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Eintracht Frankfurt : Warten, warten, warten – nur wie?

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Zwischen Eigensinn und Eigentor: Ralf Fährmann hat seine Einsatzchancen mit einer öffentlichen Klage nicht gerade verbessert. Bild: Wonge Bergmann

Im gut bestückten Kader von Eintracht Frankfurt melden sich überraschend oft die Unzufriedenen zu Wort – zuletzt Torhüter Fährmann. Bei Mainz 05 wird der Spielerkreis gestrafft und verjüngt.

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          Marcos Alvarez, 19 Jahre alt und im ersten Jahr Fußballprofi, war der erste Spieler bei der Frankfurter Eintracht, der in einem Interview seiner Unzufriedenheit über mangelnde Einsatzzeiten öffentlich Luft machte. Ioannis Amanatidis, einer der Platzhirsche, wurde kurz darauf deutlicher. Trainer Michael Skibbe habe „das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt“, polterte der ehemalige Kapitän unlängst. Martin Fenin und Ümit Korkmaz, wie Amanatidis beide Nationalspieler, beklagten ebenfalls lautstark ihre geringen Einsatzzeiten in der Vorrunde und dachten ebenso laut über Vereinswechsel in der Winterpause nach. Marcel Heller will „auf jeden Fall gehen“, wenn ein adäquates Angebot kommt. Mit Cenk Tosun und Ralf Fährmann sind gerade erst zwei jüngere Spieler den Beispielen der anderen gefolgt. Stürmer Tosun zieht es zu Galatasaray Istanbul, Torwart Fährmann will sich nicht mehr länger mit der Rolle als Nummer zwei hinter Oka Nikolov abfinden und denkt über einen Vereinswechsel nach – womöglich schon in der winterlichen Transferperiode. Es ist unübersehbar: Im Kader der Eintracht herrscht Unruhe.

          Alle genannten Spieler haben noch Verträge bei der Eintracht, die meisten sogar über diesen Sommer hinaus. Doch bei vielen erschweren in die Kontrakte eingebaute Klauseln dem Verein das Handeln. „Es ist das Bestreben der Spielerberater, immer irgendwelche Klauseln zu verankern“, sagt der Eintracht-Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen. Dagegen wehren können sich die Vereine kaum, denn sonst würden die Spieler einfach nicht unterschreiben. Und so sitzt Bruchhagen immer wieder mal am kürzeren Hebel – so bei den Talenten Alvarez und Tosun, die zum Ende der Saison ablösefrei gehen können, wenn sie nicht auf eine bestimmte Anzahl von Spielen kommen.

          „Doch als Arbeitgeber darf ich nicht öffentlich über Verträge sprechen“

          Auch Fährmann ist in die Öffentlichkeit gegangen, weil er eine Vertragsklausel im Rücken weiß. Für drei Millionen Euro dürfte er die Eintracht im Sommer verlassen, obwohl er noch bis 2012 unter Vertrag steht. Der Vorstoß des 22 Jahre alten Keepers ist gar nicht gut angekommen. Er sei „sehr gespannt“ auf den Verein, der mal eben drei Millionen Euro für Fährmann bezahlen wolle, sagte Skibbe. Dass Fährmann dem Platz zwischen den Pfosten mit den jüngsten Aussagen nicht näher gekommen ist, machte Skibbe auch deutlich. „Im Tor steht gegen Hannover Oka Nikolov“, hat er am Mittwoch bekräftigt. Bei Aufgeboten von teilweise bis zu dreißig Spielern sind die Quoten der Unzufriedenen jedenfalls nicht nur in Frankfurt hoch. Auch deshalb will die Eintracht – wie viele andere Klubs – das Personal für die nächste Saison verringern.

          Bruchhagen würde auf die Aussagen der Spieler manchmal gerne antworten, „doch als Arbeitgeber darf ich nicht öffentlich über Verträge sprechen“. Also schweigt er und ärgert sich, wenn Spieler oder deren Berater gerade jene Passagen der Verträge hinausposaunen, die ihnen vermeintliche Vorteile bescheren. Alvarez und Amanatidis wurden vor ein paar Wochen freundlich, aber deutlich darauf hingewiesen, dass weitere öffentliche Einlassungen zu einer Bestrafung führen könnten. Viel mehr als solche Strafandrohungen sind den Klubs verwehrt. Sichtbar wird dies aktuell bei Klubs wie Schalke 04 oder Hoffenheim, die den Streiks einzelner Spieler ratlos gegenüberstehen. Wenigstens davon ist die Eintracht bisher verschont geblieben. Es geht aber auch eine Spur ruhiger und entspannter, jedenfalls was aufstrebende und latent ungeduldige Talente betrifft – Beispiel Mainz 05.

          Warten auf die zweite Chance

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