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Fußball-Bundesliga : Mainz und das Problem mit dem Sprungbrett

„Es geht immer darum, um einzelne Juwelen herum einen Kader zu schaffen, der die richtige Mischung aus Charakteren besitzt“, sagt Schröder. „Genau so planen wir vor der Saison. Und natürlich kann die Planung samt Entwicklung dann mal schneller, aber auch mal langsamer gehen.“ Beim 3:1-Auswärtssieg bei Hertha BSC Berlin am vergangenen Samstag hat Trainer Achim Beierlorzer ganz bewusst auf gleich vier Profis vom Dreimeterbrett verzichtet: Torjäger Jean-Philippe Mateta, Spielmacher Jean-Paul Boetius, Linksverteidiger Aaron und Mittelfeldspieler Pierre Kunde saßen zu Spielbeginn auf der Bank. Stattdessen standen bundesligaerfahrene Akteure wie Adam Szalai, Danny Latza oder Daniel Brosinski bei Anpfiff auf dem Feld.

„Adam Szalai hat gespielt, weil er defensiv besser ist als Mateta“, begründete Beierlorzer die Entscheidung für den ungarischen Stoßstürmer anstelle des deutlich torgefährlicheren und filigraneren Franzosen. Der Trainer agierte so, wie es eine Analyse des Instituts für Spielanalyse aus Potsdam nahelegt. Die Datenexperten haben in der laufenden Saison eine bemerkenswerte Relation zwischen der Summe der Bundesligaspiele der Startformationen und dem späteren Sieger in der laufenden Saison festgestellt. Nur in 30 Prozent der Duelle gewinnt das weniger erfahrene Team. Mainz 05 hat in seiner durchwachsen verlaufenen Saison im Schnitt die Erfahrung von deutlich weniger als 700 Bundesligaspielen auf dem Platz, beim überraschenden Auswärtssieg in Berlin waren es 999.

Anlegerphantasie statt solider Wertanlage

Der Strategiewechsel von Trainer Beierlorzer passt zur Suche nach Verlässlichkeit, die der Klub seit kurzem als Kurs vorgegeben hat. Vor dem ersten Spieltag hatte Mainz 05 darauf verzichtet, einen Stabilisator wie Christian Gentner zu verpflichten, der mit der Erfahrung von fast 400 Bundesligaspielen und zwei deutschen Meistertiteln nach dem Abstieg des VfB Stuttgart einen neuen Verein gesucht hatte. Er landete bei Union Berlin, wo er nun wie auch Neven Subotic ein Chef auf dem Platz ist. Gentner wie Subotic werden Union freilich keinen Transfergewinn mehr erbringen. Die Kaderplanung mit solchen Spielern ist indes einfacher: Um sie herum lassen sich Talente gruppieren.

Was heißt das nun für das Heimspiel gegen Schalke 04 am Sonntag (18.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und Sky), das die Rheinhessen im vierfarbbunten Fastnachtstrikot bestreiten? Um gegen ein Topteam der Liga zu gewinnen, braucht es vermutlich auch etwas von jener individuellen Ausnahmequalität vom Sprungbrett, fußballerische Dreifachsalti und Pirouetten, um zum Erfolg zu kommen. Es spricht also einiges für die Rückkehr von fußballerischen Kunstspringern wie Jean-Philippe Mateta oder Jean-Paul Boetius in der Offensive. Anlegerphantasie statt lediglich solider Wertanlage, Risiko statt langweiliger Sicherheit.

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