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Niederlage gegen FC Bayern : Mainz 05 und die falschen Signale

Handschlag verweigert: Spieler Kunde (links) und Trainer Beierlorzer. Bild: Imago

Das Spiel gegen den FC Bayern ist für die Mainzer schnell verloren. Sie zeigen sich ohne Mut – und Anstand. Der früh ausgewechselte Pierre Kunde ignoriert seinen Trainer dabei öffentlichkeitswirksam.

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          In der Pause bei der 1:3-Niederlage von Mainz 05 gegen Bayern München lag noch ein Paar Handschuhe im Tor von Robin Zentner. Der Mainzer Schlussmann sammelte penibel seine Utensilien von der Trinkflasche bis zu einem kleinen Handtuch ein, das sich Torhüter gerade bei Regenwetter wie am Samstag mit zur neunzigminütigen Schicht an den Arbeitsplatz nehmen. Die Handschuhe ließ er liegen, sein Mitspieler Pierre Kunde hatte sie dort gut zwanzig Minuten zuvor aus Wut über das vorentscheidende 0:3 durch Thiago hingeworfen. Und so blieben die beiden Fingerwärmer während der Pause wie die böse Erinnerung an eine misslungene Halbzeit und vor allem einen in Mainz selten gesehenen Abgang von Kunde liegen.

          Bundesliga

          Kurze Zeit, nachdem der Kameruner die Handschuhe geworfen hatte, warf sein Trainer Achim Beierlorzer zumindest für den defensiven Mittelfeldspieler das Handtuch: Dessen Auftritt gegen den Rekordmeister endete nach 33 Minuten. „Er war nicht im Spiel. Ein Fehlpass vor dem 0:2, ein Tunnelversuch im Mittelfeld. Da musste ich handeln“, sagte Beierlorzer. Beim Abgang vom Feld bekam Kunde gerade noch die Kurve, um dem für ihn eingewechselten Kapitän Danny Latza abzuklatschen, ehe er im selben Slalomstil, in dem er zuvor von Thiago vor dem 0:3 umkurvt wurde, an seinem Trainer vorbei seinen Weg zur Ersatzbank bahnte, ohne Beierlorzers ausgestreckte Hand wenigstens abzuklatschen. „Das war schon öffentlichkeitswirksam“, sagte Beierlorzer sarkastisch. „Ich verstehe, dass er emotional reagiert nach der Auswechslung. Aber das ist auch eine Frage des Respekts. Wir werden das intern aufarbeiten und besprechen.“

          Beierlorzer erläuterte aber auch, dass Kunde nach dem Abpfiff umgehend auf ihn zugegangen sei und sich entschuldigt habe. Tatsächlich stand der Spieler noch auf dem Feld eine gute Minute lang zunächst mit seinem Trainer und anschließend auch mit Sportvorstand Rouven Schröder Arm in Arm. Beierlorzer demonstrierte dabei mit einer abschließenden Umarmung, dass er dem Spieler vergeben hatte. „Ich erwarte aber von ihm nun die nächste Reaktion auf dem Trainingsplatz. Ich gehe davon aus, dass er in dieser Woche wie wild Gas geben wird. Aber auch der Spieler, der für ihn eingewechselt wurde, wird den Platz nicht freiwillig räumen. Dann können wir von der Sache durch Konkurrenzdruck im Training profitieren.“ Sportvorstand Schröder drückte seine Erwartungen ebenfalls deutlich aus: „Das ist wie bei Kindern: Wenn sie einen Fehler begehen, dann müssen sie ihn einsehen und dürfen ihn nicht wieder begehen.“

          Die weiter auf Rang 15 plazierten Mainzer müssen weiter auf die Lerneffekte eines talentierten, aber nicht immer fokussierten Teams hoffen, nachdem das Spiel vor 33.305 Zuschauern im ausverkauften eigenen Stadion lange Zeit abermals ähnlich falsche Signale ausgesandt hatte wie das 1:6 im Hinspiel in München oder die beiden vorangegangenen Niederlagen zum Rückrundenbeginn.

          Die anfangs hochkonzentrierten und schnell kombinierenden Bayern erzielten ihre Tore durch Robert Lewandowski (8. Minute), Thomas Müller (14.) und Thiago (26. Minute) zwar dank großer Qualität, aber in der Entstehung auch viel zu einfach. Es wirkte so, als ob die Mainzer Spieler die öffentlichen Äußerungen ihres Trainers, dass gegen die Bayern in der aktuellen Verfassung ohnehin keine Möglichkeit zum Punktgewinn gegeben und das Duell ein Bonusspiel für sein Team sei, zu Mut- und Antrieblosigkeit verführt hatte. „Wir hätten da dem Gegner weh tun und auch mal foulen müssen“, sagte Schlussmann Zentner.

          Erst nachdem die Bayern einen Gang zurückgeschaltet und den Mainzern vor der Pause das 1:3 durch einen Kopfball von Jeremiah St. Juste nach einem Eckball gestattet hatten, zeigten die Rheinhessen mehr Leidenschaft. Manuel Neuer musste zwölf Minuten vor Schluss gar nach einer gelungenen Aktion der eingewechselten Karim Onisiwo und Adam Szalai noch mit den Fingerspitzen das 2:3 verhindern. Womöglich trug es zur Glanztat des Nationaltorhüters bei, dass in seinem Tor zu diesem Zeitpunkt keine störenden Fremdkörper mehr lagen. Kundes Handschuhe wurden vor Wiederanpfiff von Bayern-Torwarttrainer Toni Tapalovic entfernt, als er seinem Schützling dessen Trinkflasche ins Tor stellte.

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