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Mehrkämpferin Salman-Rath : „Ich bin noch mehr Mama als gedacht“

  • -Aktualisiert am

In den Sand: Claudia Salman-Rath gewinnt 2017 den Weitsprung der Frauen bei den Deutschen Meisterschaften. Bild: dpa

Seit vergangenem Jahr ist die Mehrkämpferin Claudia Salman-Rath Mutter. Der alleinige Grund für ihr Karriereende ist das nicht: Das linke Knie hörte nach zwei Eingriffen nicht auf zu schmerzen.

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          Es kribbelt nicht mehr. Claudia Salman-Rath hat mit ihrer sportlichen Karriere abgeschlossen. Das für die Olympiaqualifikation mitentscheidende Mehrkampf-Meeting an diesem Wochenende in Götzis wird die 35-Jährige zwar verfolgen. „Aber wahrscheinlich nur auf einem kleinen Bildschirm und hinter dem Rücken meines Sohnes“, sagt sie. Jakob, im September 2020 geboren, steht bei seiner Mutter jetzt im Vordergrund. Es falle ihr schwer, den Nachwuchs auch nur eine Stunde jemand anderem zu überlassen, gibt die langjährige Leichtathletin der Frankfurter Eintracht zu. „Ich bin doch noch mehr Mama, als ich gedacht hatte.“

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          Das allein ist nicht der Grund dafür, warum die Dritte der Hallen-Europameisterschaften von 2017 im Weitsprung beschlossen hat, nicht mehr an den Start zu gehen. Zumindest hätte sie sich gerne mit einer Abschiedstour verabschiedet. „Ich wollte immer selbst bestimmen, wann ich aufhöre“, sagt sie. Doch das linke Knie hört auch nach zwei operativen Eingriffen nicht auf zu schmerzen. Erste Versuche, mit Joggen wieder fit für Sprünge zu werden, endeten im März enttäuschend. „Die Gefahr ist zu groß, dass da etwas passiert“, sagt Salman-Rath. „Ich will ja auch noch in zehn Jahren meinem Kind hinterherlaufen können.“

          Um das Gelenk in Ordnung zu bringen, dessen Knorpel nach so vielen Einheiten und dem harten Training für ihre langjährige Hauptdisziplin Siebenkampf stark geschädigt war, hatte Salman-Rath sich ein halbes Jahr nach ihrem einzigen internationalen Medaillengewinn mit der persönlichen Bestleistung von 6,94 Metern und einem Doppelstart bei den Weltmeisterschaften in London aus dem Wettkampfgeschehen abgemeldet.

          Sie wollte unbelastet Anlauf nehmen für eine zweite Olympiateilnahme nach ihrem 14. Platz in Rio. „Hätte ich gewusst, dass ich nicht mehr zurückkommen würde, hätte ich die Operation vielleicht ein Jahr verschoben und mich noch eine letzte Saison im Weitsprung durchgebissen“, sagt sie. Nach zwei verletzungsbedingt verpassten Saisons schöpfte die WM-Vierte im Siebenkampf von Moskau 2013, die damals im finalen 800-Meter-Lauf nur um eine Sekunde Edelmetall verpasste, noch einmal Hoffnung auf einen letzten großen Wettkampf.

          Aufgrund der Verschiebung der Tokio-Spiele 2020 um ein Jahr wollte sie noch einmal angreifen. Doch die Geburt war schwierig; wegen der Pandemie gab es zudem kaum Trainingsmöglichkeiten. „Die Fitnessstudios waren geschlossen, und ich hätte keine Zeit gehabt, regelmäßig nach Frankfurt zu fahren“, sagt die Wahl-Darmstädterin. Ihr Baby zum Üben mitzunehmen kam nicht infrage: „Er ist ein kleiner Aufgeweckter“, sagt sie. Statt, wie von anderen prognostiziert, die meiste Zeit über zu schlafen, wolle Jakob ständig beschäftigt werden.

          Einen letzten Mehrkampf schrieb Salman-Rath im vergangenen Dezember ab. Im Hinterkopf behielt sie noch eine Weile die Einzeldisziplin. Dann gab sie auf.

          Sehnsucht nach normalem Leben

          „Ich hatte eine wirklich schöne Karriere“, resümiert die frühere deutsche Meisterin. Ihren Trainern Jürgen Sammert und Uli Knapp verdanke sie viel; „sie haben mich immer wieder aus Tiefs geholt“. Jetzt sehnt sich die Studentin der Sozialen Arbeit nach einem normalen Leben. Wenn Jakob ab Herbst in die Krippe geht, will die gelernte Erzieherin ihre Bachelorarbeit schreiben und sich einen Job suchen, der sie seelisch nicht zu sehr belastet. „Ich bin ein Sensibelchen“, sagt Salman-Rath.

          Mit Inlineskaten und Yoga hält sie sich in Form. Auch Götzis hat die mehrmalige Teilnehmerin nicht abgeschrieben. Als sie selbst in Österreich noch am Start war, verbrachten ihre Eltern mit ihr stets ein paar Tage Urlaub dort nach den Strapazen. Das, kombiniert mit dem Kribbeln, das man als Zuschauer des Kult-Events verspürt, kann Salman-Rath sich für die Zukunft gut vorstellen.

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