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Bundesliga-Trainerkarussell : Beierlorzer von Köln nach Mainz

Vorgänger und Nachfolger: Sandro Schwarz (l) und Achim Beierlorzer, als die beiden noch als Trainer von Mainz und Köln aufeinander trafen Bild: dpa

Eben noch in Köln entlassen, nun schon Coach in Mainz – und wieder geht es gegen Hoffenheim: Achim Beierlorzer wird Nachfolger von Sandro Schwarz. Der Franke selbst nennt die Situation „kurios“.

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          Als Rouven Schröder in der vergangenen Woche sein Anforderungsprofil für den neuen Trainer von Mainz 05 seinen Vorstandskollegen vorgestellt hatte, soll es einen netten Scherz zur Aufhellung der nach der Trennung von Sandro Schwarz beeinträchtigten Stimmung gegeben haben. Das Profil passe ziemlich genau auf Schwarz, soll einer gesagt haben.

          Den im Verein so beliebten, aber zuletzt nicht ausreichend erfolgreichen und deshalb nach der 2:3-Niederlage gegen Union Berlin entlassenen 41 Jahre alten Schwarz holte Mainz 05 aber selbstredend nicht wieder zurück. Stattdessen wurde am Montag nun ein gut zehn Jahre älterer Trainerkollege verpflichtet, der tatsächlich in mancher Weise an Schwarz erinnert – und das nicht nur wegen der polemischen Urteile vieler Fans in Foren, die auf eine zuletzt ähnlich erfolglose Bilanz wie Schwarz verwiesen.

          Achim Beierlorzer ist das Kunststück gelungen, nur neun Tage nach seiner Entlassung beim 1. FC Köln, der in der Tabelle als Siebzehnter an den ersten elf Spieltagen noch einmal zwei Punkte weniger als Mainz 05 eingespielt und dabei unter anderem auch vor drei Wochen gegen die Rheinhessen verloren hat, einen neuen Job angetreten zu haben. Ein vergleichbares Comeback noch vor dem folgenden Spieltag nach einer Suspendierung war zuletzt Felix Magath im Jahr 2011 gelungen, als er die Arbeitssuche nach der Entlassung in Schalke ebenfalls zwischen zwei Spieltagen mit der Rückkehr zum VfL Wolfsburg beendet hatte.

          Beierlorzer, der einen Vertrag bis zum 1. Juli 2022 unterschrieben hat, setzt bei seinem fliegenden Wechsel noch einen obendrauf, da er mit Mainz 05 nun auch noch am Sonntag (18 Uhr/F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) bei seiner Premiere in Hoffenheim just auf den Gegner trifft, der ihm bei der 1:2-Niederlage mit dem 1. FC Köln gerade erst den Arbeitsplatz gekostet hatte. „Dass ich gerade gegen Hoffenheim gespielt habe und zuvor auch hier in Mainz, ist für meine Arbeit sicher hilfreich. Hoffenheim wird uns die selben Aufgaben stellen“, sagte Beierlorzer bei seiner Vorstellung an diesem Montag.

          Dem eigenen Team will Beierlorzer mittelfristig seinen Spielstil vermitteln. „Ich stehe für Fußball mit hoher Laufbereitschaft, nach vorne. Die Fans honorieren diese Art Fußball zu spielen, weil man Einsatz und Leidenschaft sieht“, sagte er. „Auch deshalb passt Mainz 05 zu meiner Vita, Achim Beierlorzer passt zu Mainz 05.“

          Der Klub blieb mit seiner Entscheidung für Beierlorzer gewissermaßen der Klub-Tradition treu, bei der Verpflichtung eines Trainers unkonventionell vorzugehen wie einst bei den Berufungen von Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder auch zuletzt von Schwarz oder dessen Vorgänger Martin Schmidt, die allesamt ohne Bundesligaerfahrung aus dem Verein selbst rekrutiert wurden. Statt nun beispielsweise einen im Abstiegskampf bewährten Feuerwehrmann oder einen in der Bundesliga bereits nachweislich erfolgreichen Trainer zu suchen oder anderweitig von der Vereinsphilosophie abzurücken, hielt der Klub bewusst Ausschau nach einem Trainertypus wie Schwarz. Dieses Mal sollte es allerdings gemäß Schröders Vorgabe ein Kandidat ohne Stallgeruch werden, um ein paar neue Impulse zu geben. Viele im Umfeld des Klubs vermissen aber ein Aufbruchsignal durch die Wahl eines Trainers, der gerade erst gescheitert ist. Schröder genießt aber für seine Entscheidung die Rückendeckung seiner Vorstandskollegen und des Aufsichtsrats. Dort wird die Ansicht vertreten, dass über allem bei der Auswahl stehen muss, ob der Sportvorstand eine gute Zusammenarbeit mit dem Trainer für möglich hält, statt beispielsweise auf die Ausstrahlung eines Kandidaten auf die Fans zu viel Wert zu legen.

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