https://www.faz.net/-gzn-8ud70

Mainz 05 : Warten auf den Krkic-Effekt

Nichts zu holen in Hoffenheim: Giulio Donati, Pablo de Blasis (rechts) und Kollegen ziehen nach getaner, aber nicht erfolgreicher Arbeit ab. Bild: Jan Huebner

Mainz 05 bleibt auch mit dem prominenten Neuzugang beim 0:4 in Hoffenheim „zu brav“. Nun muss sich das Team beeilen, wieder Entschlossenheit auszustrahlen.

          3 Min.

          Der Auftakt ist vollkommen misslungen: Als Bojan Krkic im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim in der 75. Spielminute als Einwechselspieler aufs Feld kam, da stand es 0:1 aus Sicht seines neuen Vereins Mainz 05. Als das erste Spiel als Mainzer beendet war, stand eine 0:4-Niederlage fest, die deutlichste Bundesligapleite nach einem 0:4 gegen denselben Gegner in der Saison 2011/12. „Die Klatsche war verdient“, sagte Trainer Martin Schmidt nach dem Spiel, in dem die Mainzer früh durch einen Treffer von Mark Uth (4. Minute) in Rückstand geraten waren, ehe nach dem 2:0 durch Marco Terrazzino (81.) die Dämme brachen und der ehemalige Mainzer Torjäger Adam Szalai noch zweimal gegen seinen ehemaligen Klub traf (86./90.+1).

          „Wir waren zu lieb, zu brav, zu wenig im Spiel“, sagte Schmidt. Zumindest in der erhofften Richtung gab es also keinen Krkic-Effekt, im Umkehrschluss wäre es natürlich zu einfach, ihm die Schuld für den Untergang in der Schlussviertelstunde anzulasten, in der die Mainzer eine lange Zeit ausgeglichen geführte Partie aus der Hand gaben.

          Mutigste Spielerverpflichtung in der Geschichte des Klubs

          Schwerwiegender als Krkics misslungenes Debüt war, dass die Mainzer kurz zuvor ihre größte Ausgleichschance durch Pablo de Blasis in der 73. Minute fahrlässig vergeben hatten und zudem von der 58. Minute an auf Jhon Cordoba verzichten mussten. Der Kolumbianer, nach seiner Rotsperre in die Startelf zurückgekehrt und gewohnt einsatzfreudig, wurde gelbbelastet aus Angst vor einer neuerlichen Hinausstellung ausgewechselt. Fortan fehlte dem Mainzer Spiel der Akteur, der in Sinsheim für jeden erkennbar zum bedingungslosen Widerstand gegen die drohende Niederlage bereit war. Cordoba stürzte sich in jedes Duell, er setzte den Hoffenheimer Innenverteidigern mächtig zu, auch wenn er als Einzelkämpfer in vorderster Front nur einmal in der vierten Minute selbst zum Abschluss kam. Wie allen anderen Kollegen von Cordoba ging derweil auch Krkic diese letzte Einsatzbereitschaft ab. Schon beim ersten Ballkontakt hinterließ er mit einem sinnlosen Fehlpass den Eindruck, nicht ganz bei der Sache zu sein. Am Ende hatte der 26 Jahre alte Spanier mit serbischen Wurzeln, einst in der Kaderschmiede des FC Barcelona als Wunderkind gefeiert und an zwei Champions-League-Siegen beteiligt, lediglich einen Sprint zu Buche stehen.

          Natürlich ist es nach nur fünfzehn Minuten als Einwechselspieler zu früh, ein abschließendes Urteil über den Bojan-Effekt zu fällen. Aber die Mainzer hatten definitiv die Hoffnung, dass allein die vielleicht mutigste Spielerverpflichtung in der Geschichte des Klubs die Sinne im Kader schärft und den Anspruch aller Spieler in die Höhe schraubt.

          „Hoffenheim hatte mehr Willen, das hat man in den Augen gesehen“

          In Sinsheim erweckten die Mainzer den Eindruck, dass nur ein Teil der Botschaft angekommen ist, die Sportdirektor Rouven Schröder und Trainer Schmidt mit den mutigen Aktivitäten auf dem Transfermarkt – neben Krkic wurde auch noch Robin Quaison verpflichtet, der in Sinsheim wegen einer vor dem Wechsel noch im Trikot von US Palermo eingehandelten Gelbsperre fehlte – übermitteln wollten: Vor allem die halbjährige, im Gesamtpaket wohl rund zwei Millionen Euro teure Kurzzeitverpflichtung von Krkic soll die neuen Mitspieler auf ein höheres spielerisches Niveau auch im Training führen. Gegen die gerne tiefstehend auf Konter lauernden Hoffenheimer strahlten die Mainzer tatsächlich eine gewisse Ruhe und Abgeklärtheit im Spielaufbau aus, sie spielten sich selbstbewusst mit Ballstaffetten in die Nähe des Hoffenheimer Strafraums, ohne allerdings zu Torchancen zu kommen. Auf der anderen Seite ließen sie sich gut geordnet in der Defensive mit Ausnahme der desolaten Schlussphase auch nur selten auskontern. Diese Selbstsicherheit schien aber auf Kosten von Wille und Laufbereitschaft zu gehen. In den von den Mainzern immer zum Maßstab für eigene Leistungen erhobenen Laufdaten brachten die 90 Minuten im Kraichgau indes enttäuschende Werte: Die Rheinhessen waren in diesen Belangen unterlegen und hinkten bei nur 113 gelaufenen Kilometern weit hinter ihren Bestwerten jenseits der 120er-Marke her. „Hoffenheim hatte mehr Willen, das hat man in den Augen gesehen“, sagte Kapitän Niko Bungert.

          Für Trainer Martin Schmidt ist es nun die Aufgabe, bis zum kommenden Freitag wieder die Sinne zu schärfen: Dann steht um 20.30 Uhr gegen den FC Augsburg das nächste Heimspiel an, bevor eine Woche später gegen Werder Bremen abermals im eigenen Stadion eine weitere Chance gegeben ist, die Tabellensituation der derzeit auf Rang 13 plazierten Mainzer zu verbessern. Sollte Mainz 05 aber die dafür nötige Entschlossenheit nicht wieder finden, könnte es bald auch ein böses Erwachen geben. Statt erhoffter Ambitionen nach oben wäre dann eine andere Realität gegeben: Die Abstiegszone ist bei derzeit sechs Punkten Vorsprung noch nicht allzu weit entfernt. „Natürlich müssen wir immer aufpassen“, sagte Mittelfeldspieler Andrés Ramalho. „Aber wir sind zu gut, als dass wir in Gefahr kommen.“ Am nächsten Freitag sollten die Mainzer dann freilich Taten statt Worte sprechen lassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Amerikas Präsident Donald Trump

          Coronavirus-Pandemie : Trump trägt jetzt Maske

          Amerikas Präsident lehnte es lange ab, wegen der Corona-Pandemie eine Gesichtsmaske zu tragen. Nun zeigt sich Donald Trump doch mit Mund-Nasen-Schutz. Die Zahl der Neuinfektionen in seinem Land steigt unterdessen auf ein neues Rekordhoch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.