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Mainz 05 vor Neustart der Liga : „Narhallamarsch, das ist komisch“

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Mainzer Führungskräfte: Vorstandschef Hofmann (Mitte), Trainer Beierlorzer (links) und Sportdirektor Schröder. Bild: Imago

Stefan Hofmann, Vorstandschef von Bundesligaklub Mainz 05, äußert sich im F.A.Z.-Interview zu einem Torjubel mit Abstand, Dauerquarantäne bis Saisonschluss und übelriechenden Fußballprofis.

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          Herr Hofmann, reicht Ihre Phantasie aus, um sich Spieler in harten Zweikämpfen oder im Strafraumgerangel vorzustellen, die dann beim Torjubel anderthalb Meter Abstand einhalten?

          (lacht) Gute Frage. Wir wissen alle nicht, wie es wird. Es ist ein Versuch, auf den ich sehr gespannt bin. Ich selbst habe ja jahrelang im Nachwuchs gearbeitet und sehr viele Spiele in den Junioren-Bundesligen gesehen. Das waren zum Teil Spiele auf sehr hohem Niveau, die aber auch nur vor 30 Zuschauern stattfanden. Von daher ist das für mich kein ganz neues Gefühl. Aber Bundesliga ist natürlich noch mal was ganz anderes. Wenn ich mir vorstelle, dass der Narrhallamarsch in einem leeren Stadion ertönt – das wird schon komisch.

          Verspüren Sie die pure Freude darüber, dass die Saison endlich weitergeht, oder mischt sich Skepsis hinein, dass es schiefgehen könnte?

          Pure Freude ist es auf keinen Fall. Eher die Erleichterung darüber, ein Ziel vor Augen zu haben. Für unsere Spieler war es keine einfache Phase. Sie mussten vom Individualtraining zu Hause über das kontaktfreie Schaulaufen in Kleingruppen von heute auf morgen auf Wettkampftraining umstellen. Aber jetzt dürfen sie wieder spielen. Eine Erleichterung ist der Wiederbeginn auch unter dem wirtschaftlichen Aspekt. Wir wussten in Mainz zwar, dass wir jedes Szenario händeln können, aber jetzt kennen wir die Richtung. Klar ist, dass es eine sehr wackelige Geschichte ist, die, wenn es schlecht läuft, nach drei, vier Spieltagen vorbei sein kann.

          Zweimal haben sich Kritiker des DFL-Konzepts schon früh bestätigt gesehen: als die ersten positiven Tests unter Fußballern und Betreuern bekanntwurden – und nach dem Kalou-Video aus der Hertha-Kabine.

          Ich finde, man muss differenzieren. Dass von 1700 Tests einige positiv ausfallen, war zu erwarten. Die Frage ist, wie man damit umgeht, und an dem Punkt sehen wir, wie das Konzept funktioniert. Köln und Gladbach können jetzt die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden durchspielen. Das hat mich nicht ins Grübeln gebracht.

          Hertha schon?

          Das war heftig, dafür habe ich null Verständnis. Die Beteiligten hatten offenbar keinerlei Gefühl dafür, in welcher Situation wir uns befinden. Von diesen Vorfällen dürfen wir uns keine mehr erlauben.

          Die Teams sind jetzt für eine Woche in Quarantäne, aber nach dem Spieltag am nächsten Wochenende kehrt jeder Einzelne in seinen Alltag zurück. Mit allen Risiken einer Infektion, die das birgt. War eine Hotelunterbringung für die gesamte Dauer bis zum letzten Spieltag keine Option?

          Ich bin nicht tief genug in der Thematik drin, um das beurteilen zu können. Sicher, vor und während einer WM sind die Mannschaften auch lange Zeit von zu Hause weg. Aber eine mehr als siebenwöchige Quarantäne wäre schon ein heftiger Eingriff.

          Der aber sinnvoll wäre angesichts der Entwicklung in Dresden, wo die gesamte Mannschaft nach zwei positiven Fällen für 14 Tage in Quarantäne muss, womit die ersten beiden Spiele nicht wie geplant stattfinden können?

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