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Mainz 05 : Dicke Luft vor den tollen Tagen

Wohin geht die Reise von Christian Heidel? Bild: dpa

Karneval und trotzdem nichts zu lachen: In Mainz steigt die Nervosität wegen der ungelösten Frage zur Zukunft von Manager Heidel. Und vor dem Bundesligaspiel gegen Gladbach sorgt nun auch noch der Präsident für Unruhe.

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          Kunterbunt geht es in Mainz noch nicht zu. Wenn Mainz 05 am Freitagabend (20.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) zum Spiel der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach aufläuft, dann geht es erst einmal nur vierfarbbunt zu. Denn pünktlich zur Fastnachtszeit, deren Hochphase in der Karnevalshochburg in den kommenden zehn Tagen mit der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ und dem Rosenmontagszug ansteht, hat sich der Klub ein neues Gewand mit Schultern in den vier Fastnachtsfarben Rot, Weiß, Blau und Gelb zugelegt. Dass der Klub sich dabei einen kleinen Fauxpas geleistet und die Farben nicht ganz gemäß den Gepflogenheiten der Fastnachtskultur aufgereiht hat, ist für die Anhänger wohl verkraftbar.

          Sie fürchten aber, dass das Vierfarbbunte nur der Vorgeschmack auf eine kunterbunte nähere Zukunft sein könnte. Denn die Ungewissheit bezüglich der Zukunft des von Schalke 04 umworbenen Managers Christian Heidel und eines möglichen Nachfolgers trübt mittlerweile zunehmend die Stimmung rund um den Verein. Auf der Geschäftsstelle wollen die Angestellten, die selbst in der operativen Führungsebene nicht in die Zukunftsplanungen eingebunden sind, endlich eine klare Aussage Heidels.

          „Die vier Haken sind noch nicht gemacht“

          Und die Fans nehmen den Klub als orientierungslos wahr, weil der Vorstand nicht den Eindruck vermittelt, mit letzter Entschlossenheit die Entwicklungen voranzutreiben, wenngleich Heidel die Bedenken vom Tisch zu wischen versucht. „Eine Entscheidung ist erst dann möglich, wenn hinter vier Dinge ein Haken gemacht werden kann: Ein Verein muss mich wollen, ich muss wollen, und die beiden Gremien der Vereine müssen zustimmen. Die vier Haken sind noch nicht gemacht“, sagt Heidel.

          Übersetzt heißt das: Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies will Heidel vom Sommer an als Vorstandsvorsitzenden, und der 52 Jahre alte Manager will auch nach einem Vierteljahrhundert bei Mainz 05 eine neue Herausforderung. In Schalke kann der Aufsichtsrat indes erst dann von Verhandlungsführer Tönnies um Zustimmung gebeten werden, wenn Heidel vom Mainzer Vorstand die Freigabe aus seiner bis 2017 vereinbarten Dienstzeit erhalten hat. Dies wird aber erst geschehen, wenn der Verein sportlich wie organisatorisch stabil aufgestellt ist.

          „Wir sind nach so langer Zusammenarbeit im Vorstand ein so verschworener Haufen, dass wir sicher keinem von uns einen Stein in den Weg legen, wenn einer noch mal was anderes machen will“, sagt Vizepräsident Jürgen Doetz. „Aber die auch von Christian Heidel akzeptierte Prämisse ist, dass Mainz 05 keinen Schaden nehmen darf.“ Heidel selbst muss als der Einzige im Fußballgeschäft vernetzte Vorstand einen geeigneten Nachfolger selbst präsentieren, zudem müsste die Mannschaft den Verbleib in der Bundesliga gesichert haben, ehe der Vorstand seinen Macher ziehen ließe. Letzteres schien nach der starken Vorrunde mit 24 Punkten und Rang acht reine Formsache.

          Die 0:1-Niederlage zum Rückrundenauftakt in Ingolstadt am vergangenen Samstag nach einer enttäuschenden Leistung hat nun aber Nervosität ausgelöst. Sollte Mainz 05 in den kommenden Wochen in den Abstiegsstrudel geraten, wäre es eigentlich undenkbar, dass Heidel in einer solchen Situation die letzten Haken hinter seinen Wechsel setzt. Zu allem Überfluss für Mainz 05 hat Präsident Harald Strutz eine Angriffsfläche geboten, da er sich in dieser kritischen Phase für drei Wochen in den Urlaub verabschiedet hat.

          Helau aus „Meenz“: Der FSV spielt gegen Gladbach im Fastnachtstrikot

          Erst zum Spiel am Freitagabend kehrt der Vorsitzende zurück und muss sich nun einer Diskussion erwehren, die die „Mainzer Allgemeine“ eröffnet hat. Dort wurde die Frage gestellt, ob diese lange Abwesenheit in einer für den Verein kritischen Phase damit vereinbar ist, dass der laut Satzung ehrenamtlich tätige Präsident mittlerweile seinen Lebensunterhalt vornehmlich aus einer jährlichen sechsstelligen Summe vom Verein bestreitet - nach Informationen der F.A.Z. dank eines Beratervertrags, da der Vereinsvorsitzende laut Satzung nicht beim Klub angestellt sein darf.

          Von der Mannschaft wird die Unruhe bislang ferngehalten, auch dank klarer Entscheidungen: So hat der Vorstand auf Empfehlung Heidels beschlossen, ein lukratives Angebot für Yunus Malli abzulehnen: Borussia Dortmund soll demnach mehr als 13 Millionen Euro für einen Transfer in der Winterpause geboten haben. „Es wäre das falsche Signal gewesen, Malli jetzt abzugeben“, sagt Vizepräsident Doetz. Ein Verkauf des in der Hinserie erfolgreichsten Torjägers hätte die Moral des Teams untergraben können. Manchem Spieler wäre es dann vielleicht zu bunt geworden.

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