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Marc Stendera : Balleroberer mit Bärenruhe

Wieder am Ball: Jetzt muss Eintracht-Antreiber Marc Stendera nur noch gesund und frei von Verletzungssorgen bleiben. Bild: Jan Huebner

Beim ungefährdeten 4:0-Pokalsieg in Schweinfurt nutzt Eintracht-Profi Marc Stendera seine Bewährungsprobe ganz besonders. Von Trainer Niko Kovac gibt es viel Lob.

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          Die Eintracht muss nachsitzen – und freut sich darauf. Viel Zeit bleibt ihr diesmal ohnehin nicht, um sich auf die zweite Saisonhälfte vorzubereiten. Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer wurde die Winterpause spürbar verkürzt, schon am 13. Januar rollt für alle Teams wieder der Ball. Die Frankfurter, bei denen Verteidiger Timothy Chandler am Mittwoch erfolgreich am Knie operiert worden ist und voraussichtlich zwei Monate ausfällt, tragen ihr abschließendes Bundesliga-Heimspiel am 16. Dezember gegen Schalke aus, und am 2. Januar startet dann ihr Flieger, der sie ins Trainingslager nach Südspanien bringen wird. Durch das 4:0 beim 1. FC Schweinfurt in der zweiten Runde des DFB-Pokals ist im eng getakteten Programm ein weiterer Pflichttermin dazugekommen: Auch das Achtelfinale des Wettbewerbs wird noch unmittelbar vor Weihnachten ausgetragen. Fredi Bobic sieht der Auslosung des Gegners an diesem Sonntag mit Spannung entgegen und äußerte die Hoffnung, dass sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Stefan Effenberg, als Losfee engagiert, der Eintracht einen Auftritt vor heimischem Publikum bescheren könnte. Das würde Reisestress verhindern und die Chance auf einen gelungenen Jahresausklang vor den eigenen Fans bieten.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Ansonsten machte der Frankfurter Sportvorstand nach der erfüllten „Pflichtaufgabe“ einen nahezu wunschlos glücklichen Eindruck. Der 45-Jährige war angetan, wie „souverän eigentlich“ sich die Mannschaft gegen den ambitionierten Regionalligagegner verkaufte und sich nach einigen bangen Minuten vor der Pause später keine Blöße gab: „Das Weiterkommen hier war wichtig.“ Nun sind es nur noch drei Hürden, die übersprungen werden müssen, wenn es mit dem abermaligen Finaleinzug klappen soll.

          „Natürlich will man so etwas nochmal genießen“

          Auch bei Bobic sind die Bilder aus dem Mai noch präsent, als sich die Eintracht im Pokalendspiel Dortmund 1:2 geschlagen geben musste, aber während des Aufenthalts in der Hauptstadt – auch mit Hilfe ihrer einfallsreichen Fans – eine Vorstellung ablieferte, die ihr viele neue Freunde bescherte. „Natürlich will man so etwas noch mal genießen“, sagte Bobic und berichtete, dass diese Sehnsucht auch in Spielerkreisen ein großes Thema sei, das allgemein motivierend wirke: „Alle Jungs, die in Berlin dabei waren, erzählen denen, die neu dazugekommen sind, wie klasse es war. Das schafft zusätzlichen Anreiz.“

          Gegen die viertklassigen Franken dauerte es eine Weile, bis sich die Eintracht auf den aufmüpfigen Außenseiter eingestellt hatte, dann aber setzte sie sich mit ihrer individuellen Klasse durch. Es war die vierte Frankfurter Partie in Folge ohne Niederlage. Treffer von Sébastien Haller (14., 58.), Marius Wolf (63.) und Danny Blum (85.) ebneten den Weg. Niko Kovac konnte sich anschließend zugutehalten, die passenden Konsequenzen gezogen zu haben, als es galt, in der Pause umzustellen, um erkennbare Schwachstellen zu beseitigen. Der Trainer hatte sich vorab entschieden, ordentlich rotieren zu lassen.

          Stendera nutzt seine Chance

          Die Idee, dass Aymen Barkok dem Mittelfeld Impulse verleihen könnte, ging nicht auf. Der 19-Jährige, zuletzt nur selten zum Einsatz gekommen, fasste überhaupt nicht Tritt und zog in vielen Zweikämpfen den Kürzeren. Für ihn brachte Kovac von der 46. Minute an einen weiteren Reservisten: Marc Stendera – der seine Bewährungschance prompt nutzte. „Er hat das sehr gut gemacht“, sagte Kovac. Mit ihm an der Schnittstelle zwischen Abwehr und Angriff „hatten wir es im Griff“. Stendera fiel als aggressiver Balleroberer genauso positiv auf wie als umsichtiger Lückenschließer oder Angriffsplaner. „Drei bis vier Super-Aktionen“ bescheinigte ihm Bobic. Kovac sprach zudem davon, dass er Stendera wünsche, „dass er das Glück hat, endlich gesund zu bleiben“.

          In der Vergangenheit war es allzu oft der Körper, der dem heute 21 Jahre alten Spielgestalter einen Strich durch die Rechnung machte. Unter anderem zwei Kreuzbandrisse, wiederholte Hüftbeschwerden, ein Einriss am Außenmeniskus und eine ausgekugelte Schulter setzten ihn schon außer Gefecht; zuletzt waren anhaltende Grippebeschwerden dafür verantwortlich, dass Kovac ihn über Tage komplett aus dem Trainingsbetrieb nahm. „Bei Marc ist es eine verflixte Geschichte“, stellte der Trainer fest, „entweder ist er verletzt oder krank. Er braucht mehr Kontinuität.“ An seiner spielerischen Qualität bestünden keine Zweifel. „Er sieht die Bälle einen Tick früher als andere im Augenwinkel“, sagte Kovac, „und er hat eine Bärenruhe in seinen Aktionen, die uns weiterbringen kann.“

          Stendera nahm die Äußerungen mit einem zustimmenden Kopfnicken zur Kenntnis. Viel reden über das, was hinter ihm liegt, wollte er aber nicht – stattdessen schaute er lieber nach vorne: „Ich will mich weiter empfehlen“, lautete seine Devise, „und auf dem Platz Gas geben.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass er in Mainz an diesem Freitag dazu die Gelegenheit erhält, wurde in Schweinfurt jedenfalls nicht kleiner.

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