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Mainz 05 : Aus aller Herren Länder

Kein Geringerer als Ronaldo: Der Mainzer Barreiro traf mit Luxemburg auf Portugal und den Superstar. Bild: AP

Mit wertvollen Erfahrungen im Gepäck kommen acht Mainzer Profis von ihren Nationalteams zurück. Das hebt die Laune bei Trainer Schwarz. Vielleicht beginnt schon in Düsseldorf eine neue Erfolgsgeschichte aus dem Nachwuchsleistungszentrum.

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          Der Begriff Länderspielpause für jene Zeit in den vergangenen zwei Wochen, in denen die Bundesliga geruht hat, klingt verführerisch. Man könnte meinen, dass Sandro Schwarz beispielsweise die Zeit für eine zünftige Geburtstagsfete genutzt haben könnte. Der Trainer des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 verzichtete freilich auf die große Sause und spulte stattdessen selbst an seinem 41. Geburtstag das übliche Programm ab: Vorbereitung auf das Spiel bei Fortuna Düsseldorf mit Training und Pressekonferenz. Auch für seine Spieler hatten die vergangenen Tage eher wenig mit einer Pause zu tun: Jene, die in Mainz geblieben waren, mussten unter Schwarz harter Arbeit nachgehen, weil der Trainer nach dem zweiten Saisonsieg in Paderborn vor Beginn der Abstellungsperiode unbedingt „die Intensität hoch halten will“, damit in Düsseldorf der positive Trend aufrecht erhalten werden kann.

          Acht Profis waren mit ihren Nationalteams oder Junioren-Auswahlmannschaften unterwegs. Grundsätzlich empfinden Bundesligatrainer das eher als störend, da die Trainingsgruppen klein und die gezielte Vorbereitung auf den Gegner kompliziert wird. Bei Mainz 05 heben sie nun aber das Positive an den Ausflügen quer durch Europa und im Fall des Kameruners Pierre Kunde bis nach Afrika hervor. Sie nutzen die Auftritte, um Erkenntnisse über ihre Spieler in einem etwas anderen Umfeld zu gewinnen. Bei den meisten Spielen sind nach Worten von Sportvorstand Rouven Schröder, der kürzlich seinen 44. Geburtstag beging, sogar Mainzer Scouts vor Ort. „Sie schauen sich auch andere Spieler an, berichten uns aber auch von unseren Jungs“, sagt Schröder.

          Für Schwarz zählt derweil vor allem, mit welchen Erlebnissen die Spieler zurückkehren. „Die meisten haben positive Ergebnisse erzielt“, sagt Schwarz. Das hebe die Laune. Er selbst hat sich einige Spiele mit Beteiligung seiner Akteure im Fernsehen live angeschaut, zudem liefern die entsprechenden Dienstleister den Klubs auf Bestellung sogenannte Scouting-Feeds mit den Sequenzen der einzelnen Spieler, durch die Schwarz recht schnell einen Überblick über die Leistungen seiner Spieler bekommt.

          Weitere Erfolgsgeschichte in Mainz?

          So hat er sehen können, wie der Schwede Robin Quaison, der Österreicher Karim Onisiwo und der Ungar Adam Szalai mit ihren Teams entscheidende Schritte in Richtung einer EM-Qualifikation gegangen sind: Edimilson hat für die Schweiz sogar den erlösenden Treffer zum wichtigen 2:0 gegen Irland selbst erzielt. Ridle Baku hat mit dem deutschen U-21-Nationalteam ebenfalls den Weg zur EM geebnet und abermals in zwei Spielen 90 Minuten mitgewirkt. Und dann hatte da noch Leandro Barreiro eine Begegnung der besonderen Art. Der 19 Jahre alte Nachwuchsmann spielte mit seinem luxemburgischen Nationalteam gegen Portugal und begegnete dabei auf dem Feld keinem Geringeren als Cristiano Ronaldo mehrfach in Zweikämpfen. Die Niederlage gegen den Europameister blieb mit 0:3 in einem für die Auswahl Luxemburgs durchaus erträglichem Rahmen, auch beim nicht ganz so versöhnlichen 0:4 gegen Dänemark spielte er 90 Minuten durch, sodass auch Barreiro von einer erfolgreichen Länderspielwoche sprechen dürfte – wenn er denn reden wollte.

          Aber Barreiero, der sich dank der Herkunft seiner Eltern aus dem Land des Gegners mit Ronaldo auch auf Portugiesisch unterhalten konnte, wollte sich zu seinen Erlebnissen nicht äußern. Statt Worten will er offensichtlich lieber Taten folgen lassen. Und dabei könnte ihm auch mit Blick auf das Spiel in Düsseldorf zugute kommen, dass er bei der Nationalmannschaft einen Spielrhythmus aufnehmen konnte, der ihm in der Bundesliga bislang verwehrt blieb, obwohl viele am Bruchweg von einem Durchbruch noch in der laufenden Spielzeit ausgehen. Beim 2:1-Sieg in Paderborn wurde er vor zwei Wochen immerhin erstmals in dieser Saison in der Nachspielzeit eingewechselt. Barreiro dürfte die wenigen Sekunden auf dem Feld als Signal verstanden haben, dass sein Trainer auf ihn setzt, nachdem er ihm in der Vorsaison zum Bundesligadebüt als A-Juniorenspieler verholfen hatte.

          Und so könnte der Weg tatsächlich bald frei sein für eine weitere Erfolgsgeschichte der Mainzer Nachwuchsarbeit. Bei Barreiro hoffen die Verantwortlichen im Nachwuchsleistungszentrum darauf, womöglich sogar einen künftigen 05-Kapitän ausgebildet zu haben. Barreiro werden die dafür nötigen Fähigkeiten wie Sozialkompetenz nachgesagt, zudem beherrscht er neben Portugiesisch, Luxemburgisch und Deutsch auch Französisch und Englisch. Das sind samt internationaler Erfahrungen gegen Ronaldo und Co. nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um mit den nach den Länderspielpausen aus aller Herren Ländern wieder nach Mainz strömenden Mitspielern kommunizieren zu können.

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