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Mainzer Imageschaden : Der Spielerstreik wegen Szalai und die Folgen

  • -Aktualisiert am

Ende der Eskalation: Die Mainzer-Spieler wollen wieder trainieren. Bild: Picture-Alliance

Die Spieler des FSV Mainz 05 sorgen mit ihrem Trainingsstreik für ein Bundesliga-Novum. Am Ende gibt es nur Verlierer. Eine Rückkehr zur Normalität wird es so schnell nicht geben, auch wenn der Betrieb weiterläuft.

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          Kommunikationsproblem. Eskalationsstufe. Imageschaden. Drei Begriffe, die am Donnerstagnachmittag die virtuelle Pressekonferenz des FSV Mainz 05 prägten. Eigentlich war es die Gesprächsrunde vor einem Bundesligaspiel, in diesem Fall der Partie gegen den VfB Stuttgart. Tatsächlich aber drehten sich die Fragen ausschließlich um den am Dienstag verkündeten Quasi-Rauswurf Ádám Szalais und den daraufhin erfolgten Trainingsstreik der Mannschaft am Mittwochnachmittag. Rouven Schröder sprach von einer „sehr unangenehmen Situation“, einer „einzigartigen Situation“, die sich nicht beschönigen lasse.

          Bundesliga

          Das Eingeständnis, den „Kommunikationsweg falsch eingeschätzt“ zu haben, verknüpfte der Mainzer Sportvorstand mit dem Hinweis auf „aggressive Berichterstattung“, die dazu beigetragen habe, die emotionale Stimmung innerhalb der Mannschaft aufzuladen. Schröder dementierte die von der „Bild“-Zeitung erhobene Behauptung, die Trennung sei erfolgt, weil Szalai darauf beharrt habe, dass der Verein den im Frühjahr wegen der Coronakrise vereinbarten Gehaltsverzicht wieder ausgleiche: „Das Thema Gehalt hat mit unserer Entscheidung überhaupt nichts zu tun.“ Ausschlaggebend seien allein sportliche Gründe gewesen.

          Schon nach der vergangenen Saison hätten er und Trainer Achim Beierlorzer dem ungarischen Nationalspieler „aus Respekt vor seiner Person und seiner Karriere“ mitgeteilt, dass er in der neuen Runde nicht mit den im Hinblick auf die Europameisterschaft benötigten Einsatzzeiten rechnen könne. Deshalb dürfe er sich nach einem anderen Klub umschauen. Ein Blick auf die Bilanz des 33-Jährigen, den die 05er aus Hoffenheim zurückgeholt hatten, verdeutlicht dessen geringen sportlichen Wert für das Team: 27 Einsätze, davon 15 Mal eingewechselt, ein Tor. Zu wenig für einen Stürmer, der zu den Bestverdienern im Kader gehört. Das war freilich auch schon Ende Juni bekannt.

          Adam Szalai soll nicht mehr für Mainz 05 spielen.
          Adam Szalai soll nicht mehr für Mainz 05 spielen. : Bild: Picture-Alliance

          Mittlerweile ist aus „dürfen“ ein „sollen“ geworden – beziehungsweise ein „müssen“, will Szalai nicht bis kommenden Juni bei der U23 trainieren und seine EM-Chance vertun. Der Grund: An den im internen Ranking vor ihm liegenden Sturmkollegen komme er nicht vorbei, jene auf Augenhöhe sollen mehr Einsatzzeiten erhalten, und die Jungen, die noch hinter ihm lägen, sollen häufiger die Chance bekommen, im Kader zu stehen. Schröder verwies darauf, dass solche Entscheidungen auch in anderen Klubs getroffen würden, aber ohne, dass die Situation eskaliere; beispielsweise hatte die Versetzung des ehemaligen Nationalspielers Holger Badstuber beim VfB Stuttgart ins Regionalligateam deutlich kleinere Wellen geschlagen.

          Umso erstaunlicher mutet es an, dass in Mainz die Mannschaft aus Solidarität mit einem Spieler in einen Streik tritt, der aus sportlichen Gründen zurückgestuft oder gar ausgemustert wird. Diese Frage blieb letztlich unbeantwortet. Das Verhalten der Kollegen legt aber die Vermutung nahe, dass der Umgang mit Szalai auch oder vorwiegend andere Gründe hat – dem Vernehmen nach soll der Ungar dem Trainer vor versammelter Mannschaft die Kompetenz abgesprochen haben.

          Beierlorzer zufolge verlief das Gespräch mit Szalai „absolut professionell“. Vom Angebot einer Freistellung und einen Trainingsplan für zu Hause zu erhalten, habe dieser keinen Gebrauch machen wollen. Szalai wolle zurück ins Mannschaftstraining und in Mainz bleiben, teilte sein Berater mit. „Den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft für ein Teammitglied kann ich nachvollziehen“, sagte Beierlorzer. „Aber mir wäre es als Spieler und Trainer nie in den Sinn gekommen, dass man deshalb nicht zum Training rausgeht. Dafür habe ich kein Verständnis.“ Dass sich dieser Protest gegen ihn als Trainer richten könnte, dass das Verhältnis zur Mannschaft nachhaltig gestört sei, könne er nicht erkennen, betonte Beierlorzer: „Ich nehme kein Zerwürfnis wahr.“

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