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FSV Mainz 05 : Abschied von einem „Meenzer Bub“

  • -Aktualisiert am

Ein „Meenzer Bub“ ist weg: Ridle Baku wechselt nach Wolfsburg Bild: dpa

Einen Tag vor Jan-Moritz Lichtes Debüt als Mainzer Trainer im Spiel bei Union Berlin lassen die 05er ihren Verteidiger Ridle Baku nach Wolfsburg ziehen. Der Transfer eines weiteren Stammspielers soll folgen.

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          Dem einen wird das Herz schwer, und dem anderen bricht die Abwehr auseinander: Einen Tag vor dem Bundesligaspiel bei Union Berlin am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) hat der FSV Mainz 05 seinen ersten Stammspieler in diesem Sommer verkauft. Für rund zehn Millionen Euro wechselt Ridle Baku zum VfL Wolfsburg, wo er einen Vertrag bis Mitte 2025 unterschrieben hat.

          Bundesliga

          Der am Montag zum Cheftrainer beförderte Jan-Moritz Lichte bedauert diesen Schritt einerseits: „Als Trainer wünschst du dir die bestmögliche Qualität. Es ist nicht mein Wunsch, dass ein Stammspieler den Verein verlässt.“ Andererseits bringt er nicht nur Verständnis für solche Verkäufe auf, sondern erachtet sie sogar als notwendig. „In der Betrachtung dessen, was seit Corona passiert ist, gibt es wichtigere Dinge, als jeden Spieler auf Teufel komm raus zu halten und damit vielleicht den Verein zu gefährden.“

          Fakt ist, dass die 05er solche Transfers brauchen, wollen sie die coronabedingten Einnahmeverluste auffangen. Und Sportvorstand Rouven Schröder betont, er müsse einen weiteren gesetzten Spieler abgeben, gerne auch für ein paar Euro mehr, „damit wir als Eins-zu-eins-Ersatz einen Stammspieler eines anderen Klubs auslösen können“.

          Ob Schröder den 22 Jahre alten Baku, der seit der U 9 alle Nachwuchsmannschaften am Bruchweg durchlaufen hat, der sich über die U 23 zu den Profis kämpfte, der es zum U-21-Nationalspieler brachte, auch freigegeben hätte, wäre schon ein anderer Toptransfer über die Bühne gegangen? „Eine spannende Frage“, sagt er. Einerseits sei Baku für den Klub als „Meenzer Bub“ ein besonderer Spieler und mit viel Herzblut bei der Sache, andererseits habe er aber auch immer seine persönlichen Ziele und seine Karriere im Blick gehabt.

          In der Tat ist Bakus Ehrgeiz, sich sportlich und wirtschaftlich zu verbessern, nicht über Nacht entstanden. Schon vor einem Jahr hatte er versucht, einen Wechsel zu forcieren, weil daraus nichts wurde, trennte er sich von seinem Berater. Jetzt habe er „sehr explizit“ darauf gedrungen, den nächsten Schritt zu gehen, sagt Schröder. „Man hat gespürt, dass die Situation ihn im Kopf nicht freier machte“ – eine nette Umschreibung der Leistungen des Defensivmannes bei den Niederlagen in Leipzig und gegen den VfB Stuttgart. „Die Entwicklung war hinten raus nicht mehr aufzuhalten.“ Also hat sich Baku mittels einer Presseerklärung seines Heimatvereins „mit großer Vorfreude und dennoch schweren Herzens“ verabschiedet.

          Für Jan-Moritz Lichte ist der Abgang des Außenverteidigers zum jetzigen Zeitpunkt besonders ungünstig, da in Berlin auch Moussa Niakhaté fehlen wird; der Innenverteidiger ist nach der Gelb-Roten Karte gegen Stuttgart gesperrt. Lichte ließ bei der digitalen Pressekonferenz am Donnerstag offen, inwieweit er darauf reagieren will. Denkbar ist, die entstandenen Lücken nur mit anderen Personen zu füllen. Statt Baku käme beispielsweise Phillipp Mwene in Frage, im Zentrum dürfte Alexander Hack erste Wahl sein. Daneben brachte der Trainer auch einen Systemwechsel hin zu einer Dreier-/Fünferkette ins Spiel, um die Abwehr mittels eines Innenverteidigertrios zu stabilisieren.

          Der neue Cheftrainer: „Ich bin ein ganz netter Kerl, mit mir kann man gut umgehen“, umschreibt Lichte sich selbst.
          Der neue Cheftrainer: „Ich bin ein ganz netter Kerl, mit mir kann man gut umgehen“, umschreibt Lichte sich selbst. : Bild: dpa

          Viel Zeit für die Vorbereitung auf das Union-Spiel blieb dem 40-Jährigen nicht. Lediglich viermal versammelte er seine Leute auf dem Trainingsplatz um sich, und der ersten Ansprache, in der er seine Erwartungen formulierte, folgten „ein, zwei neue Übungsformen für die Defensive“. Schließlich müsse es in allererster Linie gelingen, weniger Gegentore zu kassieren. „Diese Übungen passen etwas genauer zu meinen Vorstellungen“, führte er aus. „Ich sage nicht, dass es besser ist als vorher, aber es ist anders.“ Spannend zu beobachten wird sein, wie Lichte nach dreieinhalb Jahren als Ko-Trainer der Rollentausch gelingt, wie die Spieler seine Ideen umsetzen und wie sie den neuen ersten Mann akzeptieren. „Ich bin ein ganz netter Kerl, mit mir kann man gut umgehen“, umschreibt er sich selbst.

          Das distanzierte Verhältnis des Cheftrainers zum Team, wie es sein Vorgänger Achim Beierlorzer pflegte, dürfte der Vergangenheit angehören. Sein Eindruck nach den ersten Reaktionen der Profis: „Sie haben kein Problem damit, dass ich jetzt derjenige bin, der die Ansprache hält und die Kritik in ungewohnter Lautstärke vornimmt.“ Nicht unerwähnt lässt Lichte, dass er seine Kicker in der Pflicht sieht. „Die Mannschaft hat sich selbst zuzuschreiben, dass sie jetzt als schwierig gilt“, sagt er. Den ungeliebten Beierlorzer, von dem das Team sich auch in taktischen Fragen alleingelassen fühlte, hat es mehr oder weniger weggestreikt – jetzt steht es in der Pflicht zu zeigen, dass es auch anders kann.

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