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Fußball-Bundesliga : Mainz hat Glück – und Zentner

  • -Aktualisiert am

Zum Verzweifeln: Mainz-Schlussmann Robin Zentner beim Spiel gegen Leipzig Bild: dpa

Mainz 05 vermeidet diesmal ein Debakel in Leipzig, ärgert sich aber über drei vermeidbare Gegentore. Sportvorstand Schröder fordert Szalai auf, sich einen neuen Klub zu suchen.

          3 Min.

          Gehört dieses Spiel jetzt in die Schublade mit der Aufschrift „ordentlich geschlagen“? Oder eher in die „Glück gehabt“Sammlung? So recht ließ sich diese Frage am Sonntagnachmittag nicht beantworten, irgendwo dazwischen schien die Wahrheit zu liegen. Einerseits hätte der FSV Mainz 05 zum Auftakt der Bundesligasaison bei RB Leipzig ein Debakel erleben können, das dem 0:8 aus der vorigen Saison nahe gekommen wäre; an Großchancen für einen entsprechenden Triumphzug mangelte es den Sachsen nicht.

          Andererseits setzten sich die Rheinhessen stärker zur Wehr als im vergangenen November und waren nach der Pause auch zu einer Leistungssteigerung fähig. Was diese 1:3-Niederlage wert war, was sie über die Form von Achim Beierlorzers Mannschaft aussagt – das wird sich vermutlich erst am Samstag zeigen, wenn der VfB Stuttgart in die Arena am Europakreisel kommt.

          Entwicklungen im Kader

          Für Gesprächsstoff schon vor der Begegnung hatte die auf diversen Online-Kanälen verbreitete Meldung gesorgt, Ridle Baku stehe kurz vor einem Wechsel zum VfL Wolfsburg. „Am Samstag ist irgendwo aufgeploppt, der Spieler sei sich mit Wolfsburg einig“, kommentierte 05-Sportvorstand Rouven Schröder das Gerücht. „Das wird dann mehrmals nacherzählt, und irgendwann glaubt man es. Ich war überrascht, wie entschieden das schon sein soll.“ Eine Absage an einen solchen Transfer war das nicht, Schröder wies lediglich darauf hin, dass Baku noch zwei Jahre an die Mainzer gebunden sei – „wir sind der Vertragspartner“.

          Ganz konkret hat sich eine andere Personalie entwickelt. Adam Szalai (32) wird keine Zukunft mehr bei Mainz 05 eingeräumt. „Wir haben Adam mitgeteilt, dass er in unseren sportlichen Planungen keine Rolle mehr spielen wird“, sagte Sportvorstand Schröder. „Aus unserer Sicht ist es unwahrscheinlich, dass Adam die von ihm erhofften Einsatzzeiten in dieser Saison bei Mainz 05 erhält, gerade im Hinblick auf die für ihn wichtige Vorbereitung für die ungarische Nationalmannschaft und die EM im kommenden Sommer“, erklärte der Mainzer Sportchef.

          „Unsägliches Missverständnis“

          Der 44 Jahre alte Schröder legt dem Ungarn einen Klubwechsel nahe: „Wir sind der Meinung, dass es daher für ihn Sinn macht, sich komplett neu zu orientieren und sich einen neuen Verein zu suchen.“ Schon in Leipzig hatte Szalai aus sportlichen Gründen gefehlt. Trainer Beierlorzer nominierte den ungarischen Nationalstürmer, der seit seiner Rückkehr im Sommer 2019/20 in Mainz nur selten überzeugen konnte, nicht für den Kader.

          Für Szalais Kollegen entwickelte sich die Aufgabe in Leipzig so schwierig, wie es zu erwarten war. „Wir hatten uns vorgenommen, mit zwei ganz engen Viererketten unterwegs zu sein“, erläuterte der Trainer seinen Plan. Dessen zweiter Teil – Jean-Philippe Mateta und Robin Quaison sollten als schnelle, aggressive Anläufer den gegnerischen Spielaufbau unterbinden – ging von Beginn an nicht auf, weil sich das Geschehen weitestgehend in der Mainzer Hälfte zutrug. Hinten aber standen die 05er einigermaßen vernünftig. Eine Viertelstunde lang. „Und dann gibt es dieses unsägliche Missverständnis in der Abwehrreihe“, sagte Beierlorzer und meinte die 17. Minute, als Leandro Barreiro versuchte, den in den Strafraum eingedrungenen Kevin Kampl zu blocken, „aber Moussa Niakhaté den Ball nicht nimmt“. Die Folge waren Barreiros Foul an Dani Olmo und Emil Forsbergs Elfmeter zur RB-Führung.

          Die Absicht, lange ohne Gegentor zu bleiben, um über Umschaltangriffe oder die eine oder andere Situation in Ballbesitz selbst gefährlich zu werden, war früh dahin. „Das Leipziger Zweikampfverhalten ist einfach enorm gut“, erkannte Beierlorzer an, „und nach dem 0:1 wurde es richtig schwer.“ Und nach dem 0:2, nur vier Minuten später, fing manch einer in den goldfarbenen Trikots vielleicht an zu grübeln, wie Danny Latza zu bedenken gab. Die Erinnerung an 0:13 Tore aus den beiden Duellen der vorigen Saison mochte einigen Mainzern vom Kopf in die Beine schießen und dort eine gewisse Schwere verursachen. „Aber wir haben Haltung bewahrt“, sagte der Kapitän.

          Alle Gegentreffer seien „gefühlt vermeidbar“ gewesen, formulierte Rouven Schröder (wobei er auf das „gefühlt“ hätte verzichten können). Freilich, das räumten auch Manager und Trainer ein, erspielten sich die Gastgeber so viele weitere Großchancen, dass es unterm Strich aus Mainzer Sicht keinen Grund gab, sich über die Höhe des Ergebnisses zu beklagen. Vor allem Torwart Robin Zentner hatten sie es zu verdanken, nicht deutlicher abgebügelt worden zu sein. Dass ihr einziger wirklich guter Angriff über Quaison kurz nach der Halbzeitpause zum Anschlusstreffer durch Mateta führte, können die Mainzer als Mutmacher für die nächste Aufgabe gegen Aufsteiger VfB mitnehmen.

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