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Nachruf auf den Journalisten : Herbert Neumann war umtriebig und kess

  • -Aktualisiert am

Herbert Neumann ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Bild: Pressebild Jutta Mertens

Flotte Schreibe, kesse Lippe und besonders in Frankfurt und dessen Umgebung bei fast jeder Sportveranstaltung dabei: Zum Tode des Journalisten und F.A.Z.-Mitarbeiters Herbert Neumann.

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          Eine Frankfurter Instanz hat die Bühne verlassen: Kurz vor seinem 95. Geburtstag ist Herbert Neumann in der Nacht zum Dienstag in Schöneck bei Frankfurt an Herzversagen gestorben. Der Vollblutjournalist, der von gesunder Neugierde getrieben wurde, war mehr als 50 Jahre lang Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Berliner mit der flotten Schreibe und der kessen Lippe beschränkte sich nicht auf das Thema Sport, sondern war auch als Gerichtsreporter tätig.

          Mit Mut, Glück und Geschick hatte Neumann die Kriegs- und Nachkriegswirren überstanden, hatte den Horror der Bombenangriffe, die Hilfseinsätze im brennenden Berlin und als Soldat die letzten Kampfhandlungen überstanden. Als ihn die Russen in einem Lager in Mitteldeutschland festhielten, trug er dem sowjetischen Kommandanten couragiert sein dringendes Anliegen vor: „Ich möchte nach Hause nach Berlin zu meinen Eltern, nachschauen, wie es ihnen geht.“ Der Offizier, der gut Deutsch sprach, hatte Verständnis für den Achtzehnjährigen und stellte ihm den wertvollen Passagierschein aus.

          Nach dem Zusammenbruch begann Neumann in Ost-Berlin eine Lehrerausbildung, fand aber bald zum Journalismus. Er schrieb für Blätter wie das „Bauernecho“ und die FDJ-Zeitung „Junge Welt“. Doch seine westliche Gesinnung und seine kritischen Äußerungen über das DDR-Regime brachten ihn in die Bredouille. Nach einer Warnung von Freunden entzog sich Neumann 1956 dem Zugriff durch die Stasi mit der Flucht ins Rhein-Main-Gebiet. In der „Schönen Aussicht“ von Bergen(-Enkheim) fand er einen bescheidenen Unterschlupf.

          Umtriebiger Mensch mit vielseitigen Interessen

          Während der ersten Zeit hielt er sich mit Gelegenheitsjobs vom Vertreter für Waschmaschinen und Versicherungen bis hin zum Aufsteller von Pins auf einer Bowlingbahn über Wasser. Ende der fünfziger Jahre fand er als Mitarbeiter zur F.A.Z. Bis 1968 kümmerte sich Neumann um den damals zweimal die Woche erscheinenden Rhein-Main-Sport, den er auch danach mit seinen konstruktiv-kritischen Beiträgen stark prägte. Seine Haupttriebfeder war seine Begeisterung für den Sport, den er selbst als eleganter Skiläufer, talentierter Tennisspieler und (Fuß-)Ball verliebter „Rastelli vom Atzelberg“ ausgelebt hat.

          Dazu kam der journalistische Antrieb. Sein blonder Kopf tauchte überall dort auf, wo etwas los war: in den Stadien, bei den Auftritten der Eiskunstläuferin Marika Kilius mit Franz Ningel und Hans-Jürgen Bäumler, bei den Deutschen Turnfesten, die er, nicht zuletzt in Frankfurt 1983, dreimal als Pressechef mitgestaltete, bei den Shows von „Holiday on Ice“ in der Festhalle und vielem mehr. Daneben hat der umtriebige Mann, dessen vielseitige Interessen manchmal seinen Zeitplan durcheinanderbrachten, Bücher über die Eintracht und über die Turnfeste geschrieben und für den Hessischen Rundfunk Fernsehfilme produziert.

          Im Juni 1971 war Neumann Zeuge, als Kickers-Präsident Horst-Gregorio Canellas während der Gartenparty zu seinem 50. Geburtstag mit dem Abspielen von Tonbandmitschnitten den Bundesliga-Skandal auslöste. Er berichtete von Olympischen Spielen, Fußball-Weltmeisterschaften und anderen Großereignissen. Sein Hauptaugenmerk aber galt dem Breiten- und Vereinssport.

          Daneben verfasste er für die Abendpost/Nachtausgabe und die F.A.Z. Reportagen aus dem Gerichtssaal. Seine schwierigste Aufgabe meisterte er, als er fast drei Jahre lang für das Boulevardblatt und zeitweise für die F.A.Z. vom Auschwitz-Prozess mit dem Horror der von Zeugen genau beschriebenen Gräueltaten berichtete. Bis zuletzt hatte Herbert Neumann Lust auf Leben, getreu seinem Motto: „Das Leben ist meine Universität.“

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