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Fußball-Bundesliga : Mainzer vor Charaktertest gegen Bremen

  • -Aktualisiert am

Muss gegen offengelegte Schwächen vorgehen: Achim Beierlorzer, Trainer von Mainz 05 Bild: Reuters

Das Spiel gegen den BVB hat viele Schwächen bei Mainz 05 offengelegt. Jetzt treten die Mainzer gegen eine Bremer Mannschaft an, die selbst in der Krise steckt. Das Duell könnte zu einem Charaktertest werden.

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          Klaus Hafner war aufgebracht, als er durch die Katakomben der Arena am Europakreisel stapfte: „Ich würd' gern mal mit Abwehr spielen“, schimpfte der langjährige Stadionsprecher des FSV Mainz 05. Betonung auf „mit“. Was wollte man dem gerade zum Ehrenmitglied ernannten Mann nach dem gerade zu Ende gegangenen Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund erwidern? Das 0:4 und vor allem die Art, wie es zustande gekommen war, schienen keine andere Einschätzung zuzulassen.

          Bundesliga

          Achim Beierlorzer bewertete die Dinge anders und wollte seinen Spielern keine Vorwürfe wegen ihres Defensivverhaltens machen. Anfangs sei der Plan gegen den BVB, der „genau in dem System unterwegs war, wie wir es analysiert hatten“, ja auch aufgegangen. Der Druck, den die Mainzer im Mittelfeld ausübten, provozierte Fehlpässe, führte zu eigenen Ballgewinnen. Bevor daraus jedoch etwas Produktives entstehen konnte, reagierte der Gegner.

          „Die Dortmunder haben halt ein unheimlich gutes Gespür“, sagte der 05-Trainer. „Thorgan Hazard und Jaden Sancho waren anfangs in der Mitte, als es da nicht funktionierte, sind sie nach außen gegangen. Und wenn es dort auch nicht klappt, holt Sancho sich die Bälle im Mittelfeld, geht auf die Sechserebene.“ Und Marco Reus „ist mal links, mal rechts. Die laufen dann kreuz und quer, aber natürlich mit Sinn und Verstand immer wieder in diese Räume hinein.“

          Keine Festlegung in der Systemfrage

          Dieser Variabilität, verbunden mit Passsicherheit bei Höchsttempo, hatten die Mainzer nicht mehr viel entgegenzusetzen. Den Gegenspielern ständig hinterherzulaufen oder sie zu übergeben sei gegen so viel Qualität, wie der BVB sie am Samstag auf den Platz brachte, extrem schwierig. „Wir hatten immer mehr Probleme, den Dortmundern zu folgen, mit der Konsequenz, dass wir im Raum standen.“ Die Dortmunder hingegen bespielten die Zwischenräume, und das hätte leicht zu einer deutlich höheren Niederlage führen können, nicht nur wegen Sanchos Distanzschuss in der zweiten Halbzeit, der, von Moussa Niakhaté abgefälscht, am Innenpfosten landete. Dass der Engländer gerade in der zweiten Halbzeit so viele Freiräume hatte, nahm Beierlorzer gelassen zur Kenntnis: „Man muss sich nicht grämen, wenn man im Eins-gegen-eins gegen Sancho verliert, er ist ein überragender Spieler.“

          Auch in sein viertes Spiel als Mainzer Trainer war Beierlorzer mit einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette gegangen. Was gegen die TSG Hoffenheim und gegen Eintracht Frankfurt bereits nach einem Erfolgsmodell ausgesehen hatte, in Augsburg jedoch vor der Pause in ein Debakel hätte führen können, griff auch diesmal nicht. „Die Dortmunder hatten im Mittelfeld ständig Überzahl“, stellte Ridle Baku sachlich fest.

          In Augsburg brachte die zur Pause vorgenommene Umstellung auf ein 4-2-3-1 Stabilität. Gegen den BVB ordnete Beierlorzer nach etwas mehr als einer Stunde ein 4-3-3 an, um mehr Druck auf den gegnerischen Spielaufbau zu erzeugen. Dieser Schuss ging schon wegen der internen Kommunikationsschwierigkeiten nach hinten los. „Es hat ein paar Minuten gedauert, bis alle das mitbekommen hatten“, berichtete Baku – das ist halt der Nachteil eines ausverkauften Stadions, in dem die Fans Stimmung machen. In diese Phase hinein fiel das 0:2, drei Minuten später folgte der dritte Treffer. Dass die Mainzer besser verteidigten als vor der Pause, ließ sich nicht behaupten.

          Und das ist einer der Punkte, die sie am Dienstagabend (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und auf Sky) dringend ändern müssen, um nicht auch beim SV Werder Bremen leer auszugehen. Die Partie beim Tabellennachbarn, der von den vergangenen zehn Spielen nur eines gewonnen und am Samstag in München eine 1:6-Abreibung bekommen hat, steht im Zeichen des Nichtabstiegskampfes, umso mehr, als gerade der 1. FC Köln um drei Punkte näher gerückt ist. Man mag es Charaktertest nennen oder Mentalitätstest – in jedem Fall sind zunächst einmal Lauf- und Zweikampfbereitschaft gefordert. Unabhängig von der Systemfrage, in der sich Beierlorzer noch nicht festlegen will. Eine Veränderung wird er so oder so vornehmen müssen: Innenverteidiger Jeremiah St. Juste ist nach fünf Gelben Karten gesperrt.

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