Erst auf der Kurzstrecke unter dem Dach der Deutschen Triathlon-Union, später dann auf der ungleich prestigeträchtigeren Ironmandistanz. Dass irgendwann Schluss sein wird, weiß Frodeno. Doch er weiß nicht, wann dies sein wird. „Mein Kopf wird es entscheiden, nicht mein Körper.“

          Frodenos Kopf hat entschieden, dass es in diesem Jahr mit dem Highlight weitergeht – mit der Weltmeisterschaft auf Hawaii, Mitte Oktober. Für den Klassiker in Kona wird Frodeno erstmals überhaupt mit liebgewonnenen Gewohnheiten brechen. Er wird fünf Wochen vor dem Rennen aller Rennen seine Vorbereitung starten: auf Big Island. „Ich will mich optimal an die unangenehmen klimatischen Bedingungen und die Luftfeuchte anpassen“, sagt Frodeno. Dass er auf Hawaii mit dann 38 Jahren zum alten Eisen gehört, weiß Frodeno. Doch sein Eisen ist heiß und kann immer noch geschmiedet werden. „Ich bin dankbar, dass ich in einem solchen Alter immer noch Profi sein kann.“ Einer, der bei seinem Frankfurter Hitzesieg „am Limit war“, wie er eingesteht. „Ich war einfach zu fertig und habe mich so auf das Eisbad gefreut.“ Keine 18 Stunden später, als Frodeno schon wieder auf dem Sattel einer Rennmaschine sitzt, ist seine Regeneration ein Schritt weit vorangeschritten. Ganz aber noch lange nicht. „Mein Gang ist noch nicht rund.“

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