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Für immer Mainz 05 : Arens und Brosinski – zwei Gesichter der Nullfünfer

  • -Aktualisiert am

Bleibt ein Mainzer Gesicht: Daniel Brosinski Bild: dpa

Der FSV Mainz trauert um eine Klublegende und verlängert den Vertrag mit einer anderen. Daniel Brosinski bleibt den Meenzern erhalten. Er ist hinter Bell der dienstälteste Profi.

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          Zu einer Zeit, da der Bruchweg seinem Namen noch alle Ehre machte, sich an Wochenenden kaum mehr als 3000 Zuschauer auf die eine Art Stadion simulierenden breiten Tribünenstufen verirrten und eine Aschenbahn den Rasen umgab, drehte ein Mann vor jedem Zweitliga-Heimspiel des FSV Mainz 05 seine Runde durch den roten Staub. Stets freundlich lächelnd und den Fans zuwinkend, mochten die Zeiten auch noch so schwer sein. Und getreu dem Sprichwort, dass es aus dem Wald herausschallt, wie man hineinruft, wurde er auf seinem Gang an der Gegengeraden vorbei von Sprechchören getragen: „Peeter Arens, Peeter Arens...“

          Schon in den frühen 90er Jahren erlangte der Mann, der von 1988 bis 2017 als Vizepräsident des Klubs fungierte und dem Vorstand insgesamt 37 Jahre lang angehörte, Kultstatus. „Er ist die gute Seele des Vereins“, sagte Vereinschef Stefan Hofmann anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an die langjährige Vorstandscrew im Oktober vorigen Jahres. „Er hat sofort die Brücke zu uns geschlagen, sein Verein geht ihm über alles. Ohne Vorurteile, ohne Eitelkeiten.“ Dafür mit viel Humor, legendären Geschichten aus alten Tagen, ironischen Kommentaren nach grottigen Auftritten der Mannschaft. Und, nicht zu vergessen: Wenn bei offiziellen Anlässen in unzähligen Ansprachen oftmals das Gleiche, nur in anderen Worten gesagt wurde, beschränkte sich Peter Arens als letzter Redner auf einen Satz, auf den alle warteten: „Das Büffet ist eröffnet.“

          Drei Wochen arbeitslos

          Am Dienstag ist Arens im Alter von 83 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Wahrscheinlich hätte er sich gefreut, noch zu erfahren, dass Daniel Brosinski den 05ern zwei weitere Jahre erhalten bleibt. Der Außenverteidiger hat einen neuen Vertrag bis Sommer 2022 unterschrieben, nachdem der alte Ende Juni ausgelaufen war. Dass sich die Gespräche bis jetzt hinzogen, Brosinski also drei Wochen lang quasi arbeitslos war, begründet Sportvorstand Rouven Schröder vor allem mit der coronabedingten Spielpause, wegen der die Mainzer etwas länger im Nichtabstiegskampf steckten. „Es war ja verabredet, dass wir erst mal die Saison zu Ende bringen wollten, ohne Vertragsgespräche zu führen“, sagt er. „Unsere Konzentration sollte komplett dem Kampf um den Klassenverbleib gelten. Danach folgte die Aufarbeitung, dann sind wir in die Gespräche eingestiegen.“

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          Die stockten womöglich ein wenig angesichts des Angebots, das der Manager dem Spieler unterbreitete – das lag unter dem, was Brosinski bisher verdiente. „Dass ein Spieler sich darüber Gedanken macht, ist klar“, sagt Schröder. „Aber das hat nichts mit geringerer Wertschätzung zu tun, die ist Brosi gegenüber riesengroß. Es geht um wirtschaftliche Zwänge.“ Der Klub müsse in seinen Verträgen auf die durch die Coronakrise verursachten Einnahmeverluste in der zurückliegenden Runde, „die in der neuen Saison nicht weniger werden“, reagieren. „Wir müssen unsere Gehaltsangebote gegenüber der bisherigen Praxis deutlich reduzieren.“

          Für den Verein war es sicher nicht alternativlos, Brosinski zu halten, aber eine gute Entscheidung. Der 2014 aus Fürth gekommene Abwehrspieler überzeugte in all den Jahren durch seine Solidität. Bei ihm weiß man im Prinzip immer, was man bekommt. Ausreißer nach unten sind seltener als Ausreißer nach oben. Was die Zahl der Einsätze anging, war die jüngste Saison seine schwierigste. Zwar stand er immer noch in 26 Bundesligaspielen auf dem Platz, zehnmal jedoch als Einwechselspieler. Dass er rund um die Coronapause fünfeinhalb Spiele hintereinander auf der Bank bleiben musste, dürfte ihn getroffen haben. Erst am 29. Spieltag zog Trainer Achim Beierlorzer die Konsequenzen aus den schwachen Leistungen des Linksverteidigers Aarón, brachte stattdessen Brosinski – und damit mehr defensive Stabilität, mehr offensive Gefahr und viel mehr Zweikampfbereitschaft.

          Nach sechs Jahren am Bruchweg mit 172 Bundesligaspielen ist Brosinski nicht nur hinter Bell der dienstälteste Mainzer Profi, sondern auch einer, der das 05-Gen verkörpert. „Einem 32-Jährigen einen Zweijahresvertrag zu geben, ist nicht selbstverständlich“, betont Schröder, „aber er hat sich das verdient. Brosi ist ein vorbildlicher Spieler, und er ist körperlich topfit. Und sein Vertrag ist selbstverständlich zum 1. Juli rückdatiert.“

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