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Derby gegen die Eintracht : Das Schweigen der Mainzer Fans

  • -Aktualisiert am

Die Mainzer Anhänger werden in der ersten Viertelstunde schweigen. Bild: dpa

Beim letzten Bundesliga-Spiel in Mainz an einem Montag gab es ein ziemlich lautes Pfeif- und Vuvuzela-Konzert. Die Tinnitusgefahr besteht nun beim Derby gegen Eintracht Frankfurt nicht – ganz im Gegenteil.

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          Achim Beierlorzer hat zwar erst ein Spiel als Trainer des FSV Mainz 05 bestritten, die Anhänger seines neuen Vereins nötigten ihm in dieser Saison allerdings schon zweimal Respekt ab. Vor acht Tagen in Hoffenheim, „wo eigentlich nur unsere Fans Stimmung gemacht haben“, wie er nach dem 5:1-Erfolg lobte. Und einige Wochen zuvor, als er noch mit dem 1. FC Köln in der Arena am Europakreisel spielte und sie „eine sensationelle Stimmung ins Stadion gezaubert haben“.

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          Auf ähnliche Unterstützung setzt der 52-Jährige auch an diesem Montag gegen Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) – er wird sich aber eine Weile gedulden müssen. Ziemlich genau 15 Minuten und 30 Sekunden nämlich wollen sie schweigen, haben die Ultras angekündigt. Aus Protest gegen Montagsspiele, als Forderung nach der Rückkehr zur einheitlichen Anstoßzeit samstags um halb vier. Beierlorzer betrachtet das Ganze differenziert. „Eine Viertelstunde Stimmungsboykott ist dem Fußball nicht zuträglich“, sagt er, „aber ich verstehe die Fans, die ihre Meinung kundtun wollen.“

          Unter dem Aspekt der Fairness gegenüber der Eintracht sei die Terminierung sinnvoll, nachdem die Hessen am Donnerstag in der Europa League bei Arsenal in London im Einsatz gewesen sind. „Fanfreundlich sind Montagsspiele aber nicht.“ Nur: Wenn man schon Partien für diesen Tag ansetze, „dann Mainz gegen Frankfurt: Da fällt jeder zweimal um und ist da.“ Der Hinweis des 05-Trainers, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) doch schon eine Abkehr von ihren zeitlichen Expansionsplänen vollzogen habe, ist für die Ultra-Szene nicht neu. Von der übernächsten Saison an wird der aus Vermarktungszwecken eingeführte, bei großen Teilen des Anhangs aber verhasste Montag wieder aus dem Fußballkalender gestrichen.

          Damit mag sich die Gruppe jedoch nicht begnügen: Jedes dieser Spiele sei zu viel und gegen die Interessen der Stadionbesucher gerichtet. Deswegen wolle man trotz der Reaktion der DFL auf die bisherigen massiven Proteste der Fans nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Immerhin lässt die Ankündigung für das Rhein-Main-Derby eine gewisse Kompromissbereitschaft erkennen. Bei der ersten entsprechenden Ansetzung ihres Klubs im April vorigen Jahres gegen den SC Freiburg hatte ein lautstarker Teil der Arenabesucher zehn Minuten vor dem Anstoß mit einem Pfeif- und Vuvuzela-Konzert begonnen, das erst tief in der zweiten Halbzeit abschwoll. Einer solchen Tinnitusgefahr wird diesmal wohl niemand ausgesetzt sein. „Und die Viertelstunde kriegen wir hin“, sagt Beierlorzer.

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          In seiner zweiten Woche am Bruchweg hat der Sandro-Schwarz-Nachfolger sich nicht nur um seine Profis gekümmert, sondern eigens ein internes Testspiel mit Kickern aus U 19, U 23 und den jungen Akteuren des Bundesligakaders angesetzt, um sich ein Bild vom Leistungsstand der Talente unter Spielbedingungen zu machen. Die Sichtung fand ihre Fortsetzung am Samstagnachmittag: Das Spitzenspiel der A-Junioren-Bundesliga zwischen dem 05-Nachwuchs und dem der TSG Hoffenheim wollte der Cheftrainer sich nicht entgehen lassen. Ein weiteres Signal dafür, dass der Klub auch unter ihm den Weg fortsetzen dürfte, möglichst viele eigene Jugendliche nach oben zu bringen. Auch wenn die Mainzer 1:2 unterlagen und damit die Tabellenführung an die Kraichgauer abgaben.

          Als Fernsehzuschauer hatte Beierlorzer am Donnerstag den Europa-League-Sieg der Eintracht beim FC Arsenal verfolgt – und zeigte sich beeindruckt von der „Power und Intensität, mit der sie das Spiel nach einer schwachen ersten Halbzeit gedreht hat. Das war typisch Frankfurt.“ Niemals aufzugeben, immer an sich zu glauben seien wesentliche Eigenschaften dieser Mannschaft („Ein Phänomen in der Europa League“). Sein Mainzer Team sei allerdings auf die Wucht, Dynamik und Zweikampfstärke der Hessen vorbereitet. Unterschätzen werde ohnehin keiner seiner Akteure die Eintracht. „Dazu sind wir gar nicht in der Lage“, sagt der 05-Trainer. „Frankfurt steht in der Tabelle ganz woanders – da wollen wir gerne hin.“

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