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Marathonläuferin Steinruck : Auf Carbon zur Olympiateilnahme?

  • -Aktualisiert am

Katharina Steinruck beim Marathon in Frankfurt am Main im Jahr 2019 Bild: Imago

Die Olympianorm hat Marathonläuferin Katharina Steinruck bereits erfüllt. Dennoch ist unklar, ob sie auch nach Tokio darf. Ohnehin spielt Olympia in ihren Gedanken derzeit kaum eine Rolle.

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          Eines hat Katharina Steinruck sich im Vorjahr selbst beigebracht: sich von großen Erwartungen zu lösen und ihre Konzentration nur auf das zu richten, was unmittelbar bevorsteht. Die Olympischen Spiele, die im Sommer in Japan stattfinden sollen, spielen deshalb derzeit in den Gedanken der 31-Jährigen kaum eine Rolle. Obwohl der Qualifikationszeitraum für das Großereignis bis Ende Mai läuft und die Marathonspezialistin von Eintracht Frankfurt die Teilnahme anstrebt.

          In diesen Zeiten der Coronavirus-Pandemie sei „nichts planbar“, sagt die gebürtige Leipzigerin. Als das Weltsportevent 2020 verschoben wurde, gab ihr das zu knabbern. „Die Enttäuschung war sehr groß“, sagt Steinruck. Sie verarbeitete sie, indem sie sich für zwei Wochen aus dem Training verabschiedete.

          Im Herbst ging es mit den Rückschlägen weiter: Mehrmals bereitete sich die Ausdauersportlerin auf Marathon-Starts vor, die dann aufgrund von Absagen doch nicht zustande kamen. Auf die letzte Chance, im Kalenderjahr noch einmal einen Klassiker zu wagen, das Rennen im Dezember in Valencia, verzichtete sie von sich aus. Mental fühlte sie sich zu dem Zeitpunkt zu angeschlagen.

          Katharina Steinruck jubelt über ihren Sieg beim Frankfurt-Marathon 2019, der ihr damals die Olympiateilnahme sicherte.
          Katharina Steinruck jubelt über ihren Sieg beim Frankfurt-Marathon 2019, der ihr damals die Olympiateilnahme sicherte. : Bild: Imago

          Die neue Saison ist Steinruck mit einer anderen Einstellung angegangen. „Ich möchte jetzt einfach mal ein Frühjahrsrennen laufen“, sagt sie. Ob dieses sich im Nachhinein mit der Reise im Juli nach Asien verbinden wird oder nicht, „das wird man sehen“.

          Immer wieder damit klarkommen zu müssen, dass Hoffnungen verpuffen, sich aufzureiben an Themen, die sie selbst nicht beeinflussen kann, „das raubt Kraft und Energie“, sagt Steinruck. Diese spare sie sich lieber fürs Laufen. So nimmt sie auch gelassen hin, dass das für ihren ersten langen Auftritt 2021 vorgesehene Eliterennen in Hamburg, das für diesen Sonntag im Kalender stand, um eine Woche nach hinten und ins niederländische Enschede verschoben wurde.

          „Worst case“ wäre gewesen, wenn sie schon mit dem „Tapering“ angefangen hätte, der Phase, in der die Sportler ihre Belastung vor einem Höhepunkt reduzieren. So jedoch habe sie noch „einen kleinen Trainingsblock eingeschoben“ und sehe sich fit und gerüstet für den Start. Die Vorleistung war bestens: Vor knapp zwei Wochen in Dresden steigerte Steinruck ihre bisherige Bestzeit über zehn Kilometer auf 31:59 Minuten.

          Auf Carbon unterwegs

          Schon zweimal hat sie die Olympianorm unterboten und liegt im deutschen Ranking mit einer Zeit von 2:27:26 Stunden, die vom Marathon in Frankfurt 2019 stammt, auf dem dritten Platz, dem letzten, für den es ein Tokio-Ticket geben würde. In der Hansestadt sollte im direkten Vergleich mit der Konkurrenz eine Vorentscheidung über die Vergabe fallen, für die allein die besten Zeiten zählen. Mittlerweile hat sich das Feld der Topläuferinnen ausgedünnt, einige könnten es vorziehen, schon dieses Wochenende im italienischen Siena anzutreten.

          „Dann weiß ich wenigstens, was sie gelaufen sind“, sagt Steinruck. Eventuell hätte auch sie selbst die Fahrt in die Toskana angetreten, hätte sie rechtzeitig davon erfahren, dass der Lauf auch für Frauen offen ist. „Es war alles auf diesen Sonntag ausgerichtet“, zudem gilt das Nachbarland Niederlande derzeit als Hochrisikogebiet. „Ich musste erst mal bei meinem Arbeitgeber abklären, ob ich überhaupt dort hinfahren darf“, sagt die Polizeioberkommissarin, die weiter zu Diensten auf ihrem Revier in Griesheim antritt. Nun ist es, wie es ist.

          Die frühere deutsche Meisterin freut sich darauf, ihre Laufschuhe für die 42,195 Kilometer zu schnüren. Diese gehören seit Dezember der neuen Carbon-Generation der an. Die Schuhe, die seit ihrem Auftauchen in der Szene Rekorde begünstigen, geben wie Steinruck erklärt, „einen Push nach vorne“ und zu 70 Prozent die Energie zurück, die man selbst auf die Straße bringe. „Es ist mehr wie Springen“, sagt die Läuferin. Man müsse sich daran gewöhnen. Allein laufen diese Wunderwerke nicht. Steinruck hat trotz aller Corona-Wirren schon vorher im Training „sehr gute Fortschritte“ erzielt und sich weiterentwickelt. „Das will ich jetzt endlich auf die Straße bringen.“

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