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Bundesliga in Gladbach : Mainz 05 in der Rolle der kleinen Gallier

Am Samstag wieder als Torjäger verkleidet? Die Mainzer Offensivspieler Jean-Philippe Mateta (links) und Karim Onisiwo. Bild: dpa

Unter der Woche feierte Mainz 05 Fastnacht. Die noch junge Tradition im Klub sorgt für Begeisterung. Nun wollen die Rheinhessen mit dem Geist der Sitzung den Spitzenklub Borussia Mönchengladbach ärgern.

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          Eigentlich wollte der Betreuerstab von Mainz 05 erkennbar als Einheit zur Fastnachtssitzung am vergangenen Dienstag kommen. Der Staff, wie das mittlerweile so unschön heißt, wollte als Stamm gehen. Das kleine Gallien aber war zu klein für den auch bei Mainz 05 mittlerweile etwas überdimensioniert erscheinenden Kreis an Assistenztrainern, Physiotherapeuten, Ärzten, Teammanagern, Zeugwarten und Busfahrern, sodass die Rollen von Asterix über Obelix bis hin zu Majestix und Miraculix schon besetzt waren, als Trainer Achim Beierlorzer mit der Kostümauswahl an der Reihe war. „Das gallische Dorf hatte nicht genug Charaktere, da mussten wir um die Römer erweitern“, sagte Beierlorzer, dessen Frau ihn als Kleopatra begleitete.

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          Den Verdacht des Größenwahns oder gar der Distanzierung zum Rest des Betreuerstabs als großer Feldherr ausgerechnet des Feindes wischte der 52 Jahre alte Trainer vor dem Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und Sky) nun souverän zur Seite. Stattdessen sprach Beierlorzer von der besonderen Erfahrung seiner ersten Fastnachtssitzung überhaupt, die für ihn auch Sinn ergeben habe als gemeinschaftliches Mannschaftserlebnis. „Für uns war das eine Teambuilding-Maßnahme, die unsere  Fokussierung auf den Sport überhaupt nicht beeinträchtigt“, sagte er. „Das war etwas ganz Spezielles, das ist ein Kulturgut.“

          Tatsächlich war die Sitzung an der aus dem aus der Fernsehfastnacht bekannten Kurfürstlichen Schloss nach der Premiere im Vorjahr ein Fortschritt. Was 2019 noch aus Mangel an Vortragenden mit 05-Bezug unter Rückgriff vornehmlich auf etablierte Redner der Mainzer Korporationen zu wenig mit Fußball zu tun hatte, ist nun schon zu einer echten Besonderheit im Mainzer Fastnachtskalender geworden. Die Karten waren ohnehin binnen weniger Stunden vergriffen, weil der engste Kreis an Fans die Idee mit Begeisterung mitträgt. Als identitätsstiftende Veranstaltung hat die 05er-Fastnacht ihren Sinn bereits erfüllt. Dazu trug eine Band der Meenzer Obst- und Gemüsegarde bestehend aus waschechten 05-Fans bei, aber vor allem ein im Priesterornat auftretender Drecksack, der Klub und Team den Spiegel vorhielt.

          Der Vereinsmitarbeiter Tobias Rinauer glänzte abermals in der Rolle des Pöbelrentners, in der er noch mutiger als im Vorjahr selbst seine Vorgesetzten aufs Korn nahm. Beierlorzer unterstellte er, dass er mit seiner durchwachsenen Bilanz in Köln und dem fliegenden Wechsel nach Mainz nur dem Kokolores-Karneval entkommen wollte in die literarische Saalfastnacht seiner neuen beruflichen Heimat. Aufsichtsrat Sven Hieronymus überraschte derweil mit seinem Vortrag, weil er zu 95 Prozent die selben Pointen darbrachte wie im Vorjahr. Er witzelte also abermals über lange vergangene Zeiten von Jürgen Klopp über Nikolce Noveski bis hin zu Thomas Tuchel. Offenbar hat den auch als Comedian auftretenden Aufsichtsrat jene im Mainzer Umfeld so verbreitete Stimmung erfasst, dass es bei Mainz 05 seit langem gar keine neuen Geschichten zu erzählen gibt.

          Dieses Gefühl der Langeweile beim Tabellen-Fünfzehnten wollen Cäsar alias Beierlorzer und seine am Dienstag kunterbunt als Piloten wie Robin Quaison, als Arzt wie Moussa Niakhaté, als Trainingsanzugs-Prolls wie Stefan Bell, Robin Zentner oder Alexander Hack sowie Geldscheichs wie Jeremiah St. Juste verkleideten Spieler natürlich am liebsten auf dem Platz widerlegen.

          Das Auswärtsspiel in Mönchengladbach böte am Samstag dabei zu einem sportlich brisanten Zeitpunkt eine gute Gelegenheit. Für den Kampf beim Tabellendritten wie auch das folgende Heimspiel gegen Bayern München wollen die Rheinhessen nun entsprechend auf dem Feld in die Rolle der kleinen Gallier schlüpfen, die den Großen der Liga Widerstand leisten. Als solches „gallisches Dorf“ hatten sich die Mainzer, bei denen Kunde eine Gelb-Sperre absitzen muss, schon zu Zeiten von Klopp und Tuchel verstanden und die Rolle recht erfolgreich ausgefüllt. Mit Cäsar auf der Trainerbank sollte man an diese Zeiten anknüpfen können.

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