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Eintracht Frankfurt : Schöne Bescherung

  • -Aktualisiert am

Das schmerzt: Nach dem Ausfall von Chris trifft es mit Maik Franz wieder einen Stammspieler. Bild: Wonge Bergmann

Schnee auf den Plätzen ist hier wie dort ein Problem. Anders als Mainz aber hat die Eintracht beim Derby einen Stammspieler weniger: Maik Franz fällt längere Zeit aus.

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          Die Begegnung gegen Mainz 05 sei für die Frankfurter Eintracht – natürlich – „ein besonderes Spiel“, sagt Michael Skibbe, „es ist eben ein Derby und setzt viele Emotionen frei“. Besondere Maßnahmen in der Vorbereitung aber hat der Frankfurter Trainer nicht geplant. Der Übungsplan für diese Woche gleicht jenem aus den vergangenen Wochen bis ins Detail der Anfangszeiten. Der „normale Rhythmus“ soll beibehalten werden, sagt Skibbe. Doch gleich beim Auftakt am Dienstagvormittag haben die Wetterverhältnisse Normalität verhindert. Das Trainingsgelände rund um die Frankfurter WM-Arena war tief verschneit. Die Rasenheizung auf dem Trainingsplatz an der Wintersporthalle hatte zwar dafür gesorgt, dass der Boden nicht gefroren war, die Schneemassen aber konnte sie nicht wegtauen. Also zeigte sich Skibbe mit seinem Trainerteam flexibel und verlegte die erste Übungseinheit der Woche ins Trockene und Warme.

          In zwei Gruppen wurden in der Kabine und im Kraftraum je 45 Minuten Stabilisationsübungen unter der Anleitung von Physiotherapeut Stefan Braunsdorf und Kraftübungen unter der Anleitung von Rehatrainer Michael Fabacher absolviert. Für Braunsdorf war es die Abschiedsvorstellung bei der Eintracht, er scheidet aus dem medizinischen Team aus und wird durch Daniel Rung ersetzt, der zuletzt für die Basketball-Mannschaft der Frankfurt Skyliners gearbeitet hat. Während die Spieler in den Katakomben schwitzten, begutachteten Skibbe, sein Assistent Eddy Boekamp und Torwarttrainer Andreas Menger die Bedingungen in der Frankfurter Winterlandschaft. Die Hilfskräfte der Arena-Betreiber wurden gebeten, den Schnee vom Platz so weit zu entfernen, dass die Einheit am Nachmittag absolviert werden konnte. Den weiteren Schneefällen, die vorhergesagt wurden, sieht Skibbe gelassen entgegen. „Notfalls müssen wir eine Einheit in der Arena selbst absolvieren“, sagte er. Dort strahlt wie immer eine künstliche Höhensonne und hat den Platz weitgehend schneefrei gehalten.

          „Das gibt 'ne neue Karriere als Schneeschieber“, sagt der Mainzer Trainer

          Am Nachmittag wurde dann trotz der widrigen äußeren Umstände bei guten Platzbedingungen mit dem Ball gearbeitet. Maik Franz war wegen eines Teilrisses der Bauchmuskulatur nicht dabei und wird beim Derby definitiv ausfallen. Martin Fenin musste wegen einer Knöchelprellung pausieren. Benjamin Köhler hat seine Adduktorenverletzung so weit überwunden, dass er Lauftraining absolvieren konnte. Der Trainer rechnet fürs Derby fest mit ihm. Die Normalität war also wieder eingekehrt, es wurden Passfolgen geübt, es wurde geschossen und gespielt. Während der Woche werden auch Standardsituationen geübt. Im Gegensatz zu seinem Mainzer Kollegen Thomas Tuchel nämlich, der auf Freistoß- und Eckballtraining bewusst verzichtet, hält Skibbe dieses Spezialtraining für notwendig. „Es ist wichtig, dass der Spieler, der den Freistoß oder die Ecke ausführt, Sicherheit bekommt“, sagt er, „und es ist auch wichtig, dass in der Defensive Absprachen getroffen werden, wer wo hinzulaufen hat.“ Zumal dann, wenn – wie bei der Eintracht – bei Ecken und Freistößen für den Gegner keine direkte Zuordnung zum Gegner vorgegeben ist, sondern in Raumdeckung verteidigt wird. Und in Mainz?

          Nicht zu fassen, aber nicht ein Kiebitz war dort auf dem Trainingsplatz. Der ist dank einer Rasenheizung weitgehend vom Schnee befreit, den Rest schieben die Mainzer Profis selbst beiseite. „Vorbildlich“ sind dabei laut Cheftrainer Thomas Tuchel der Österreicher Andreas Ivanschitz und der Ungar Adam Szalai. „Das gibt 'ne neue Karriere als Schneeschieber“, frotzelt Heinz Müller, aktuell zweiter Tormann. Es ist Tag eins nach 72 trainingsfreien Stunden, die Spielanalyse vom 3:0 gegen den 1. FC Nürnberg haben die Mainzer gerade hinter sich gebracht. Nun folgt „eine Einheit ohne große Schwerpunkte“, sagt Tuchel. Aufwärmen mit Ball, ein paar kurze Pässe, Schneereste schieben. „Männer, auf geht‘s, kommt, bewegen!“, ruft Tuchel. Letztlich ist eine Fläche, doppelt so groß wie der Sechzehnmeterraum, vom Schnee geräumt. „Der Platz ist tief“, sagt der Trainer später. „Doch hier geht alles normal weiter.“ Es soll ja nochmals schneien – und dann? Nein, er habe noch keinen Plan B, vielleicht geht es in die Halle.

          Jan Simak kehrt wohl gar nicht mehr zurück in die Mannschaft

          Erst einmal aber sind die drei Torhüter mit ihrem Trainer Stephan Kuhnert zugange, Tuchel hat ein Auge auf das Spielchen Acht gegen Acht, Assistenztrainer Arno Michels übernimmt die restliche Gruppe. Nach gut 90 Minuten ist alles vorbei, „Platz aufräumen!“, brüllt Tuchel. Die Spieler tummeln sich in Richtung Kabine. Nur Christian Fuchs und Haruna Babangida bleiben noch und bewerfen Sami Allagui mit Schnellbällen, als dieser ein Interview gibt. Gegen Nürnberg hat er das dritte Tor erzielt. Ob er sich jetzt Hoffnungen auf die Startelf mache? „Klar. Mal sehen, was passiert.“ Und überhaupt: „Wir sollten die zwei Niederlagen der Eintracht gegen Hoffenheim und bei den Bayern nicht zu hoch bewerten.“

          Sein Stürmerkumpel André Schürrle hat im Trainingsspiel vom knochenharten Kapitän Nikolce Noveski einen Tritt gegen das Sprunggelenk bekommen – der Jung-Nationalspieler trottet etwas trotzig von dannen. Nach der Mittagsruhe zieht es Mainz 05 dann in den Kraftraum. An der Trainingsintensität mag Tuchel angesichts der unsicheren Wetterlage nichts ändern, „aber vielleicht fahren wir den Umfang herunter“. Weiterhin ungewiss ist der Einsatz von Mittelfeldspielers Marco Caligiuri – Oberschenkelzerrung, das wird eng. Erst am Donnerstag soll der Stammspieler ins Teamtraining zurückkehren. Jan Simak kehrt wohl gar nicht mehr zurück in die Mannschaft. Der Berater des 32 Jahre alten Tschechen sondiert derzeit den Markt, Simak wird Mainz 05 in der Winterpause mit hoher Wahrscheinlichkeit vorzeitig verlassen. Nur zweimal durfte er in dieser Saison auflaufen, in der Bundesliga gegen Stuttgart und im Pokalspiel beim Berliner AK. Gesamtspielzeit: etwas mehr als eine halbe Stunde.

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