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FSV Mainz 05 : „Es muss sich etwas ändern“

  • -Aktualisiert am

Bo Svensson und der FSV Mainz siegen einfach zu selten im Bruchwegstadion Bild: dpa

Der FSV Mainz 05 wird beim 2:2 gegen den Krisenklub München 1860 im eigenen Bruchwegstadion ausgekontert. Mittlerweile warten Mannschaft und Fans seit fünf Spielen auf einen Heimsieg.

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          Es hätte der Pfiffe auf der Fantribüne nicht bedurft, um zu wissen, was die Mainzer Anhänger von ihren Fußballprofis hielten. Wobei es Dragan Bogavac sicher nur gut meinte, als er sich in die Hände klatschend bedanken wollte. Auf der Haupttribüne begann derweil schon der große Marsch. Langsamen Schrittes ließen die Besucher ihre Sitzschalen hinter sich. Es war das fünfte sieglose Heimspiel in Folge gewesen für den Fußball-Zweitligaklub Mainz 05.

          Seit dem 6. Oktober 2008, dem 5:0 gegen den SV Wehen Wiesbaden, wartet Mainz nun schon zu Hause auf den nächsten Dreier. Was die Stimmungslage am gestrigen Sonntag neben dem reinen Ergebnis – 2:2 gegen 1860 München – zusätzlich belastete, war die Erkenntnis, dass die Aufstiegsfavoriten um Cheftrainer Jörn Andersen ein ziemlich schlechtes Fußballspiel geboten hatten.

          Enttäuscht und frustriert

          Ja, auch der Mainzer Manager Christian Heidel war „sehr enttäuscht“, und diese oder ähnlich lautende Einschätzungen sind von allen Mainzer Verantwortlichen zu hören gewesen. Präsident Harald Strutz fand die gesamte Spielentwicklung „schon frustrierend“; dass die 2:0-Führung hergeschenkt wurde, dass es nach etwas mehr als einer Stunde bereits 2:2 stand und der Krisenklub 1860 München letztlich sogar den Sieg verdient gehabt hätte. Was zumindest eines möglich machte: Marco Kurz dürfte seinen Job zunächst behalten. Apropos Trainer. Sein Mainzer Kollege sprach von einer „gefühlten Niederlage“, er hätte sich „mehr Ruhe und Sicherheit gewünscht“, insbesondere nach dem 1:0, nach dem 2:0 sowieso. „Aber heute hat in der Defensive nicht viel gestimmt. Und das müssen wir hinterfragen.“

          Tim Hoogland, Bo Svensson (als Ersatz für den Magen-Darm-Kranken Niko Bungert), Peter van der Heyden – in der Viererabwehrkette passte kaum etwas. „Da waren wir zu nachlässig.“ Ausgenommen Innenverteidiger Nikolce Noveski, der laut Heidel „ein Klassespiel“ absolvierte. Dabei deutete aus Mainzer Sicht zunächst vieles auf einen angenehmen und erfolgreichen Fußball-Nachmittag hin. Florian Heller traf bereits nach vier Minuten zum 1:0, mit Glück und Geschick verhinderten die Mainzer Profis danach zweimal den Ausgleich, das 2:0 (Freistoß Markus Feulner, Tor Felix Borja, 34.) fiel gleichfalls noch in der Münchner Druckphase. „Schon vor dem ersten 60er Tor war bei uns hinten alles offen“, meinte Rechtsverteidiger Hoogland. „Und dann werden wir im eigenen Stadion ausgekontert, das darf so nicht passieren.“

          Ist es aber. Manuel Schäffler traf nach dem Abwehrfehler bereits vor der Pause zum 1:2 (37.), in der 66. Minute durfte Nikolas Ledgerwood unbedrängt flanken, Benjamin Lauth setzte sich gegen Hoogland durch, war mit dem Kopf zu Stelle (2:2). „Wie kommt es zu dieser Flanke?“, fragte Andersen. Auch darauf will er in den nächsten Tagen eine Antwort finden. Und natürlich auf die Frage, weshalb es wieder nicht gelungen ist, einen Vorsprung gewinnbringend umzusetzen. „Unsere Enttäuschung sitzt sehr tief“, sagte der Mainzer Trainer.

          Jede Menge Stoff für Diskussionen

          Und während sich Kurz auf einem „ganz ordentlichen Weg“ sieht, bietet Mainz nach dem ersten Heimspiel des Jahres jede Menge Stoff für Diskussionen. Womöglich ist am heutigen Montag sogar der Aufstiegsplatz dahin, dies hängt vom Ergebnis des 1. FC Kaiserslautern in Nürnberg ab. Andersen will die mangelhafte Defensivleistung hinterfragen. Zwar klang die Drohung von Heidel („Es muss sich etwas ändern“) als erste Reaktion noch reichlich nebulös, kritische Ansatzpunkte jedoch hat der Manager in ausreichender Zahl. „Die taktische Disziplin ließ zu wünschen übrig, wir haben nach hinten zu wenig gearbeitet – Pressing, hinter den Ball gehen, das hat die Mannschaft vergessen.“

          Wobei Heidel ganz grundsätzlich den Eindruck hat, „dass unser Team glaubt, alles spielerisch lösen zu können“. Weil das spielende Personal in der Quersumme, speziell nach den Winterverpflichtungen von Zsolt Löw und Delron Buckley, ungefähr die Qualität der drei Erstligajahre (2004 bis 2007) hat. Andersen ist klar, „dass wir andere Ansprüche haben“, und mit jedem nicht gewonnenen Heimspiel wächst im Aufstiegskampf der Druck, es dann auswärts richten zu müssen. „Wenn man 2:0 führt, muss man das über die Bühne bringen“, sagte Andersen. Aber genau diese Mannschaft hat auch die Hinrundenspiele 16 und 17 verloren und nach der Winterpause bislang nur zwei Unentschieden erreicht.

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