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Mainz 05 in der Krise : Die Wut der Verzweiflung

  • -Aktualisiert am

Trost vom Gegner: Der Gladbacher Trainer Rose (Zweiter von unten) spricht dem Mainzer Hack Mut zu. Unten sein Kollege Lichte. Bild: Imago

Die Mainzer spielen in der Fußball-Bundesliga wieder besser, verlieren aber weiter. Am Ende versucht sogar der gegnerische Trainer, die unterlegenen Spieler aufzumuntern.

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          Den Trost, wenn es denn kurz nach diesem Spiel etwas Tröstliches gab, spendete Marco Rose. Der ehemalige Profi des FSV Mainz 05 erinnerte an die Bundesligasaison 2005/06, die zweite unter Jürgen Klopp. „Damals sind wir auch mit fünf Niederlagen gestartet und haben dann das Derby in Kaiserslautern gewonnen“, sagte der Trainer von Borussia Mönchengladbach am Samstagnachmittag. „Und am Ende sind wir Elfter geworden.“

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          Eine solche Option würden die 05er des Jahres 2020 auch ohne einen Derbysieg sofort unterschreiben. Um eine solche Entwicklung in die Wege zu leiten, wäre ihnen am nächsten Wochenende schon ein Sieg beim FC Augsburg recht. Vorerst aber verharren sie nach dem 2:3 gegen die Elf vom Niederrhein punktlos auf dem letzten Tabellenplatz. Daran änderte im dritten Spiel unter Cheftrainer Jan-Moritz Lichte auch die bislang beste Saisonleistung mit lange Zeit extrem gutem Pressing und Gegenpressing nichts.

          Zwischen tiefer Enttäuschung und Wut bewegte sich die Gefühlslage des Mainzer Coaches, wobei sich diese Gefühlsregung nicht auf seine Mannschaft oder einzelne Akteure bezog, sondern durch die Gesamtsituation hervorgerufen wurde. Denn hatten die Mainzer ihre ersten drei Partien aufgrund teilweise desolater Leistungen zu Recht verloren und beim 0:1 gegen Bayer Leverkusen Pech, dass ihr einziger Abwehrfehler bestraft worden war, gaben sie diesmal nicht nur einen ersten Punktgewinn, sondern sogar den Sieg aus der Hand.

          Ausschlaggebend waren drei Elemente. Zum einen die ungenutzten Chancen, deren wohl größte in der zweiten Halbzeit beim Stand von 2:1 Levin Öztunali vergab, als er nach einem feinen Spielzug an Torwart Yann Sommer scheiterte. Zum anderen die Fehler bei den Gegentoren. Vor dem 0:1 hatte Stefan Lainer auf der rechten Gladbacher Angriffsseite zu viel Platz, um seine Flanke auf den zweiten Pfosten vorzubereiten, weil Daniel Brosinski auf Abstand blieb, statt zu attackieren. Und wären nicht Luca Kilian und Jeremiah St. Juste gemeinsam mit Breel Embolo zum Kopfball hochgestiegen, sondern einer von beiden zum zwei Meter daneben lauernden Lars Stindl gegangen, hätte jener die Vorlage nicht aus fünf Metern unbedrängt zum Tor nutzen können.

          Das 2:2 resultierte aus einem Handelfmeter, den Moussa Niakhaté verursacht hatte, als er sich in einen Schuss von Marcus Thuram warf. Einen Vorwurf musste sich der Innenverteidiger dafür nicht machen lassen – wohl aber für den Pass im Spielaufbau vor Matthias Ginters Füße. Dadurch war der Konter zustande gekommen, den der zurückgeeilte Niakhaté unglücklich zu stoppen versuchte. Danach habe er den Eindruck gehabt, dass die Köpfe seiner Spieler nach unten gegangen seien, sagte Jan-Moritz Lichte. Nach vier Niederlagen hintereinander sei es in einer solchen Situation zwar schwieriger, noch an den Sieg zu glauben. „Aber trotzdem hatten wir noch genau so viel Zeit wie Gladbach, das Spiel zu gewinnen. Das müssen wir in die Köpfe bekommen.“ Tatsächlich aber gelang den 05ern nach dem 2:2 nicht mehr viel. Schlimmer noch: Eine Ecke von Hofmann verlängerte Matthias Ginter mit dem Kopf zum 2:3 (83.).

          Die Ecke geschlagen hatte Jonas Hofmann, der schon den Strafstoß verwandelt hatte und der, wie beispielsweise auch Thuram, im Verlauf des zweiten Durchgangs eingewechselt worden war. Und das war das dritte maßgebliche Element an diesen Nachmittag: Die Gladbacher legten mit ihren Einwechslungen qualitativ zu, die Mainzer wurden nach ihren Wechseln schwächer. Edimilson Fernandes etwa hatte mit dem Geschehen nicht viel zu tun, Dong-won Ji gar nichts, Jonathan Burkardts Aktionen in der Offensive verliefen glücklos. Marco Rose wünschte seinem früheren Klub, gestärkt aus dieser schweren Phase herauszukommen. „Das wünsche ich mir auch“, sagte Jan-Moritz Lichte.

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