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Mainz 05 gegen Leipzig : Vollgas-Fußball mit zu wenig Vollstrecker-Qualität

Himmel hilf: Alexandru Maxim nach der Niederlage gegen Leipzig Bild: EPA

Mainz 05 zeigt zu spät und zu kurz die Power, die im Team steckt, und verliert in Leipzig 1:4. Es fehlt jedoch nicht an Vollgas-Mentalität. Wo liegt das Problem?

          2 Min.

          Es war vermutlich die Zeit zwischen der 73. und 74. Minute, in der eine Mannschaft, die sich mit Macht und Kraft daranmachte, für eine Überraschung zu sorgen, am Ende zu einem schwer geschlagenen Verlierer wurde. Der FSV Mainz 05 hatte sich nach einem frühen und scheinbar aussichtslosen 0:2-Rückstand gegen RB Leipzig, diesem ebenso heim- wie konterstarken Team, durch einen Treffer von Karim Onisiwo kurz vor der Pause wieder zurückgekämpft. In der zweiten Halbzeit dominierte Mainz sogar, aber es mangelte an Durchschlagskraft.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nun aber bot sich mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze die Chance zum Ausgleich. Brosinski traf den Ball genau richtig, alles schien zu passen. Der Leipziger Torhüter sah schon, dass er nicht mehr herankommen würde, aber um Zentimeter strich der Ball am Tor vorbei. Eine Minute und einen Angriff später leistete sich Gbamin im Spielaufbau einen Fehler, Demme eroberte den Ball, und mit einem einzigen Pass hebelte er die aufgerückte Mainzer Defensive aus und verschaffte Werner freie Bahn. Der Nationalspieler umkurvte lässig Torhüter Zentner. 3:1 nach 75 Minuten. Und kurz vor Schluss traf Werner noch einmal wunderschön zum 4:1-Endstand.

          „Mainz war am Drücker“, sagte Werner nach dem Schlusspfiff ebenso zutreffend wie anerkennend über die Kräfteverhältnisse, als ihm mit dem 3:1 schließlich der richtungweisende Treffer gelang. Ein Trost waren die Komplimente, die Mainz mit nach Hause nahm, für Spieler und Trainer allerdings nicht. Dafür war die Niederlage zu deutlich. Von einem eigenen Ertrag konnte für Mainz keine Rede sein. „Wir waren nach meinem Tor auf Augenhöhe, dann haben wir 25 Minuten dominiert“, sagte Onisiwo über die beste und eindrucksvolle Mainzer Zeit. Aber ihre Anfangs- und Schlussphase war zum Vergessen.

          Vollgas-Mentalität reicht nicht

          „Wir haben nicht gut begonnen. Und dann waren wir unsortiert nach dem Treffer“, sagte Onisowo über die erste halbe Stunde, in der die Mainzer zeitweise völlig überfordert vom Leipziger Tempofußball schienen. Schon vor den beiden Toren von Poulsen (14. und 19. Minute) hätten sie leicht in Rückstand geraten können. Mainz konnte von Glück sagen, dass die Leipziger ihre Chancen ebenso leicht verspielten, wie sie sie herausgespielt hatten. In der Anfangsphase war fast gar nichts von dem zu sehen, was Trainer Schwarz vor den letzten drei Partien des Jahres gefordert hatte. „Es soll mir keiner mit Bonus-Spielen kommen. Man muss uns ansehen, dass es ums Gewinnen geht“, forderte er vor den Auftritten in Leipzig, dem Derby gegen die Eintracht am Mittwoch sowie zum Abschluss in Hoffenheim. „Volles Rohr – wir hauen noch mal alles raus.“

          Auf die Mainzer Power mussten die mitgereisten Anhänger am dritten Advent eine gute halbe Stunde warten. Mit dem Anschlusstreffer in der 38. Minute von Onisowo, der sich nach einer präzisen Flanke von Öztunali im Kopfballduell gegen Orban durchgesetzt hatte, fasste Mainz endlich Mut. Ansätze waren dann schon vor der Pause vorhanden. Aber vor allem nach dem Wechsel, bis zum Leipziger 3:1, war Mainz das bessere und dominierende Team. Allerdings nur bis zum Strafraum. „Wir müssen öfter in die Box kommen und Chancen kreieren“, sagte der einzige Mainzer Torschütze zutreffend über die Gründe, weshalb aus den eigenen Vorteilen am Ende viel zu wenig wurde.

          Nach der Niederlage gingen die Mainzer zu ihren Fans in die Kurve. Die Forderung, die sie aus Leipzig mit nach Hause nahmen, war ebenso eindeutig wie das Ergebnis. „Sie wollen, dass wir uns am Mittwoch alles abverlangen“, sagte Onisowo. Und am Mittwoch, wenn die Eintracht kommt, „dann wollen wir ihnen auch was zurückgeben – und wollen Vollgas geben“. Daran dürfte kein Zweifel bestehen. Allerdings fehlte es den Mainzern in Leipzig weit weniger an Vollgas-Mentalität als an Vollstrecker-Qualität. Und die lässt sich nicht so leicht erzwingen. Auch wenn man es unbedingt will.

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