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Mainz 05 im Negativtrend : Bloß „raus aus dieser Nummer“

  • -Aktualisiert am

Es geht auch anders: Thomas Tuchel peitscht seine Mannschaft zwar gerne nach vorn, aber in Sachen Europapokal bleibt er vorerst zurückhaltend. Bild: dpa

Ein Heimsieg gegen Bremen fehlt Trainer Tuchel noch – Mainz 05 hat gegen Werder also etwas gutzumachen. Zumal nach dem 0:2 zuletzt gegen Eintracht Frankfurt.

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          Die Mainzer Verantwortlichen sind es in den vergangenen Tagen häufig gefragt worden: Passiert etwas? Gibt es eine Kampagne angesichts der großen Chance, sich mit Platz sieben für die Europa League zu qualifizieren? Quasi eine „Mission Europa“, eine besondere Art der Mobilisierung und Sensibilisierung von Mannschaft, Trainerstab und Anhängern.

          rainer Thomas Tuchel antwortet dann immer dasselbe: „Nicht jetzt.“ Er finde den Gedanken positiv, doch es sei zu früh. Tuchel vergleicht eine Saison der Fußball-Bundesliga gerne mit einem 400-Meter-Lauf, in dem man sich nicht zu früh verausgaben dürfe. Stichwort Stehvermögen auf der Zielgeraden. Doch wann, wenn überhaupt, würde Mainz 05 zu diesem besonderen Mittel greifen? Wie es der Klub früher in diversen Abstiegs- und Aufstiegskämpfen getan hat. „Unsere internen Ziele sind noch nicht alle erfüllt“, sagt Tuchel.

          Ein Endspurt, der weh tun könnte

          Dabei wirkt es vor dem Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen Werder Bremen und mit 44 Punkten auf dem Konto bisweilen so, als habe der Verein nichts mehr zu verlieren. Oder belastet die Sorge, es könnte Ähnliches passieren wie vor einem Jahr, als Form und Stimmung immer weiter abrutschten und die Spielzeit entglitt. Ohne Esprit, ohne abschließende Höhepunkte. Niemand spricht es aus, aber genau dies soll natürlich nicht passieren. „Wir wollen unsere komfortable Situation ausnutzen, um unsere Bestleistung abzurufen“, sagt Tuchel. Im „Endspurt“, der „körperlich weh tun“ könne, dürfe man „nicht nach links und rechts gucken, ob wir es irgendwie austrudeln lassen können“.

          Tuchel hat nach zwei Auswärtsniederlagen (Braunschweig, Frankfurt) und dem Heimsieg gegen Augsburg einiges an Basisarbeit in sein Trainingsprogramm aufgenommen. Unzufriedenheit habe er direkt nach der Derby-Niederlage in Frankfurt bei seinen Profis wahrgenommen, nun aber spüre er wieder „Lust und Emotionalität“, die auch am Samstag gegen Bremen greifen soll. Also gegen eine Mannschaft, die in der Ära Tuchel (seit Sommer 2009) noch nie in Mainz verloren hat. Der einzige Bundesliga-Heimsieg gegen Werder gelang Mainz vor zehn Jahren unter Trainer Jürgen Klopp. „Wir wollen unbedingt raus aus dieser Nummer“, sagt er.

          Mannschaft muss mehrere Ausfälle kompensieren

          Mainz spielt außerdem gegen einen Negativtrend an: Von den vergangenen vier Partien wurden drei verloren. „Das gefällt uns nicht. Deshalb kommt dem Spiel gegen Bremen eine besondere Bedeutung zu“, sagt Tuchel. Und zwar „in einer besonderen Phase“, die auch geprägt wird von Verletzungen. Denn für Stürmer Nicolai Müller (Meniskuseinriss) dürfte die Saison ebenso vorzeitig vorbei sein wie für Linksverteidiger Joo-Ho Park (Entzündung am Fuß). Zudem ist Innenverteidiger Stefan Bell Gelb-gesperrt. Für Park rückt Junior Diaz nach, Niko Bungert für Bell, wer Müller ersetzt, ist offen. Der Ausfall der Stammspieler solle über die „Mannschaftsleistung“ kompensiert werden.

          Für Tuchel steht nach dem 0:2 vor einer Woche in Frankfurt eine Frage im Vordergrund: „Was ist unser persönlich Bestes in diesem Jahr?“ Anders gesagt: Kommt Mainz wieder aus dem Tief, haben die Profis genügend Widerstandskraft und Durchsetzungsfähigkeit, um sich auf der Zielgeraden durchzusetzen? Ob es in den ausstehenden Saisonspielen tatsächlich einen Gipfelsturm gibt oder die Furcht vor der Fallhöhe ins Niemandsland überwiegt? Über die Mentalitätsfrage lässt sich trefflich diskutieren – womöglich ist genau das der Grund, warum die „Mission Europa“ noch nicht ausgerufen wird.

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