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Eintracht Frankfurt : Nur eine Verkettung unglücklicher Umstände

  • -Aktualisiert am

Fehlerlos: Bruno Hübner steht weiter zu Trainer Veh. Bild: Wonge Bergmann

Grundsätzliche Fehler? Die Eintracht-Führung sieht keinen und hält den Kader für richtig zusammengestellt - trotzdem will sie ihn verstärken. Manager Hübner stellt sich vor Trainer Veh.

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          Finanzvorstand Axel Hellmann ist im Moment für den Optimismus bei der Frankfurter Eintracht zuständig. Während viele Fans in den sozialen Medien ihrem Ärger Luft machen, während die Spieler mit hängenden Köpfen herumlaufen und der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen ziemlich gramgebeugt die turnusmäßige Vorstandssitzung am Dienstag verließ, hatte der 44 Jahre alte Hellmann ein Lächeln auf den Lippen. „Mir geht es wieder etwas besser“, sagte er. „Die Ausführungen der sportlichen Abteilung haben mich überzeugt.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Gar nicht turnusmäßig hatten Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Armin Veh dem Vorstand berichtet, mit welchen Maßnahmen sie die Krise der Eintracht über den Winter zu bekämpfen gedenken. Hellmann erscheint die Situation mit 14 Punkten aus 16 Spielen auch nicht rosig, aber er hält nichts für verloren. „Sie sehen mich nicht in Sack und Asche gehen.“

          Formschwäche der Führungsspieler als Auslöser der Krise

          Düsterer wirkte Bruchhagen. „Wir haben zu wenig Punkte, und die ganze Situation hat eine Eigendynamik bekommen“, sagte der Ostwestfale. Den Negativtrend zu durchbrechen sei schwer. Auf die Frage nach dem Wie blieb er genauso eine genaue Antwort schuldig wie auf die Frage, wodurch die Eintracht in die Krise geschliddert sei. „Das passiert eben, wenn die Bundesligaverhältnisse so sind, wie sie sind. Wir standen in den letzten Jahren nie auf einem Abstiegsplatz, dass es immer so bleibt, davon kann man nicht ausgehen.“ Bruchhagen führte wieder die zu große Spreizung bei den Fernseheinnahmen der Klubs an und dass der Abstand zu den sechs großen Klubs zu groß geworden sei. Und bei der Ausgeglichenheit des Restes könne eine Mannschaft ganz schnell in den Abstiegskampf geraten.

          Die Einschätzung, dass keine grundsätzlichen Fehler begangen worden seien, teilt er mit seinem Sportdirektor, der am Dienstag seine Gedanken zur Krise nach dem Vorstand der Öffentlichkeit mitteilte. Weder in der Kaderzusammenstellung noch in der Behandlung der Spieler noch in taktischer Natur sei etwas grob falsch gelaufen. „Wir vertrauen weiter dem Trainer und dem Kader“, sagte er. Die Formschwäche der Führungsspieler sei der Auslöser für den Absturz gewesen. Es sei allerdings erklärbar, warum die Profis, die vorangehen sollten, nicht in der Lage dazu waren: „Bis auf Oczipka konnte keiner durchspielen. Allen fehlte nach ihren Verletzungen zunächst die Fitness und dann das Selbstvertrauen.“ Einmal in der Abwärtsspirale, sei der Trend nicht mehr zu stoppen gewesen. „Viele Sachen sind hinzugekommen. Es klingt platt, aber was nicht passieren darf, passiert eben in diesen Phasen, auch Schiedsrichter-Entscheidungen haben uns zurückgeworfen, ohne dass ich das überbewerten will.“

          Sidney Sam ist weiter ein Kandidat

          Hübner wollte vor allem Unterstellungen begegnen, die Fans in den sozialen Medien äußerten - dass Trainer Veh nicht mit ganzem Herzen dabei sei, dass die Beziehungen zwischen Trainer und dem Sportdirektor sowie Trainer und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Steubing zu freundschaftlich seien, um das Optimum herauszuholen: „Armin ist immer der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Er macht sich unheimlich viele Gedanken“, so Hübner, der anfügte: „Und dass wir befreundet sind, hilft sogar, kritisch miteinander umzugehen. Ansonsten überlegt man sich vielleicht, einem Trainer alles aufzutischen, damit er nicht beleidigt ist.“

          Hübner ist bewusst, dass seine Aussagen sehr allgemein klingen und nicht den Kern des Problems erklärten. „Aber Fußball ist nicht immer erklärbar.“ Auf den ersten Blick erscheint es auch nicht logisch, dass die Eintracht-Führung einerseits dem Kader vertraut, aber sich im Winter mit zwei bis drei Spielern verstärken wird. Hübner sagt dazu: „Wir können uns doch nicht vorwerfen lassen, sehenden Auges dem Abstieg entgegengegangen zu sein - ohne etwas zu tun.“

          Ein neuer Manndecker und zwei neue offensive Mittelfeldspieler (Priorität linke Seite) sollen am 4. Januar die Reise ins Trainingslager nach Abu Dhabi mitmachen. Das Anforderungsprofil ist ambitioniert: Schnell sollen die Profis sein, über Spielpraxis verfügen, damit sie der Eintracht direkt weiterhelfen, und sie sollen robust in Krisensituationen sein. Damit scheiden für Hübner einige der zuletzt in den Medien gehandelten Kandidaten aus: Obasi (völlig aus dem Rhythmus), der Japaner Kubo (interessant, würde aber zu lange wegen Länderspielen fehlen), der Pole Grosicki (andere Gründe) und Kirchhoff (verletzungsanfällig, nicht schneller als Spieler des bisherigen Kaders). Der Schalker Sidney Sam sei allerdings weiter ein Kandidat, obwohl auch er zuletzt kaum gespielt habe: „Sidney lassen wir auch im Training beobachten, er ist fit. Und er ist nicht so lange weg gewesen wie Obasi.“ Im Moment sei es aber das Wichtigste, alle Kräfte für das letzte Hinrundenspiel am Samstag gegen Bremen zu bündeln: Dass auch die Hanseaten in der sportlichen Krise stecken, ist Hübner einerlei: „Wir müssen Punkte holen, egal gegen wen.“

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