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Trainerwechsel bei Mainz 05 : Lichtes Moment

  • -Aktualisiert am

Von jetzt an mit der Hauptverantwortung: Jan-Moritz Lichte Bild: WITTERS

Cheftrainer Achim Beierlorzer wurden keine neuen Impulse mehr zugetraut. Nun übernimmt der Ko-Trainer Jan-Moritz Lichte bei Mainz 05 – für ihn sprechen vor allem vier Aspekte.

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          Der erste Teil der Pressemitteilung, die der FSV Mainz 05 am Montagmittag verschickte, war keine Überraschung: Achim Beierlorzer ist nicht länger Trainer des Bundesligaklubs. Diese Entwicklung hatte sich allerspätestens am Samstag nach der 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart angedeutet, und schon wegen der Ereignisse in der vorigen Woche mit der Suspendierung Ádám Szalais und dem Spielerstreik war sie unvermeidlich.

          Nicht unbedingt zu erwarten war hingegen die neue Weichenstellung des Vereins: die Beförderung des bisherigen Ko-Trainers Jan-Moritz Lichte zum Chef. Als Interimslösung hatten den 40-Jährigen viele auf dem Zettel, als neuen ersten Mann ohne zeitliche Begrenzung nur bedingt. Sportvorstand Rouven Schröder nannte drei Argumente, die für Lichte sprechen: „Er verfügt über die fachliche Expertise, eine Erfahrung als Trainer über mehr als zehn Jahre und kennt unsere Mannschaft natürlich in- und auswendig. Wir trauen ihm daher zu, unser Team in die weitere Saison zu führen.“

          Als vierter Aspekt dürfte die finanzielle Situation der 05er eine nicht ganz unbedeutende Rolle gespielt haben. Einen neuen Mann von außen zu engagieren ist angesichts der coronabedingten Einnahmeverluste derzeit keine Option, schon gar nicht, da sowohl Beierlorzer als auch dessen Vorgänger Sandro Schwarz noch bis Mitte 2022 bezahlt werden müssen, sofern sie nicht vorher einen neuen Verein finden.

          „Hat sich top entwickelt“

          Schwarz war es auch, der Lichte vor dreieinhalb Jahren als Ko-Trainer an den Bruchweg geholt hatte. Der gebürtige Kasselaner, dessen aktive Karriere vor allem aus 258 Spielen für den KSV Baunatal in der damals viertklassigen Oberliga Hessen bestand, war schon damals, abgesehen von Torwarttrainer Stefan Kuhnert, der Mann mit der meisten Profitrainererfahrung am Bruchweg. Unter anderem arbeitete er als Ko-Trainer von André Schubert und Michael Frontzeck in Paderborn und St. Pauli, bei Bayer Leverkusen und Hannover 96, deren Nachwuchsleistungszentrum er bis zu seinem Wechsel nach Mainz 13 Monate lang geleitet hatte.

          Ihm sei frühzeitig klargeworden, dass er mit Fußball sein Geld verdienen wolle, hatte Lichte bei seinem ersten Pressegespräch als 05-Ko-Trainer gesagt – er habe aber auch gewusst, dass es als Spieler dazu nicht reichen würde. „Für jemanden, der nicht in den höchsten Ligen gespielt hat, hat es sich top entwickelt.“ Ein Satz, den er seit Montag dick unterstreichen kann.

          Ende der Dienstzeit: Achim Beierlorzer muss sich um Mainz keine Sorgen mehr machen.
          Ende der Dienstzeit: Achim Beierlorzer muss sich um Mainz keine Sorgen mehr machen. : Bild: Patrick Scheiber/JanHuebner/Pool

          2011 schloss Lichte den Kurs zum Fußballlehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie des Deutschen Fußball-Bundes als Jahrgangsbester mit 1,0 ab. Das sei ein schönes Erlebnis gewesen, weil er immer versuche, „die Dinge so gut zu machen, wie ich es kann“. Überbewerten will er dieses Ergebnis allerdings nicht: „Die Note besitzt keine Aussagekraft über die Fähigkeiten als Trainer.“

          Diese Fähigkeiten, die zuletzt wohl vornehmlich im Verborgenen blieben, sollen jetzt zum Tragen kommen. Seine neue Rolle biete Lichte die Chance, seine Ideen umzusetzen und sich als Führungspersönlichkeit zu entwickeln und zu profilieren, sagt Rouven Schröder. „Wir werden seine Entwicklung in unsere Entscheidung über die künftige Besetzung der Trainerposition einbeziehen und geben ihm und uns die nötige Zeit dafür.“ Lichte sagt, er werde sich jetzt auf das konzentrieren, was er unmittelbar beeinflussen könne: „die Arbeit mit der Mannschaft im Training und in der Vorbereitung auf die Partie bei Union Berlin am Freitag. Für das Team und mich steht diese Fokussierung absolut im Mittelpunkt.“

          Die Trennung von Achim Beierlorzer sei das Ergebnis einer Analyse der sportlichen Situation durch Sportvorstand Rouven Schröder und den Vorstandsvorsitzenden Stefan Hofmann sowie eines langen Gesprächs beider mit dem 52-jährigen Fußballlehrer am Sonntagnachmittag, schreiben die 05er. „Wir haben uns gemeinsam sehr intensiv mit unserem sportlichen Weg auseinandergesetzt und mit der Frage, in welcher Form wir der aktuellen Entwicklung Rechnung tragen und der Mannschaft kurzfristig und perspektivisch neue Impulse geben können“, sagt Manager Schröder. Mit Beierlorzer wäre dies nach Einschätzung der Verantwortlichen nicht möglich gewesen. Der freigestellte Coach zeigte sich enttäuscht über diese Entscheidung.

          Noch nicht abgeschlossen ist laut Schröder die Aufarbeitung der Ereignisse aus der vorigen Woche. „Wir sind weiter in intensivem Austausch innerhalb der Vereinsgremien und mit der Mannschaft, um die Vorkommnisse der vergangenen Woche selbstkritisch aufzuarbeiten und Lösungen zu finden.“

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