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Mainz-05-Kommentar : Die Grenzen der eigenen Rolle

  • -Aktualisiert am

Mainz-05-Präsident Johannes Kaluza. Bild: dpa

Mainz 05 hatte großes Glück, dass der Verein die selbstgeschaffene Krise sportlich ohne Folgeschäden überstanden hat. Nun ist der Verein in der Pflicht, auch außerhalb des Rasens für Ordnung zu sorgen.

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          Mainz 05 hat die Quittung für eine Satzung bekommen, die in der Krise um den langjährigen Präsidenten Harald Strutz zurechtgezimmert wurde – und große Mängel bezüglich der Rolle des von den Mitgliedern gewählten Vorstandsvorsitzenden hatte. Eine Schwäche war, dass sie Strutz einen eleganten Abschied mit einer letzten dreijährigen Legislatur hätte ermöglichen sollen. Der vorzeitige Sturz von Strutz über dessen mangelhaftes Krisenmanagement zerstörte den Plan und öffnete Johannes Kaluza, einem im Sport unerfahrenen Quereinsteiger, Tür und Tor.

          Die Information über den großen Dissens zwischen Kaluza auf der einen Seite und Schröder sowie den Geschäftsführern auf der anderen Seite ist in den vergangenen Tagen auf verschiedenen Wegen lanciert worden. Für den Aufsichtsrat ist es eine Enttäuschung, dass er nicht mit der Lösung des Problems beauftragt wurde. In mittlerweile zwei Jahren Dauerkrise seit dem ersten Gerücht um den Abschied des früheren Allesmachers Christian Heidel betraute die zermürbte Geschäftsstelle quasi die Medien damit.

          Umso mehr steht das Kontrollgremium nun unter Druck: Es muss bei der bevorstehenden Entscheidung für einen Finanzvorstand einen Volltreffer landen. Sollte dieser mit Sportvorstand Rouven Schröder dann ein schlagkräftiges Duo bilden, würde auch ein neuer ehrenamtlicher Vorsitzender keine allzu große Rolle mehr einnehmen können, und der Druck könnte aus dem Klub weichen. Dennoch ist der Verein auch dann dringend gezwungen, die Schwächen der Satzung zu beheben: Die Rolle eines durch die Mitglieder gewählten Vorsitzenden muss abgeschafft oder deutlicher als bisher auf Aufgaben bezüglich des Vereinslebens beschränkt werden.

          Und dann muss schnellstens wieder der Fußball im Mittelpunkt stehen, damit der Klub nicht auch noch sportlich in die Krise gerät. Mainz 05 hatte bislang großes Glück, dass der Verein die selbstgeschaffene Krise sportlich ohne Folgeschäden überstanden hat. Vielmehr geben die jüngsten Leistungen sogar Anlass zu Optimismus. Den vermag derzeit im Klub keiner auszustrahlen. Ein künftiger Vereinsrepräsentant muss aber genau das schaffen – gepaart mit Kompetenz und vor allem mit dem Wissen um die Grenzen der eigenen Rolle.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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