https://www.faz.net/-gzn-9sdcu

Mainz 05 : Aus aller Herren Länder

Kein Geringerer als Ronaldo: Der Mainzer Barreiro traf mit Luxemburg auf Portugal und den Superstar. Bild: AP

Mit wertvollen Erfahrungen im Gepäck kommen acht Mainzer Profis von ihren Nationalteams zurück. Das hebt die Laune bei Trainer Schwarz. Vielleicht beginnt schon in Düsseldorf eine neue Erfolgsgeschichte aus dem Nachwuchsleistungszentrum.

          3 Min.

          Der Begriff Länderspielpause für jene Zeit in den vergangenen zwei Wochen, in denen die Bundesliga geruht hat, klingt verführerisch. Man könnte meinen, dass Sandro Schwarz beispielsweise die Zeit für eine zünftige Geburtstagsfete genutzt haben könnte. Der Trainer des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 verzichtete freilich auf die große Sause und spulte stattdessen selbst an seinem 41. Geburtstag das übliche Programm ab: Vorbereitung auf das Spiel bei Fortuna Düsseldorf mit Training und Pressekonferenz. Auch für seine Spieler hatten die vergangenen Tage eher wenig mit einer Pause zu tun: Jene, die in Mainz geblieben waren, mussten unter Schwarz harter Arbeit nachgehen, weil der Trainer nach dem zweiten Saisonsieg in Paderborn vor Beginn der Abstellungsperiode unbedingt „die Intensität hoch halten will“, damit in Düsseldorf der positive Trend aufrecht erhalten werden kann.

          Daniel Meuren
          (dme.), Rhein-Main-Zeitung

          Acht Profis waren mit ihren Nationalteams oder Junioren-Auswahlmannschaften unterwegs. Grundsätzlich empfinden Bundesligatrainer das eher als störend, da die Trainingsgruppen klein und die gezielte Vorbereitung auf den Gegner kompliziert wird. Bei Mainz 05 heben sie nun aber das Positive an den Ausflügen quer durch Europa und im Fall des Kameruners Pierre Kunde bis nach Afrika hervor. Sie nutzen die Auftritte, um Erkenntnisse über ihre Spieler in einem etwas anderen Umfeld zu gewinnen. Bei den meisten Spielen sind nach Worten von Sportvorstand Rouven Schröder, der kürzlich seinen 44. Geburtstag beging, sogar Mainzer Scouts vor Ort. „Sie schauen sich auch andere Spieler an, berichten uns aber auch von unseren Jungs“, sagt Schröder.

          Für Schwarz zählt derweil vor allem, mit welchen Erlebnissen die Spieler zurückkehren. „Die meisten haben positive Ergebnisse erzielt“, sagt Schwarz. Das hebe die Laune. Er selbst hat sich einige Spiele mit Beteiligung seiner Akteure im Fernsehen live angeschaut, zudem liefern die entsprechenden Dienstleister den Klubs auf Bestellung sogenannte Scouting-Feeds mit den Sequenzen der einzelnen Spieler, durch die Schwarz recht schnell einen Überblick über die Leistungen seiner Spieler bekommt.

          Weitere Erfolgsgeschichte in Mainz?

          So hat er sehen können, wie der Schwede Robin Quaison, der Österreicher Karim Onisiwo und der Ungar Adam Szalai mit ihren Teams entscheidende Schritte in Richtung einer EM-Qualifikation gegangen sind: Edimilson hat für die Schweiz sogar den erlösenden Treffer zum wichtigen 2:0 gegen Irland selbst erzielt. Ridle Baku hat mit dem deutschen U-21-Nationalteam ebenfalls den Weg zur EM geebnet und abermals in zwei Spielen 90 Minuten mitgewirkt. Und dann hatte da noch Leandro Barreiro eine Begegnung der besonderen Art. Der 19 Jahre alte Nachwuchsmann spielte mit seinem luxemburgischen Nationalteam gegen Portugal und begegnete dabei auf dem Feld keinem Geringeren als Cristiano Ronaldo mehrfach in Zweikämpfen. Die Niederlage gegen den Europameister blieb mit 0:3 in einem für die Auswahl Luxemburgs durchaus erträglichem Rahmen, auch beim nicht ganz so versöhnlichen 0:4 gegen Dänemark spielte er 90 Minuten durch, sodass auch Barreiro von einer erfolgreichen Länderspielwoche sprechen dürfte – wenn er denn reden wollte.

          Aber Barreiero, der sich dank der Herkunft seiner Eltern aus dem Land des Gegners mit Ronaldo auch auf Portugiesisch unterhalten konnte, wollte sich zu seinen Erlebnissen nicht äußern. Statt Worten will er offensichtlich lieber Taten folgen lassen. Und dabei könnte ihm auch mit Blick auf das Spiel in Düsseldorf zugute kommen, dass er bei der Nationalmannschaft einen Spielrhythmus aufnehmen konnte, der ihm in der Bundesliga bislang verwehrt blieb, obwohl viele am Bruchweg von einem Durchbruch noch in der laufenden Spielzeit ausgehen. Beim 2:1-Sieg in Paderborn wurde er vor zwei Wochen immerhin erstmals in dieser Saison in der Nachspielzeit eingewechselt. Barreiro dürfte die wenigen Sekunden auf dem Feld als Signal verstanden haben, dass sein Trainer auf ihn setzt, nachdem er ihm in der Vorsaison zum Bundesligadebüt als A-Juniorenspieler verholfen hatte.

          Und so könnte der Weg tatsächlich bald frei sein für eine weitere Erfolgsgeschichte der Mainzer Nachwuchsarbeit. Bei Barreiro hoffen die Verantwortlichen im Nachwuchsleistungszentrum darauf, womöglich sogar einen künftigen 05-Kapitän ausgebildet zu haben. Barreiro werden die dafür nötigen Fähigkeiten wie Sozialkompetenz nachgesagt, zudem beherrscht er neben Portugiesisch, Luxemburgisch und Deutsch auch Französisch und Englisch. Das sind samt internationaler Erfahrungen gegen Ronaldo und Co. nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um mit den nach den Länderspielpausen aus aller Herren Ländern wieder nach Mainz strömenden Mitspielern kommunizieren zu können.

          Weitere Themen

          Eine Hoffnung namens Horst

          Hamburger SV : Eine Hoffnung namens Horst

          Kurzzeit-Trainer Hrubesch hält den Glauben des HSV an die Relegation lebendig – er selbst hat schon viel für eine bessere Zukunft getan, weil er das nur scheinbar Einfache beherrscht.

          Topmeldungen

          Ausmaß der Zerstörung: eine Straßenkreuzung in Cholon, Israel

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.
          Ende einer Quälerei: In wenigen Tagen werden Präsident Keller und Generalsekretär Curtius (links) den Deutschen Fußball-Bund verlassen.

          Keller, Curtius und Koch : Befreiungsschlag beim DFB

          Präsident Fritz Keller zieht sich zurück, Friedrich Curtius gibt auf, Rainer Koch verzichtet auf eine Wiederwahl: Fast die gesamte Führung des DFB macht den Weg frei für einen Neuanfang.
          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.
          Die EZB erwartet eine steigende Inflation. Allerdings meint sie, der Anstieg sei nur vorübergehend.

          Steigende Preise : Was Sparer zur Inflation wissen müssen

          Alles rund ums Bauen wird teurer, aber auch viele Lebensmittel und vor allem Heizöl und Benzin. Steigt mit dem Abklingen der Pandemie die Inflation? Und wie können sich Sparer rüsten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.