https://www.faz.net/-gzn-7ptda

Von Mainz 05 nach Brasilien : Der Kindheitstraum des Kapitäns

  • -Aktualisiert am

Kein Respekt vor großen Namen: Ja-Cheol Koo (rechts) versucht es gegen Bastian Schweinsteiger. Bild: picture alliance / dpa

Der Mainzer Ja-Cheol Koo führt bei der WM in Brasilien die Elf von Südkorea an. Das Achtelfinale ist nun das Ziel des stillen Asiaten, der ein Rolling-Stones-Fan ist.

          3 Min.

          Vier sind es geworden, sechs hätten es sein können. Doch der Kolumbianer Elkin Soto und Joo-Ho Park (Südkorea) müssen zu Hause bleiben, sie wurden von ihren Nationaltrainern nicht für die Fußball-Weltmeisterschaft nominiert. Aber der Bundesligaklub Mainz 05 ist im nationalen Vergleich sehr gut positioniert – in Brasilien gleich vier Spieler am Ball zu haben, davon hätte vor einigen Jahren bei dem Klub aus Rheinhessen kaum jemand zu träumen gewagt.

          Und die Namen Eric Maxim Choupo-Moting (Kamerun), Junior Diaz (Costa Rica), Shinji Okazaki (Japan) und Ja-Cheol Koo (Südkorea) stehen vom 12. Juni an quasi exemplarisch im Schaufenster der Weltöffentlichkeit und dokumentieren die Entwicklung von Mainz 05. Was insbesondere auf Koo zutreffen dürfte, den mit etwa fünf Millionen Euro teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte. Mit der Verpflichtung des 25 Jahre alten Mittelfeldspielers in der Winterpause, so schrieben einige Blätter, habe in Mainz eine neue Zeitrechnung begonnen.

          Koo wird in Südkorea gefeiert wie ein Popstar

          Zum Aufschwung Fernost trug letztlich aber eher Okazaki bei, Koo brachte es nur auf 13 Einsätze und ein Tor. Bei der WM hat der Kapitän der südkoreanischen Nationalmannschaft dennoch Großes vor. „Die Saison war für mich keine leichte Zeit“, sagt Koo. Am 3. März wurde sein Sohn Bon-Woo geboren, gesehen hat er den Nachwuchs aber erst nach dem Saisonende der Fußball-Bundesliga (10. Mai). Und bereits am 12. Mai hatte Nationaltrainer Myung Bo Hong in Südkorea zum ersten Training geladen. „Zum Glück war der Platz nur zwanzig Minuten von meinem Zuhause entfernt.“ So blieb in der ersten Übungswoche wenigstens etwas private Zeit für die Familie. In seiner Heimat wird Koo gefeiert wie ein Popstar, was man sich angesichts seiner eher zurückhaltenden Ausstrahlung kaum vorstellen kann. Während des Gesprächs trägt er ein T-Shirt mit einem Aufdruck von Mick Jagger, womöglich sind stille Wasser ja wirklich tief.

          „Ich möchte wie unser Team von 2002 gegen eine starke Mannschaft wie Deutschland antreten. Das ist mein Ziel“, sagt Koo. 2002, bei der WM im eigenen Land und in Japan, war es zum Urknall für den südkoreanischen Fußball gekommen: Das Team erreichte völlig überraschend das Halbfinale, dann kam das Aus, eben gegen Deutschland. Und der heutige Nationaltrainer Hong wurde zum drittbesten Spieler des Turniers gewählt. Doch die Nationalmannschaften 2014 und 2002 unterscheiden sich gewaltig. „Damals war kein Nationalspieler in Europa aktiv“, sagt Koo. Heute sind es allein in der Bundesliga neben den Mainzern Koo und Park noch Heung-Min Son und Seung-Woo Ryu (beide Bayer Leverkusen), Dong-Won Ji (demnächst Borussia Dortmund) sowie Jeong-Ho Hong (FC Augsburg). „Je mehr unserer Spieler in europäischen Ligen Erfahrung sammeln, umso besser ist es für die Nationalmannschaft.“ Eine weitere Folge: Seine südkoreanischen Landsleute schauen laut Koo schon jetzt mehr auf die Bundesliga als auf die Premier League in England.

          Erwartungsdruck in der Heimat ist hoch

          Koo geht in Brasilien als Spielführer einer neuen Generation südkoreanischer Fußballprofis voran. Der einstmals große Respekt vor europäischen Gegnern ist gewichen, dazu beigetragen hat auch der Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2012. Mit Koo als Kapitän und Hong als Coach. „Das hat unserem Selbstvertrauen gutgetan“, sagt Koo. Im Viertelfinale hatte Südkorea die Gastgeber aus England im Elfmeterschießen bezwungen, im Halbfinale gegen Brasilien 0:3 verloren, die Partie um Platz drei aber 2:0 gegen die asiatische Konkurrenz aus Japan gewonnen.

          „In Brasilien geht mein Kindheitstraum in Erfüllung“, sagt Koo. Doch der allgemeine Erwartungsdruck in seiner Heimat ist immens. „Es herrscht die Meinung vor, dass unsere Gruppe machbar ist.“ Soll heißen: Nach den Spielen der Gruppe H gegen Russland, Belgien und Algerien soll es für Südkorea im Achtelfinale weitergehen. „Wir sehen nicht nach links und nach rechts“, sagt Koo. Dies und der „ausgeprägte Zusammenhalt in unserer Kultur“ sollen in Brasilien zum Erfolg führen. Und wenn er davon spricht, dass das taktische System geprägt sei von „offensivem Pressing mit viel Bewegung dahinter für die offensiven Spieler“, ist gerade er als Regisseur besonders gefordert. „Realistisch ist das Achtelfinale“, sagt Koo. „Alles Weitere wäre ein Traum.“ Der Optimismus des südkoreanischen Kapitäns ist groß. „Und es ist kein Nachteil, dass ich in Mainz nicht ganz regelmäßig gespielt habe. Ich bin sehr zuversichtlich für die WM.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefahr durch Coronavirus : Keine Panik

          Es beruhigt, dass Deutschland auf Szenarien wie den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet ist. Wenn aber nun nach jeder Hustenattacke die Notaufnahme angesteuert wird, stößt jeder noch so gut aufgestellte Krisenstab an seine Grenzen.
          Ein Kuss sagt mehr als 1000 Worte: Die britische Prinzessin Eugenie bei ihrer Hochzeit im Oktober 2018 mit Ehemann Jack Brooksbank.

          Ein wahres Feuerwerk : Was im Gehirn passiert, wenn wir uns küssen

          Wenn sich Lippen berühren, bricht im Gehirn ein Feuerwerk aus. Nervenzellen und Synapsen befinden sich im Ausnahmezustand. Mit Hilfe moderner Technik können Wissenschaftler die Leidenschaft nun abbilden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.