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FSV Mainz 05 : Hjulmand sucht den Kick

Fokussiert: Kasper Hjulmand, der neue Coach von Mainz 05. Bild: Marcus Kaufhold

Der neue Trainer von Mainz 05 stellt sich der Herausforderung in der Fußball-Bundesliga. Bei seiner Präsentation überrascht der Däne auch mit seinen Deutschkenntnissen.

          3 Min.

          Kasper Hjulmand hat zuletzt bewegende Tage durchlebt. Am vergangenen Donnerstag hatte sich der neue Trainer des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 endgültig entschieden, seine dänische Heimat für einen neuen Job im südlichen Nachbarland zu verlassen. Am Sonntag stand er letztmals an der Seitenlinie bei seinem bisherigen Arbeitgeber FC Nordsjaelland, den er in seinen drei Dienstjahren als Cheftrainer zur Überraschungsmeisterschaft und in die Champions League geführt hatte. Rund um das 2:2 gegen Bröndby Kopenhagen wurde er so herzlich von Fans und Klub verabschiedet, dass ihm sogar die Tränen kamen. Am nächsten Morgen flog er schon von Kopenhagen nach Mainz, um bei der Vorstellung mit den ersten Worten eine große Überraschung zu bieten: Der 42 Jahre alte, wie seine Vorgänger Klopp und Tuchel mehr als 1,90 Meter große Däne eröffnete die Pressekonferenz in nahezu perfektem Deutsch. Später wechselte er ins Englische, um komplexere Fragen zu beantworten. Aber der von ihm selbst in falscher Bescheidenheit betonte Nachholbedarf in sprachlicher Hinsicht ist denkbar klein; Hjulmand will diese geringen Defizite bis Saisonbeginn ausgleichen.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ähnlich gut wie in sprachlicher Hinsicht passen der neue Trainer und sein Klub offenbar auch sportlich zusammen, wenn man dem ersten Eindruck trauen darf. Der Trainer präsentierte sich als sehr offener, sympathischer Mensch, der mit sehr klaren Vorstellungen den nächsten Karriereschritt in der Bundesliga angeht, nachdem er in Dänemark offenkundig alles erreicht hat, was er sich vorgenommen hatte. „Ich persönlich will raus aus der Komfortzone und mich der Herausforderung stellen“, sagte er. So entschied er sich schon im vergangenen Winter im Einvernehmen mit seinem bisherigen Arbeitgeber dafür, künftig getrennte Weg zu gehen und somit auch zu riskieren, sich in einem neuen Umfeld auch Widerständen oder anderen Vorstellungen anpassen zu müssen. Stattdessen habe er aber nun mit Mainz 05 einen Klub gefunden, der sich mit seinen Wertvorstellungen nahe an seinen persönlichen Grundüberzeugungen bewege. „Ich war überrascht, wie perfekt die Philosophie des Vereins meiner Philosophie entspricht. Ich hatte nicht gedacht, dass es so leicht wird, einen Klub zu finden, der so gut zu mir passt“, sagte Hjulmand, der in Nordsjaelland einen Ballbesitzfußball mit gepflegtem Passspiel sowie eine Vorwärtsverteidigung bevorzugt und sich sehr um junge Spieler verdient gemacht hatte, wie es in Mainz unter Tuchel ebenfalls üblich war. Er verwies dann auch ebenso höflich wie sachlich richtig auf eine Trainertradition im Klub, die vom im vorigen Jahr verstorbenen Wolfgang Frank über Jürgen Klopp bis hin zu Vorgänger Tuchel reiche, die den Verein in ihrem Stil geprägt hätten. „Ich bin jetzt froh, Teil davon zu sein“, sagte er, ehe er in aller Offenheit von einer Begegnung mit Klopp bei einem Trainertreffen berichtete. Damals an der Bar soll auch ein wenig Alkohol im Spiel gewesen sein. „Wir haben viel über Fußball gesprochen, das weiß ich noch. Aber ich kann mich nicht mehr erinnern, ob wir auch über Mainz 05 gesprochen haben“, sagte Hjulmand schmunzelnd.

          Hjulmand sucht Gespräch mit Tuchel

          In den kommenden Wochen wird der ehemalige Profi, dessen Spielerkarriere wegen einer Verletzung schon im Alter von 24 Jahren endete, nun viel pendeln zwischen Kopenhagen und Mainz. In Dänemark will er wenigstens etwas Zeit mit Frau und drei Kindern genießen, andererseits muss er die Vorbereitungen für die neue Saison voranbringen. So geht es auch darum, ein Trainerteam zusammenzustellen. Hjulmand will offenbar einige der schon in Mainz arbeitenden Trainer weiterbeschäftigen und einige Mitarbeiter aus Dänemark mitnehmen. Darunter dürfte sein bisheriger Assistent Flemming Pedersen sein, der ihn am Montag nach Mainz begleitete. Dort beginnt die Pflichtspielsaison am 31. Juli mit der Qualifikation für die Europa League, die für das Team eine große zusätzliche Belastung darstellen kann. „Es ist offensichtlich, dass es für alle Klubs schwer ist, Europa League und eigene Liga zu spielen. Aber das sind Erfahrungen, die einen Klub und die Spieler weiterbringen“, sagte Hjulmand, der als Trainervorbild Pep Guardiola nannte, dessen Trainingseinheiten er schon in dessen Zeit als Trainer der zweiten Mannschaft von Barcelona beobachtet hatte.

          Aber auch von einem anderen Trainer erhofft er sich die ein oder andere Inspiration. Hjulmand will offenbar versuchen, sich mit seinem Vorgänger Thomas Tuchel auszutauschen. „Ich habe bisher noch nicht mit Thomas gesprochen. Aber natürlich fände ich es sehr wertvoll, wenn das möglich wäre. Die Arbeit von Thomas Tuchel war fantastisch. Er hat das Team und den Klub weiterentwickelt.“ Mit diesem kollegialen Einverständnis mit seinem Vorgänger ist Hjulmand noch ein Stück weiter als sein Klub. Manager Christian Heidel konnte nämlich auch am Montag noch keine Einigung bezüglich des unbezahlten Urlaubs des ehemaligen, vertraglich noch bis Juni 2015 gebundenen Coachs verkünden. „Wir sind uns im Groben einig, müssen das aber noch aufs Papier bringen“, sagte Heidel. „Das Ganze ist eben auch ein Novum für Arbeitsrechtler.“

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