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Bundesliga-Krise : Neuer Trainer, alte Sorgen bei Mainz 05

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Gequälte Miene: Beim 0:4 gegen Berlin hatte Jan-Moritz Lichte wenig Grund zur Freude. Bild: EPA

Das Debüt des neuen Trainers Jan-Moritz Lichte hätte kaum schlimmer ausfallen können. Bei der 0:4-Niederlage bei Union Berlin offenbart Mainz 05 eklatante Schwächen.

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          Das Spiel hatte Jan-Moritz Lichte mit seiner Mannschaft verloren, den Humor aber offenbar noch nicht. Er möge doch mal drei Punkte nennen, an denen es zu arbeiten gelte, bat ein Journalist den neuen Cheftrainer des FSV Mainz 05 nach der 0:4-Niederlage bei Union Berlin am Freitagabend. Lichte ging in seiner Antwort auf die Fähigkeit in der Offensive ein, auch unter Druck technisch sauber zu bleiben, und auf die Notwendigkeit, defensiv in die Zweikämpfe zu kommen und sie zu gewinnen. Dann sagte er: „Das wären zwei Punkte. Und den dritten muss ich mir noch überlegen.“

          Bundesliga

          Wahrscheinlich muss er das nicht. Was Lichte aufgeführt hatte, waren exakt die beiden Mankos, derentwegen die Rheinhessen am Freitagabend auch in ihrem ersten Bundesligaspiel nach Achim Beierlorzers Entlassung leer ausgingen und abermals einen desaströsen Eindruck hinterließen. Die Hoffnung, mit dem unter anderem durch den Spielerstreik vor anderthalb Wochen herbeigeführten Trainerwechsel werde die Mannschaft ein anderes Bild abgeben als in Leipzig und gegen den VfB Stuttgart, war einer „brutalen Enttäuschung“ (Sportvorstand Rouven Schröder) gewichen. Und der Erkenntnis: „Wir schaffen es im Moment nicht, besser zu sein als Mannschaften wie Union“, wie Robin Zentner eingestand.

          Die Analyse des Torwarts fiel so klar und kompromisslos aus, wie man sich zuvor das Spiel seiner Kollegen gewünscht hätte. „Wir waren die schlechtere Mannschaft“, hielt er fest. „Die Gegentore haben wir sehr schlecht verteidigt beziehungsweise nicht verteidigt. Im Aufbau und in Kontersituationen waren wir unsauber, der erste Kontakt war meistens schlecht, und somit konnten wir uns keine Chancen herausspielen.“ Solche Tage, an denen nach vorne nichts zusammenläuft, gibt es. Aber wenn, „dann müssen wir hinten so gut stehen, dass die Gegner sich an uns die Zähne ausbeißen wie wir an ihnen“.

          Davon konnte lediglich in den ersten zwölf Minuten die Rede sein. So lange stand die 05-Defensive stabil und ließ nicht mehr als einen uninspirierten Distanzschuss zu. Länger aber auch nicht. Mit einem Doppelpass ließen Robert Andrich und Sherando Becker den Mainzer Linksverteidiger Daniel Brosinski ins Leere laufen, Beckers Flanke verwertete am zweiten Pfosten Union-Debütant Max Kruse. „Mit dem 0:1 haben wir gemerkt, dass das, was man sich vornimmt, relativ schnell verlorengehen kann“, sagte Trainer Lichte. Fortan habe seine Mannschaft die entscheidenden Momente im Sechzehner nicht mehr für sich entscheiden können: „Deshalb ist die Niederlage leider auch in der Höhe verdient.“

          „Standards sind immer Sondersituationen“

          Wobei das Problem beim 2:0 schon etwas früher begann, wieder auf der linken Abwehrseite und diesmal durch Brosinskis Passivität verursacht. Der Routinier ließ Christopher Trimmel auf dem Flügel viele Meter machen, ohne ihm entgegenzugehen; es wirkte wie die Fortsetzung des Streiks aus der vorigen Woche mit anderen Mitteln. Trimmels Flanke geriet zur Maßarbeit, und dennoch hätte die Möglichkeit bestanden, Marcus Ingvartsen an der Direktabnahme zu hindern. „Wir haben über Flanken und Zuordnung gesprochen“, kommentierte Lichte später diese Szene aus der 49. Minute, „trotzdem kommen die Berliner frei an den Ball. Weil wir in den entscheidenden Momenten neben dem Gegner stehen statt beim Gegner und nicht in der nötigen Geschwindigkeit mitgehen.“

          Das galt in gewisser Weise auch fürs 0:3, das Marvin Friedrich nach einem Freistoß per Kopf erzielte. „Standards sind immer Sondersituationen“, relativierte Lichte, beim vierten Gegentreffer jedoch hätte Alexander Hack den nach dem Ball stochernden Joel Pohjanpalo energischer stören müssen. Robin Zentners Kritik galt auch für den Innenverteidiger: „Wir sind einfach nicht da, wir sind in der Aktion nicht zu 100 Prozent bereit, mit allem, was wir haben, zu verteidigen.“

          Aus der Misere herauskommen könne man nur mit harter Arbeit und Selbstkritik, sagte sein Trainer. „Wir müssen uns hinterfragen, ob wir mit der Qualität, die wir haben, mit den Zweikämpfen, die wir führen, im Moment berechtigt sind, in der Bundesliga zu spielen.“

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