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Mainz 05 : Geht ein Licht auf?

Gemeinsam die Trendwende schaffen bei Mainz 05: Rouven Schröder steht bei Mainz 05 zu Sandro Schwarz. Bild: Imago

Am Freitag strahlt ein neues Flutlicht im Mainzer Stadion. Doch das soll nicht das einzige Highlight bleiben. Gegen den 1. FC Köln will Trainer Sandro Schwarz die Trendwende.

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          Bei der Mitgliederversammlung am Montagabend schob Rouven Schröder ganz am Ende seiner zehnminütigen Rede recht leise noch einen Satz hinterher. „Und denkt daran: Der Verein ist immer größer als der Einzelne“, sagte der Sportvorstand von Mainz 05 und hinterließ etwas Rätselraten. Die Formulierung hat Schröder in der Vergangenheit immer wieder genutzt, wenn er auf seine eigene Zukunft, sportliche Krisen und mögliche personelle Konsequenzen angesprochen wurde. Auch in der Zeit, als das Ende der Präsidentschaft von Harald Strutz absehbar war, verwendete er in seinen ersten Monaten im Klub immer wieder diese Formulierung, um sich auf diplomatische Art um eine unhöfliche Rücktrittsforderung zu winden.

          Daniel Meuren
          (dme.), Rhein-Main-Zeitung

          Am Montagabend konnte der Satz des 44 Jahre alten Sportvorstands im Rahmen der Ehrung von Strutz zum Ehrenpräsidenten also durchaus als eine Mahnung an die aktuellen Führungskollegen im Rückblick auf die damals vereinsgefährdende Führungskrise verstanden werden oder zumindest als Mahnung auch an die Mitglieder selbst.

          Manche im Saal deuteten die Worte freilich auch als eine Warnung an Trainer Sandro Schwarz. Auch er ist in der Logik natürlich kleiner als der ganze Verein und müsste, so die sportliche Krise beim Tabellensiebzehnten nicht irgendwann ein Ende findet, damit rechnen, seinen Job zu verlieren. Schwarz braucht eine solche Warnung vermutlich gar nicht. Der 41 Jahre alte Trainer steht so sehr mit beiden Füßen im Leben und ist eine so ehrliche Haut, dass er sich des Sachverhalts selbst bewusst ist. Schon in seiner ersten schweren sportlichen Krise im ersten Bundesligajahr versicherte Schwarz, dass er selbst die Reißleine ziehen würde, wenn er nicht mehr überzeugt davon sei, der richtige Trainer zu sein. Seine Worte waren damals auch deshalb besonders glaubwürdig, da Mainz 05 für Schwarz mehr als ein Arbeitgeber ist, es ist sein Verein von Jugendzeiten an.

          Schröder zweifelt nicht

          Am Mittwoch stellte Schröder nun so deutlich klar, wie es in dem Bundesligageschäft der kryptischen Phrasen möglich ist, dass er keine Zweifel am Trainer hat und auch nicht zuzulassen gedenke. „Allen muss klar sein, wer Cheftrainer war, als es gut lief. Dann kann man sich tiefergründig damit beschäftigen“, sagte Schröder. Er habe auch bei der Mitgliederversammlung gespürt, dass der Großteil der Anwesenden die Haltung des Klubs klar verstanden habe und sie auch mittrage. „Deshalb ist keiner aufgestanden und hat kritische Anmerkungen gemacht“, sagte Schröder. Tatsächlich gab es bei der Versammlung keine einzige Wortmeldung. Die Unzufriedenen verschaffen sich bislang lediglich in der Anonymität diverser Foren Luft, wo Schwarz immer wieder zur Zielscheibe wird.

          Den Trainer ficht das in seinem dritten Jahr offenbar nicht an. Am Mittwoch präsentierte er sich in der Pressekonferenz bemerkenswert kämpferisch. Schwarz wirkte regelrecht beflügelt durch die Erlebnisse bei der Mitgliederversammlung, die er gemeinsam mit seiner Mannschaft komplett mitverfolgt hat. „Großartig, wie die Leute mit uns umgehen. Wir haben viel Zuspruch erhalten, sowohl ich als auch die Spieler“, sagte er. „Auch die Jungs nehmen aus der Mitgliederversammlung mit, wie Dinge bei Mainz 05 gemeistert wurden, unabhängig von Personen im Vorstand. Wir reden hier nichts schön, wir sind kritisch. Aber wir machen das, was wir machen, aus Überzeugung. Das hat die Mitgliederversammlung gezeigt.“

          Schwarz verdeutlichte, dass er mit seinem Team nach der desolaten Leistung bei Fortuna Düsseldorf nicht zum Alltag übergangen sei. Stattdessen habe er mit dem Team gegen die Gewohnheit, nur die wichtigsten Sequenzen eines Spiels in der Videoanalyse anzuschauen, seinem Team die ganze erste Halbzeit in voller und entsprechend schmerzlicher Länge vorgesetzt. „Wir haben alle gesehen, dass das nichts damit zu tun hat, wie wir trainieren“, sagte Schwarz. Er betonte, dass es dabei nicht an der Einstellung gelegen habe, sondern an einem völlig falschen Umgang mit dem eigenen Ballbesitz. Sehr oft standen fünf Feldspieler um deren Mittelstürmer Rouven Hennings herum, dann hatten es die fünf anderen schwer gegen neun Düsseldorfer in der Defensive, sagte Schwarz. Es fehlte der Zug zum Tor.

          Kunterbuntes Licht

          Am Freitagabend (20.30 Uhr/ live im F.A.Z.-Bundesliga-Liveticker und bei DAZN) soll das nun alles anders werden, wenn die nur um einen Punkt besseren Kölner nach Mainz kommen. Schwarz will nicht blind das halbe Team austauschen, nur um mit einer Alibihandlung den starken Mann zu markieren. Wie stets wolle er aus der Trainingswoche die Elf in der entsprechenden Grundordnung aufs Feld schicken, von der er am meisten überzeugt sei. Ersetzen muss er dabei vor allem den gesperrten Edimilson Fernandes, auch der Einsatz des angeschlagenen Kapitäns Danny Latza ist fraglich.

          Das Mainzer Stadion wird für das Duell zweier abstiegsbedrohter Teams nicht nur wegen der stattlichen Kulisse von mehr als 30.000 Zuschauern einen passenden Rahmen bilden. Zudem kommt beim ersten Abendspiel der Saison die neue Flutlichtanlage mit energiesparenden LED-Leuchten und entsprechenden Möglichkeiten zur kunterbunten Lichtershow in ihrer vollen Pracht zur Geltung. „Wohlgemerkt nur rund um das Spiel, nicht während des Spiels“, sagt Pressesprecherin Silke Bannick. Während des Spiels müssen die Fußballer schon selbst dafür sorgen, dass ihnen ein Licht aufgeht.

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