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Mainz 05 : Umgang mit tiefen Wunden

Bittere Tiefschläge: Der Mainzer Torwart Robin Zentner beim achten Gegentreffer in Leipzig. Bild: dpa

Mainz 05 will Rehabilitation für das 0:8 bei RB Leipzig. Dafür erinnert sich der Klub auch einer ganz schmerzhaften Niederlage bei Union Berlin, dem kommenden Gegner.

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          Es passt ganz gut, dass Mainz 05 an diesem Samstag (15:30 Uhr) im Heimspiel gegen Union Berlin antreten muss im ersten Spiel nach der demütigenden 0:8-Niederlage am vergangenen Wochenende in Leipzig. Mit Union verbinden die Mainzer schließlich eine der schmerzhaftesten Erinnerungen in ihrer Vereinsgeschichte, ein Erlebnis, dass einst noch viel schwerer auf der Sportlerseele lastete als nun die Schmach von Leipzig. Es war 2002, an einem Sonntag, der nicht nur wegen des Datums 05.05. wie geschaffen schien, der Tag des ersten Bundesligaaufstiegs des Klubs zu werden.

          Bundesliga

          Hoffnungsfroh waren die Rheinhessen mit Jürgen Klopp als Trainer und Sandro Schwarz als einem seiner Spieler in die Bundeshauptstadt gereist. Ein Punkt bei einem Gegner, für den es um nichts mehr ging, sollte den Weg ebnen in die Erstklassigkeit. Aber dann versagten den Mainzern an der „Alten Försterei“ in einer hasserfüllten Stimmung die Nerven. Eine überspitzte Boulevard-Berichterstattung hatte aus dem Nichts eine „Anti-Wessi“-Stimmung unter gut 12.000 Berliner Fans entfacht, Mainz 05 verlor mit 1:3 und Jürgen Klopp musste als Gesicht des Mainzer Fußballs an der Seitenlinie höhnische bis beleidigende Gesten und Worte von gegnerischen Spielern und Zuschauern über sich ergehen lassen angesichts des verpassten Aufstiegs. Dem heutigen Trainer Schwarz erging es als Spieler kaum besser.

          Es gehört zu den Pointen dieser so wechselhaften Woche, dass Schwarz erst dieser Tage in Erfahrung gebracht hat, dass ausgerechnet sein heutiger Vorgesetzter Rouven Schröder 2002 vom Mainzer Versagen profitiert hat. Der Sportvorstand von Mainz 05 stieg dank der Mainzer Niederlage als damaliger Defensivspieler des VfL Bochum als Dritter der zweiten Liga in die Bundesliga auf.

          Rückkehr ehemaliger Mainzer

          Jener 5. Mai 2002 blieb für alle Beteiligten ein traumatisches Erlebnis. Die Mainzer litten nach dem verpassten Aufstieg wie Hunde - um sich nach einem weiteren, wegen eines Tores im Vergleich zur Eintracht gescheiterten Aufstiegsversuch im Jahr darauf 2004 endlich den Traum zu erfüllen. „Daraus kann man lernen, wie man mit Rückschlägen umgehen muss“, sagt Schwarz.

          „Das war damals ein schwieriger Moment für uns als Klub, als Mannschaft, für den Trainer und uns Spieler. Aber wir haben erkannt, wie wir darauf Kraft gezogen haben, um dann zwei Jahre später endlich aufzusteigen.“ In der Rückschau war der Tiefschlag von Berlin ein elementarer Bestandteil in der Entwicklung von Mainz zu einer Fußballstadt mit einem mittlerweile etablierten Bundesligaklub. Seither gehört es zum Mainzer Charakter, sich von Tiefschlägen nicht aus der Bahn werfen zu lassen.

          Schmerzhafte Stunde: Jürgen Klopp tröstet nach der Niederlage in Berlin Stürmer Blaise Nkufo.

          Und mit dieser Einstellung versuchen die Mainzer nun den Tiefschlag des 0:8 zu verarbeiten. „Diese Woche hat es sicherlich einen Tag länger gedauert als nach einer normalen Niederlage, wieder zu unserem Grundvertrauen zurück zu finden. Aber am Samstag wollen wir wieder unsere Qualitäten abrufen“, sagt Schwarz. „Wir haben auch positive Erlebnisse in dieser Saison gehabt. Das müssen wir uns in Erinnerung rufen.“

          Auch die Gesamtbilanz gegen Union wäre angetan, den Mainzern Mut zu machen. Neben dieser einen Niederlage gab es noch vier Mainzer Sieg und nur noch einen Punktverlust in Zweitligazeiten. Diese Bilanz soll nun am Samstag im ersten Bundesligaduell der Klubs ausgebaut werden. Schwarz warnte sein Team allerdings in der Vorbereitung, dass der Gegner sehr leidenschaftlich zu Werke gehen wird. „Darauf müssen wir uns einstellen. Wir müssen mit Konsequenz und Willen in der gegnerischen Box das Ding regeln“, sagt er.

          So schmerzhaft die Erinnerung an Union in Mainz sein mag, so groß ist zumindest bei Schwarz die Freude auf die Rückkehrer im Berliner Trikot: Sebastian Polter und Anthony Ujah stürmten einst für Mainz 05, der spätere BVB-Star Neven Subotic begann seine Bundesligalaufbahn einst am Bruchweg. „Ich freue mich besonders auf Tony Ujah, er ist ein herausragender Mensch, mit dem wir eine herausragende Zeit hier hatten“, sagt Schwarz. Am Samstag würde in einem wichtigen Spiel die Freude von Schwarz noch größer sein, wenn Ujah nicht trifft und sein Team stattdessen die Punkte in Mainz behält.

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