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Fußball-Bundesliga : Mainz und das Problem mit dem Sprungbrett

Auf dem Sprung: Jean-Philippe Mateta will es über Mainz nach ganz oben schaffen, wo Thiago (am Boden) schon angekommen ist. Bild: Imago

Mainz 05 zwischen dem Drang nach Höherem und dem Streben nach Sicherheit: Sind zu viele talentierte Spieler im Abstiegskampf gefährlich? Gegen Schalke braucht der Klub Ausnahmebegabungen.

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          Jeder kennt das Phänomen: Vom Startblock ist der Kopfsprung einfacher als vom Dreimeterbrett. Die Höhe ist die eine, das Federn des Brettes die andere Schwierigkeit. Das Dreimeterbrett verleitet zu Kabinettstückchen, vom Startblock aus zählt der simple wie effektive Startsprung. Auf den Fußball übertragen ist Mainz 05 ein solches Dreimeterbrett. Seit Jahren in der Bundesliga fest etabliert, wenn auch nie an der Spitze angekommen, bietet der Verein – anders als Zweitligaklubs – eine federnde Plattform für Talente.

          Der FSV bezeichnet sich im Werben um Begabungen – beispielsweise aus Frankreich – als ideales Sprungbrett für Höhenflüge zu einem deutschen oder europäischen Topklub. Wofür die Rheinhessen eine Menge Beispiele anführen können. Deshalb spielen aufstrebende Profis, die sich mehr als die Grundtugenden des Fußballs angeeignet haben, wie Jean-Philippe Mateta, Jean-Paul Boetius, Pierre Kunde, Moussa Niakhaté, Aaron oder auch Robin Quaison, der Dreifachtorschütze beim jüngsten Auswärtssieg in Berlin, bei Mainz 05. Sie wollen nach ganz oben wie in der Vergangenheit André Schürrle, Abdou Diallo oder Jean-Philippe Gbamin. Der Klub rechnet bei diesem Konzept einerseits mit den künftigen Transfergewinnen für die zu Höherem berufenen Spieler, andererseits mit ihrer spielerischen Qualität in den verbleibenden 13 Spielen dieser Saison, in denen es um den Klassenverbleib geht.

          Bundesliga

          In der Vergangenheit funktionierte das Konzept sehr gut. Der Klub, der im Geldranking der Bundesliga auf Platz 14 bis 15 steht, geriet nur selten in akute Abstiegsgefahr, sondern machte es sich meist im sicheren Mittelfeld bequem, schaffte sogar Ausreißer nach oben bis hin zu Europapokalqualifikationen. Und selbst nach schlechteren Jahren wurden Talente gewinnbringend verkauft. „Dennoch gilt die Gleichung noch: Wenn es der Mannschaft gutgeht, dann geht es auch dem einzelnen Spieler besser. Ein Innenverteidiger gerät nicht unbedingt in den Fokus der absoluten Topklubs, wenn wir zum Beispiel zu viele Gegentreffer bekommen und er nicht für das Team spielt“, sagt Rouven Schröder.

          Herausforderung für einen Kaderplaner

          Der Sportvorstand von Mainz 05 warnt vor der Unterstellung, dass sich die Sprungbrettartisten im Mainzer Team nicht mehr ernsthaft mit ihrem aktuellen Arbeitgeber auseinandersetzen, sondern schon an die nächste Aufgabe denken. „Das muss man sehr individuell betrachten. Wenn ein Spieler tatsächlich mal so denkt und sich das auf dem Trainingsplatz auswirkt, dann müssen wir ihn wieder in die richtige Richtung bringen und ihm vermitteln, dass ihm jeder Tag ernsthafter Arbeit bei uns ein Stück weiterbringen kann auch in seiner weiteren Karriere“, sagt Schröder. „Dann profitieren beide Seiten.“

          Ein Kader voller Talente, die den im Fußball gerne so genannten „nächsten Schritt“ machen wollen, ist eine Herausforderung für einen Kaderplaner wie Schröder und seinen Trainer Achim Beierlorzer. Hemmt die Schar an Begabten gar die Aufbauarbeit an einem Ganzen, das mehr ist als die einzelnen Teile? Oder anders gefragt: Könnten die Mainzer in ruhigerem Gewässer schwimmen, wenn sie mehr Profis ins Spiel schickten, die bescheiden vom Beckenrand aus zum Kraulen ansetzen statt vom Sprungbrett?

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