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Eintracht Frankfurt : Eine Frage des Vertrauens vor dem Derby

  • -Aktualisiert am

Kann schneller wieder in der Bundesliga eingreifen als gedacht: Martin Fenin (vorne) Bild: Wonge Bergmann

Der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht und der Trainer werben vor Mitgliedern wieder einmal für ihre Sache. Sie lassen aber das Derby gegen Mainz 05 nicht aus den Augen. Erwartet wird ein Samstagabend, an dem es „richtig gut abgeht“.

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          Heribert Bruchhagen hatte seine Rede vorbereitet. Er war aufgrund seines Amtes dazu verpflichtet, auf der Mitgliederversammlung des Vereins Eintracht Frankfurt die Dinge aus Sicht der Fußball-AG darzustellen. Michael Skibbe dagegen musste spontan ans Rednerpult, weil ihn Präsident Peter Fischer darum gebeten hatte. Dem Vorstandsvorsitzenden und dem Trainer gemein waren die Leidenschaft, mit der sie am Montag ihre Anliegen vortrugen. Die etwas mehr als 250 von insgesamt 15.000 Mitgliedern waren erstaunt über die Emotionalität beim sonst so kontrolliert auftretenden Bruchhagen. Und sie waren überrascht von der Konsequenz, mit der der Trainer seine Auffassungen vertrat. Bruchhagens Warnungen vor zu viel Wunschdenken konnten auch als Mahnung an den Trainer verstanden werden, nicht zu viel zu erwarten von seinem Arbeitgeber.

          Der Eintracht-Chef vertrat abermals und kompromisslos den Weg des Vorstands, nicht mehr Geld auszugeben als eingenommen wird. All jenen, die Risikofreude forderten, erteilte er eine Absage. Dies wäre fahrlässig und sei mit ihm und seinen Kollegen, die sich bei Amtsantritt einer Selbstbeschränkung unterworfen hätten, nicht zu machen. „Jeder Kredit und jede Finanzspritze verändert den Verein“, sagte Bruchhagen, „und wenn das Geld verschossen und die Party vorbei ist, dann hat man eine andere Struktur.“ Man dürfe nicht allen Träumen und Visionen nachgehen, verlangte Bruchhagen. „Wir müssen hinnehmen, dass acht andere Klubs den doppelten Etat zur Verfügung haben.“ Und deshalb müsse ein Eintracht-Fan ein 0:5 gegen Bremen hinnehmen. „Und er darf sich freuen, wenn wir mal gegen Bremen 2:1 gewinnen.“

          „Verantwortungsvolle Tochter“ des Vereins

          Die Fußball-AG sei eine „verantwortungsvolle Tochter“ des Vereins. Gerade deshalb könne sie die zu erwartenden Verluste in dieser und in der kommenden Saison ausgleichen, ohne Kredite aufzunehmen. „Der Weg ist klar, das Ziel ist klar. Es kommt darauf an, wie geduldig man ist.“ Nichts sei schöner als im Profisport zu arbeiten, sagte Bruchhagen. Derzeit aber sei es auch eine Last. „Über uns hat sich eine Glocke der Unzufriedenheit gelegt“, meinte er. „Wenn sich der innere Kern von der Emotion leiten lässt, dann haben wir bald wieder Verhältnisse, die wir schon hinter uns hatten.“ Die Wünsche und Erwartungen würden ihn und seine Kollegen „fast erdrücken“.

          Bruchhagen appellierte an die Mitglieder, Solidarität zu zeigen mit den handelnden Personen: „Was du pflanzt, wirst du ernten. Nur der Zeitpunkt ist ungewiss“, sagte er. Und weiter: „Vertrauen sie uns, wir haben dir richtige Strategie.“ Zu den Ungeduldigen gehört zweifellos auch Skibbe. „In Frankfurt ist die Sehnsucht nach gutem Fußball sehr groß“, sagte er. Er sei sich bewusst, wie schwer es ist, den Spagat zu schaffen „zwischen Tagesgeschäft und Weitblick“. Es gebe keine grundsätzlichen Meinungsunterschiede zwischen Bruchhagen und ihm. „Ich will helfen, dass Bewegung in den Verein kommt.“ Er sei sehr gerne Trainer in Frankfurt, und es sei wichtig, „dass in der Eintracht auch etwas von der Handschrift des Trainers zu erkennen ist“. Dazu gehöre sein Wunsch, „dass wir näher an die Vereine heranrücken, die vor uns liegen.“

          Noch keine großen Derbygefühle

          Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich an diesem Samstag gegen den FSV Mainz 05. Große Derbygefühle haben sich bei Skibbe aber noch nicht eingestellt, wie er am Dienstag nach dem Training verriet. Bis zum Anstoß des Spiels um 18.30 Uhr in der WM-Arena bleibe aber genügend Zeit, um die Spannung aufzubauen, die ein Team benötige, um sich in einer wichtigen Partie wie dieser zu behaupten. Wenngleich die Bedeutung des Aufeinandertreffens nicht mit der in Jahrzehnten gewachsenen Rivalität mit den Offenbacher Kickers mithalten könne. Skibbe erwartet einen Bundesligaabend, bei dem es in sportlich-fairer Atmosphäre „richtig gut abgeht“.

          Er, der als gebürtiger Gelsenkirchner und späterer Trainer des BVB lange vom Konkurrenzdenken zwischen dem FC Schalke und der Dortmunder Borussia beeinflusst wurde, erlebte bereits ein Kräftemessen zwischen den Frankfurtern und den Rheinhessen – „vor ein paar Jahren, in meiner Zeit als Trainer beim Deutschen Fußball-Bund“. Das Ergebnis der Aufeinandertreffens am Bruchweg war ihm nicht mehr präsent, dafür aber Erinnerungen an „ein Spiel, bei dem Mannschaften und Fanlager gut drauf waren“. So dürfe es an diesem Wochenende gerne wieder werden, sagte Skibbe, der dank des 3:1 in Berlin in dieser Woche entspannter als zuletzt seinem Tagwerk nachgehen kann. Mit einem Erfolg im Rücken falle vieles leichter, und mit einem Mal sei sogar der Vorsatz von 23 Punkten zu Beginn der Winterpause wieder machbar.

          Fenin wieder dabei

          Schneller als von Skibbe erwartet, kann auch Martin Fenin wieder mithelfen, die Eintracht auf Kurs zu halten. Der Stürmer absolvierte nach einer weiteren Leistenoperation eine komplette Übungseinheit – und klagte über keinerlei Schmerzen mehr. Die Behandlung bei einer Spezialistin in München zeigt offenbar die gewünschte Wirkung. Selbst ein Einsatz gegen Mainz ist plötzlich nicht mehr ausgeschlossen.

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