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Mainz 05 : Verpasste Gelegenheiten

  • -Aktualisiert am

Fröhlich, aber noch nicht treffsicher genug: Jean-Philippe Mateta hat das Potential für mehr Tore. Bild: Imago

Mainz 05 spielt auf höherem Niveau als in der vergangenen Saison, schießt aber nicht genug Tore. In Düsseldorf wollen die Rheinhessen das nun ändern.

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          Wahrscheinlich ist es einfacher, drei Punkte bei Fortuna Düsseldorf zu holen, als eine für alle Seiten befriedigende Lösung in der Pyrotechnikdebatte zu finden. „Das ist ein Thema, das sicher nicht von heute auf morgen erledigt wird“, sagte Rouven Schröder, der Sportvorstand des FSV Mainz 05, während der Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel beim Aufsteiger. Angesprochen auf die gerade bei der Innenministerkonferenz diskutierte Strafverschärfung – der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte kürzlich, das Zündeln in den Fanblöcken mit Gefängnis zu sanktionieren –, sprach sich Schröder für eine harte Haltung im Umgang mit den entsprechenden Fans aus. „Wir brauchen klare Linien. Eine Verschärfung ist wichtig und gut.“ Ein möglicher Kompromiss könne die sogenannte kalte Pyro sein, die bei rund 230 statt 2000 Grad Celsius abbrennt und bei der kaum Rauch entsteht.

          Schröder sprach aus leidvoller Erfahrung. In dieser Woche erst hatte der Deutsche Fußball-Bund den Mainzern mal wieder eine Strafe aufgebrummt, diesmal in Höhe von 10.000 Euro, weil während des Heimspiels gegen den FC Bayern München mehrmals Bengalos auf der Stehtribüne entzündet worden waren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass am Freitagabend die nächste Zahlung fällig wird – bei 1750 Fans, die das Team nach Düsseldorf begleiten, dürften sich zwei, drei aktive Freunde der Pyrotechnik finden.

          Nichts einzuwenden hätten die 05-Verantwortlichen gegen ein Feuerwerk der eigenen Mannschaft auf dem Rasen der Düsseldorfer Arena mit drei Punkten als Krönung. Das aber werde schwieriger, als der 17. Tabellenplatz des Aufsteigers suggeriert, ließ Sandro Schwarz durchblicken. Die Fortuna habe in den ersten Wochen der Saison einen völlig natürlichen Entwicklungsprozess durchlaufen, inzwischen aber in die Liga gefunden. „Und Friedhelm Funkel ist ein erfahrener Mann, ein Toptrainer, der weiß, was nötig ist, um Punkte zu holen“, hob der Mainzer Coach hervor. Nicht von ungefähr sammelten die Düsseldorfer vier ihrer neun Zähler in den beiden jüngsten Partien: mit einem 4:1 gegen Hertha BSC und dem geradezu sensationell anmutenden 3:3 beim FC Bayern. Resultate, die das Selbstvertrauen des Gegners weiter gestärkt hätten, vermutet Schwarz.

          Zumindest weiß er, was seine Mannschaft benötigt, um nicht ein ähnliches Defensivdebakel zu erleben wie die Münchener am vorigen Wochenende, als ihnen Dodi Lukebakio alle drei Treffer einschenkte. „Um Dodi zu stoppen, brauchen wir zum einen ein gutes Positionsspiel und eine sehr gute Kontersicherung“, sagte Schwarz. „Bei Ballverlusten wird es elementar sein, sofort ins Gegenpressing zu kommen.“ Auf diese Weise sollen die Düsseldorfer Angreifer Lukebakio und Rouwen Henning erst gar nicht ins Spiel kommen. Hilfreich dürfte auch sein, dass die 05-Innenverteidiger in der Form der vergangenen Wochen auftreten und nicht so wackelig wie zuletzt die Bayern Jérôme Boateng und Niklas Süle.

          Ruhe im Abschluss fehlt

          Dabei belassen mag Schwarz es selbstverständlich nicht; sein Anspruch ist es, „dass wir dem Spiel unseren Stempel aufdrücken“. Das ist seiner Mannschaft in dieser Saison schon häufig gelungen, die stabile Defensive und das spielstarke Mittelfeld haben die Rheinhessen auf ein anderes Niveau gehoben als vorige Saison. Das galt für weite Strecken der Partie gegen Borussia Dortmund am vergangenen Samstag sowie für diverse andere Begegnungen, aus denen die Mainzer nicht als Sieger hervorgegangen waren.

          „Wir hatten in keinem Spiel das Gefühl, kein Tor schießen zu können“, betont der Trainer, auch nicht in der Phase mit fünf Begegnungen ohne eigenen Treffer. So gut wie nie mangelte es den 05ern an den nötigen Gelegenheiten, was fehlte, war die Ruhe im Abschluss – auch dies eine Frage der Entwicklung, wie sich am französischen Neuzugang Jean-Philippe Mateta beispielhaft zeigt.

          Und auch wenn Schwarz gerne darauf hinweist, dass die Spielprinzipien unabhängig von der Grundformation stets die gleichen bleiben: Mit der Raute, unter anderem bei den Siegen gegen Werder Bremen und in Freiburg praktiziert, verfügt er über eine glänzend funktionierende Variante, die das fußballerische Vermögen seiner Kicker zur Geltung kommen lässt und die Gegner vor schwere Aufgaben stellt. Schwarz formuliert das bescheiden so: „Unser Auftrag ist es, Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten und diese auch umzusetzen.“

          Ob Friedhelm Funkel nur kokettiere, wenn er seine Elf als „krassen Außenseiter im eigenen Stadion“ bezeichne? „Das muss man ihn schon selbst fragen“, sagte Sandro Schwarz. „Aber Favoriten- und Außenseiterrollen interessieren wenig, sobald das Spiel angepfiffen ist.“

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